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Auto Illustrierte 06 2015 - Happy Birthday, ESP!

91 06|15 AUTO-ILLUSTRIERTE DREI SICHERE BUCHSTABEN Vor 20 Jahren ging das elektronische Stabilitätspro- gramm ESP in Serie. Heute ist es neben dem Gurt die wichtigste Sicherheitstechnik unserer Autos. E s ist kalt, bitterkalt. 20 Grad unter Null. Doch die Repor- teramRandedesnordschwe- dischen Eissees frieren nicht. Be- geisterung wärmt sie: Denn sie trauen ihren Augen nicht. Zwei Autos drehen nebenein- ander ihre Runden über das Eis, Vollgas. Während das eine immer wieder ins Schleudern kommt, bleibt der andere Wagen sicher in der Spur und trotzt dem spie- gelglatten Untergrund. Über 20 Jahre hatte Anton Theodoor van Zan- ten gearbeitet,um Bis es gelang, Sensoren preis- wert wie Mikrochips herzustellen – als hauchdünne,bewegliche Fo- lien, die jede Bewegung erfassen. Die ESP-Software basiert auf ei- nem mathematischen Modell mit Idealwerten für alle erdenklichen Fahrsituationen, die der Rechner ständig mit den Sensordaten über Lenkwinkel, Raddrehzahlen, Bremsdruck und Drehbewegung vergleicht. Weichen die Ist-Werte zu stark von den programmier- ten Soll-Daten ab, diagnostiziert das System Unfallgefahr. Dann werden blitzschnell die kurzen Brems-Impulse aktiviert, die das Auto auf Kurs halten. Anders als ABS kann ESP den Autolenker in allen Fahrsituationen unterstüt- zen – beim Beschleunigen eben- so wie bei der Vollbremsung,beim Rollen des Fahrzeugs ebenso wie beim schnellen Ausweichen vor einem Hindernis. Wahrscheinlich wäre das ESP für lange Zeit ein teures Extra aus der Luxusklasse geblieben, wäre 1997 nicht eine Mercedes A-Klasse beim Elchtest gekippt. Nach langem Zögern entschied der Daimler-Vorstand, den Kom- paktwagen serienmässig mit ESP auszustatten.Heute ist es bei Neu- wagen Pflicht. Danke, Elch. CV ■ Anton van Zanten; einst ESP-Entwick- ler bei Bosch. Bremseingriff am roten Rad per ESP – schon lässt sich ein Hindernis ohne Ausbrechen des Fahrzeugs umkurven. diesen Tag zu erleben. Er ist der Erfinder des Systems,mit dem Au- tofahrer schleuderfrei durch die Kurve fahren können – nicht nur bei Glatteis. Vor 20 Jahren, im Mai 1995, ging das elektronische Stabilitäts- programm ESP erstmals in Serie. «Eigentlich wollte ich nur ein ver- bessertes Antiblockiersystem ent- wickeln», sagt der heute 74-jäh- rige Niederländer. «Ein ABS, das auch in Kurven oder beim leich- ten Bremsen funktioniert und das Auto in der Spur hält.» Schon 1972 hatte sich van Zanten im Rahmen seiner Doktorarbeit mit dieser Idee beschäftigt. Er fand heraus, dass man schleudernde Autos durch kurze Brems-Impulse an den Vorder- oder Hinterrädern wieder stabilisieren kann. Vorerst nur Theorie.Anfang der 1980er-Jahre bekam van Zanten bei Bosch die Chance für eigene Tests. Doch was im Computer funktionierte, war in der Praxis nicht machbar. Es haperte an ei- nem Sensor, der das Schleudern des Autos erkennt. Diese gab es damals nur in Steuersystemen mi- litärischer Raketen: Wunderwer- ke für rund 40000 Franken pro Stück. Erneut musste van Zanten seine Idee auf Eis legen. TECHNIK20 JAHRE ELEKTRONISCHES STABILITÄTSPROGRAMM

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