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Auto Illustrierte 06 2015

28 AUTO-ILLUSTRIERTE 06|15 Oversuche, eine konstante Watt- frequenz zu halten. Ermunternd klopft mir Neel auf die Schulter. «Bist doch noch ganz schön fit. Für mich ist das Training in ge- schlossenen Räumen der Horror. Erst recht, wenn ich weiss, dass ich ebenso gut draussen trainie- ren kann.» Nach gut 15 Minuten ist auch diese Session erledigt.Die Luft wird dünner und dünner für mich. Winde mich vom Bike, hin zum Reaktionstest. Reaktion wie eine Schlaftablette Die Beinmuskulatur brennt. Jetzt heisst es, gegen die Uhr aufleuch- tende Lampen auszubuzzern.Neel legt 36 vor.Sieht einfacher aus,als es ist. Meine 32 zeugen da schon fast von einer Reaktion wie eine Schlaftablette. «Lass den Kopf nicht hängen, das ist reines Trai- ning», muntert Anna mich auf. «Diese Übung geht ja noch eini- germassen. Es gibt eine, die heisst Konzentration unter Monotonie und dauert 45 Minuten», verrät mir Jani. «Es gibt fünf Dreiecke nebeneinander. Wenn bei drei- en beispielsweise die Spitze nach obenzeigt,drückstdueinenKnopf. DieerstenzehnMinutensindnoch einfach. Bei den zweiten musst du dich schon stärker konzentrieren. Und während der letzten zehn Mi- nuten siehst du dann die Dreiecke nicht mehr und musst dich gera- dezu zur Konzentration zwingen. Das Schlimme ist, dass du die Zeit nicht siehst und nicht weisst, wie langederTestnochdauert.Einfach zermürbend.» AbzumNackentraining.Ichlege meine Stirn in Annas Hand. Wäh- rend Neel mir meinen Katzenbu- ckel runterdrückt,muss ich Annas Druck mit Gegendruck erwidern. Gleiches folgt von der rechten wie linken Seite sowie am Hinterkopf. «Ich trainiere lieber mit Gewich- ten», erklärt der Porsche-Pilot seine Vorlieben. «In einem Origi- nal-F1-Sitz, der noch von Heinz Harald Frentzen stammt, kann ich die Arm- und Nackenmusku- latur am Besten trainieren. Mein RekordineinerderZwei-Stunden- Einheiten waren 101 Tonnen be- wegte Masse. Genau das ist mein Ansporn im Training: Die eigenen Rekorde immer wieder toppen zu wollen.» Balance und Körperspannung verlangt die nächste Übung. Ei- gentlich ganz einfach und ohne Gewichte, nur mit einem Gym- nastikball. Eigentlich! Auf den Unterarmen auf dem Ball liegend, gilt es in der Liegestützhaltung abwechselnd das rechte und linke Bein anzuheben. Abermals treibt mir Jani mit leichtem Druck mei- nen Katzenbuckel aus. Jetzt fängt auch noch die Bauchmuskulatur an zu brennen. Bloss keinen Witz mehr reissen, die schmerzhafte Zerrung wäre vorprogrammiert. Ein leises «Geht eigentlich noch» ringe ich mir ab. Hätte ich bloss meinen Mund gehalten: «Okay», sagt Anna, «dann erhöhen wir jetzt etwas den Schwierigkeits- grad. Mach doch mal kreisende Bewegungen auf dem Ball.» Und das haut dann nun so richtig rein. Genauso wie die letzte Session, wo ich mich unter einer Hantelstange liegendKlimmzug-artignachoben ziehen muss. Die schaffen mich. Nach zwei Stunden Training bin ich fix und alle. Dafür habe ich am eigenen Körper erfahren, dass es im Motorsport nicht bloss um schnelle Autos geht. Sondern auch um eine gehörige Portion körperliche und geistige Fitness. ■ Auf dass der Nacken glühe: Der Druck ist mit Gegendruck zu beantworten. Die richtige Körperhaltung ist dabei extrem wichtig; «Katzenbuckel» sind schädlich. Sieht leichter aus, als es ist: Körperspannung, Balance und Gleichgewicht sind bei dieser Übung gefragt. Petersen steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben. In jeder Hinsicht geschafft: Gegen den austrainierten, sieben Kilo leichteren Porsche-Piloten hat der Schreiberling keine Chance. AGENDA|IM TRAININGSCAMP MIT NEEL JANI »Rund 101 Ton- nen bewegt Neel Jani beim Krafttraining – in- nert zwei Stunden.

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