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Auto Illustrierte 08 2015

110 AUTO-ILLUSTRIERTE 08|15 HIN UND WEG|NEW DETROIT IM CADILLAC ELR Entspannte Pause auf dem Dach der Z Garage, Library Street. Erst in der Dämmerung fällt auf, wie viele Fenster dunkel sind. A lex fädelt sich aus dem Fond, schaut sich miss- trauisch um.Alles still in der kleinen Parkanlage an der Griswold Street, mitten in Downtown Detroit und nur einen Steinwurf vom Hotel entfernt. Besser gesagt: totenstill. Niemand auf der Strasse. Aber Alex entspannt sich: «Noch vor drei Jahren hätten wir uns um diese Zeit hier nicht herumge- trieben», sagt er. Damals galt der Platz als Detroits inoffizielles Kri- minalitätszentrum: Mord, Verge- waltigungen,Raubüberfälle.Aber auch der Rest der Innenstadt von Motor City war alles andere als eine gefahrlose Flaniermeile. Da- mals entschieden die Fotografen der Stadt, unter ihnen auch Alex und Tom, der gerade im Cockpit des Cadillac ELR mit der Kame- ra hantiert: Niemand geht allei- ne in Detroit fotografieren. Einer knipst, einer passt auf. Sie halten es bis heute so. Detroit, Motorcity, Motown: Autos, Musik und die Vergnü- gungssucht der Massen bestimm- ten einst das Leben hier. Doch seit etwa zehn Jahren muss die verwahrloste und herunterge- kommene Metropole am Detroit River immer wieder herhalten als Symbol für die reformunwillige US-Autoindustrie, für die globale Finanzkrise,das Elend der moder- nen Städte und überhaupt: die an- geblich dem Untergang geweihte US-amerikanische Gesellschaft. Neighbourhoods mit verbarri- kadierten Holzhäusern, Graffitis an turmhohen Fabrikhallen, die Dächer längst eingestürzt, die Strassen nur ein loser Haufen Beton und mittendrin die letz- ten Detroiter, die Gemüse auf den Grünstreifen der Highways ziehen: Diese Bilder bestimmten zuletzt das Image der Stadt. Und gaben ihrer Situation eine trüge- rische Aktualität. «Dabei hat es schon anfangs der 1970er ange- fangen», sagt Alex. Die klassische Industrie produzierte zu teuer,die Menschen wanderten ab. Ein Prozess, den viele Gross- städte im US-amerikanischen Nordosten durchmachten. Im Jahr 1950 lebten rund 1,9 Milli- onen Menschen in Detroit, heute sind es kaum mehr 600000. Alex durchstreifte schon vor 30 Jahren die Industriebrachen und Büro- komplexe, die wirkten, als seien sie gerade erst verlassen worden, und schoss Bilder wie jene, die

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