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Auto Illustrierte 12 2014 - Brennpunkt

16 auto-illustrierte 12|14 Text Philipp Aeberli Grafik Rahel Suter Nur zu rund 30 Prozent sei unser Strassennetz aus­ gelastet, sagte Bundesrätin Doris Leuthard anlässlich des Infrastrukturtages an der Uni­ versität St. Gallen. Wer sich schon mal im morgendlichen Stossverkehr von Zürich nach Bern quälte, hat daran seine Zweifel. 20 000 Staustunden fallen pro Jahr auf Schweizer Strassen an. Das geht gesamt­ wirtschaftlich gesehen ins Geld: Ein Lastwagen, der eine Stunde im Stau steht, kostet rund 200 Franken. Fakt ist aber, dass die Ver­ kehrswege ausserhalb der Stosszeiten durchaus über un­ genutzte Kapazitäten verfügen. «Wir müssen uns überlegen, wie wir das, was wir haben, besser nutzen können. Es ist noch nicht dramatisch, aber wir sollten schon jetzt planen», sagt Leuthard. Anfang 2015 will der Bundesrat ein Konzept veröf­ fentlichen, das durch gleichmäs­ sigere Verkehrsverteilung die Infrastruktur in den Stosszeiten entlasten soll. Die Spitzen bre­ chen soll ein System des «Mo­ bility Pricing»: Wer partout in der Rushhour los will, zahlt mehr als jene, die früher oder später abfahren. Klingt sinnvoll. Zumal es sich nicht um eine Finanzierungsabgabe, sondern eine Lenkungsabgabe handeln soll. Nicht Geldmacherei, son­ dern Zahlen nach persönlichem Bedarf als Massnahme gegen die Überlastung der Strassen. Niemand steigt morgens um halb acht gern ins Auto. Doch wer pünktlich bei der Arbeit sein muss, hat keine Wahl. Noch härter trifft es den Schwerver­ kehr, denn schliesslich erwarten wir morgens um acht frische Weggli im Supermarkt. «Wir würden gerne eine zusätzliche Gebühr bezahlen, wenn unsere Lastwagen dafür morgens nicht im Stau stehen», sagt Thomas Mahrer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Coop. Theorie und Praxis In Stockholm läuft «Mobility Pri­ cing» seit 2008. Seither haben sich die Stauzeiten um 30 bis 50% verringert. Das Konzept scheint zu funktionieren. Klar, die technische Umsetzung wäre eine Mammutübung. Aber auch hierzulande lösbar, nicht nur in Stockholm. Vor allem aber müssten die Rahmenbe­ dingungen stimmen, damit sich ein solches Konzept durchset­ zen kann. Denn es macht kei­ nen Sinn, nur über monetäre Anreize die Verkehrsspitzen zu brechen. Wer zur Zeit X am Ar­ beitsplatz sein muss, hat auch mit gutem Willen keine Chance, auf verkehrsschwache Zeiten auszuweichen. Und zahlt dann. Man müsste Pendlern die Möglichkeit geben, zu reagie­ ren: Gleitende Arbeitszeiten, Home­Office, Fahrgemein­ schaften oder Fortbewegungs­ mittel wie E­Bikes. Derartige Versuche laufen derzeit mit Er­ folg in Holland. Der Ball liegt also nur zur Hälfte bei der Poli­ tik. Mindestens genauso wich­ tig sind Vorstösse aus der Wirt­ schaft und Anreize für die Wirt­ schaft. Schliesslich würde ein solches System tendenziell eine Abkehr vom klassischen Ar­ beitsmodell bedeuten. Wenig zahlen, einfach fahren Schreiben Sie uns Ihre Meinung… zum Thema per E-Mail: ai@motorpresse.ch oder per Post: auto-illustrierte, Industriestrasse 28, 8604 Volketswil WAS MEINEN SIE DAZU? Mobility Pricing soll künftig Stauzeiten reduzieren und den Verkehr gleich- mässiger verteilen. Das funktioniert nur, wenn die Arbeitgeber mitspielen. BRENNPUNKT Mobility Pricing Zweifel. 20000 Staustunden

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