Einzelstück
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Fiat 130 als Kombi – chancenlos

Der Fiat 130 war eigentlich grossartig. Aber auch chancenlos. Und die Kombi-Varianten blieben Einzelstücke.

Veröffentlicht am 16.12.2021

Der Fiat 130, ob als Limousine oder Coupé, war aus der Art geschlagen. Zwar verstand sich die Marke immer darauf, seinen sonst eher bodenständigen Modellen ein paar Extravaganzen zur Seite zu stellen, doch alles in allem war es eine Marke klarer Verhältnisse.

Der 8V (sprich: Otto Vu) war mehr eine Ehrensache als ein ernstgemeintes Modell. Der 1100er versuchte gar nicht, luxuriöser zu wirken, als er war, konnte aber sportliche Erfolge nachweisen und bekam eine Pininfarina-Hülle übergeworfen, die ihn über alles erhob. Ähnliches galt für den 2300er – kraft seiner Optik etwas Besseres, aber beim Klimmzug zur Oberklasse blieb er auf halbem Weg stecken.

Fiat 130 - mit Lampredi-Maschine

Der 130er aber war für die Reichen und Schönen und nicht für laute Naturburschen gedacht. Eine Oberklasse-Verwandtschaft in der Familie tat dem Renommee eben noch immer gut. Servolenkung, Klimaanlage und Automatik gab es serienmässig. Leder im Prinzip auch – denn der grell­orange Stoff, der ohne diese Option drin gewesen wäre, stand ausser in Blindenschulen überall unter Strafe. Der Innenraum wurde von echtem Holz durchzogen, das Lenkrad war höhen- und längsverstellbar.

Aurelio Lampredi, ja, genau der, hatte für den 130er einen eigenen Motor entwickelt, sechs Zylinder, 2,9 Liter Hubraum, 140 PS; das Limo-Design stammt übrigens von Mario Felice Boano. Für das Fiat 130 Coupé, das 1971 erstmals auf den Markt kam und von Paolo Martin sowie Leonardo Fioravanti entworfen worden war, gab es dann 3,2 Liter, 165 PS. Erst später sollte das Aggregat auch den Weg in die Limousine finden.

Der Fiat 130 als Leichenwagen

Um es kurz zu machen: das Auto floppte – 4493 Stück wurden vom Coupé zwischen 1971 und 1977 gebaut (die Limousine kam auch nur auf etwa 15’000 Stück). Es war kein tiefer Griff ins Klo, aber eben doch ein wirtschaftliches Hoppala. Preis und Image passten nicht zusammen. Das 130 Coupé kostete so viel wie ein BMW 3,0 CSI oder ein Ferrari Dino 246 Coupé. Wer damals Fiat hörte, der dachte nur an Rost, Kleinwagen oder allenfalls noch Motorsport, aber nicht an die Oberklasse.

Wahrlich in der Oberklasse waren einige wenige Einzelstücke zu finden, die es vom Fiat 130 auch noch gab: die Kombi (ital.: Familiare). Es ist nicht ganz klar, wie viele Exemplare wirklich gebaut wurden. Die meisten davon waren: Leichenwagen (von den Spezialisten Pilato und Casale). Das Werk selber baute sicher einen Prototypen, der aber keine Chance auf eine Serienfertigung hatte.

Mehr Kombis vom Fiat 130

Von Pininfarina kam auch ein sehr gutes Stück. Auf Basis des Coupé - es war also ein Shooting Brake. Mit grosszügiger Verglasung und einem hübschen Hintern. Der Wagen wurde als Maremma bezeichnet und blieb ein Einzelstück.

Etwas mehr Erfolg hatte die ansonsten unbekannten Officine Introzzi aus Norditalien. Mindestens vier Fiat 130 Kombi entstanden auf Basis der Limousine. Am bekanntesten ist der Villa d'Este, der Gianni Agnelli persönlich gehörte. Er hatte den Wagen in St. Moritz parkiert - und warf seine Skier jeweils in den Dachkorb (es muss sich um Kurz-Ski gehandelt haben). Mindestens zwei der Introzzi-Kombi existieren noch.

Wir suchen dann noch mehr dieser aussergewöhnlichen Kombinationskraftwagen - Vorschläge?

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