Klassiker

Abarth-Simca 1300 GT - böser Zwerg

Mit dem Abarth-Simca 1300 GT begann für Carlo Abarth eine neue Ära. Und für die Gegner eine harte Zeit.

Veröffentlicht am 29.08.2021

Der grosse, grosse Carlo Abarth und Henri Pigozzi, Chef von Simca, plauderten dann und wann. Und als Simca Ende der 50er-Jahre einen eigenen Kleinwagen mit Heckmotor in der Entwicklung hatte (eigentlich hatten Fiat und Simca einen 600er-Nachfolger gemeinsam konstruieren wollen, Project 122), da war die Expertise von Abarth natürlich willkommen. Es half sicher auch, dass Rudolf Hruska, langjähriger Geschäftspartner und guter Freund von Carlo Abarth, bei der Entwicklung des Simca 1000 beratend tätig war.

Die beiden Österreicher konnten den in Frankreich lebenden Italiener überzeugen, dass Rennsport unbedingt ein gutes Mittel wäre, den von Mario Revelli de Beaumont gezeichneten Simca 1000 bekannter zu machen. Und so begann eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Es war ein wichtiger Moment in der Geschichte von Abarth, denn zum ersten Mal konnten die Turiner mit der finanziellen Hilfe der Franzosen einen eigenen Motor konstruieren. Zwar gab es auch einen Auftrag, den Simca 1000 ein bisschen flotter zu machen (daraus entstand der Simca-Abarth 1150), doch da war auch noch ein 1300er geplant.

Abarth vergrösserte den schon bestehenden Bialbero-Motor auf 1288 cm3 (Bohrung x Hub 76 x 71 mm). Mit einer Verdichtung von 10,4:1 und zwei Weber-45DCOE-Doppelvergasern kam das Maschinchen auf satte 125 PS bei 6000/min (das Drehzahllimit lag aber bei 7200/min…). Plattform, Getriebe, Lenkung und auch das Fahrwerk wurden vom Simca 1000 übernommen, die Karrosserie wurde von Mario Colucci gezeichnet und bei Odoardo Beccaris gleich ums Eck von den Abarth-Hallen am Corso Marche gebaut.

Es gab später unterschiedliche Karosserieformen. Unterschieden wird zwischen kurzer und langer Nase (spätere Modelle wurden bei Sibona & Basano aufgebaut). Das Gerät, das nur gerade 630 Kilo wog, über eine Trockensumpf-Schmierung verfügte und bis zu 240 km/h schnell war, kostete stolze 3’300’000 Millionen Lire; einen braven Simca 1000 gab es für 935’000 Lire. Aber für den Rennsport waren diese Abarth Simca 1300 ihr Geld unbedingt wert. Sie fuhren in kurzer Zeit mehr als 90 Klassen- und Kategorien-Siege ein.

Der Ehrgeiz von Carlo Abarth war geweckt – die 1300er hatten keine Gegner, also wollte er auch noch die Klassen bis 1,6 sowie 2 Liter Hubraum aufmischen. Der 1,6-Liter kam zuerst auf 155 PS, dann mit Doppelzündung sogar auf 177 PS (und das bei nur gerade 740 Kilo), wurde aber schnell vom Reglement besiegt. Schon im Frühling 1963 wurde der 2000 GT vorgestellt, der dann ab 1964 rennen durfte. Gleich beim ersten Auftritt bei einem Bergrennen in Italien vernaschte er mit seinen offiziell 204 PS einen ebenfalls ganz neuen Ferrari 250 GTO.

Doch das ist eine andere Geschichte, die erzählen wir dann auch mal noch. Wenn Sie unterdessen mehr über die klassischen Abarth wissen wollen, dann empfehlen wir Ihnen gerne diese Seite. Text: Peter Ruch; Photos: RM Sotheby's.

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