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Auto Illustrierte 06 2015

22 AUTO-ILLUSTRIERTE 06|15 PODIUM|AGVS-ZENTRALPRÄSIDENT URS WERNLI Schauen wir in die Werkstatt – wo hakt es da? Die geringere Auslastung hat mit verlängerten Serviceintervallen zu tun – die Autos sind schlicht besser als früher. Obwohl: Wir haben auch mit vielen Rück- rufaktionen zu tun, die die Ga- ragisten sehr stark involvieren, schon um die Massnahme gegen- über den Kunden zu erklären. Ihr Verband hat sich für eine Neuregelung der MFK eingesetzt – aus diesem Grund? Theoretisch lag die Prüfinter- vallfrequenz früher ja bei vier Jahren, praktisch aber bei sechs, sieben, acht Jahren. Im Vorfeld unseres zweijährigen Kampfes mit dem Bundesamt für Strassen um die Reform haben wir Argu- mente gesammelt. Und dabei fest- gestellt, dass die Autos zum Teil schlecht gewartet sind. Wenn ein Fahrzeug in die Nachgarantiezeit kommt, sind die Besitzer geneigt, nicht mehr ganz so ernsthaft auf seinen Zustand zu achten. Wie sieht die Neuregelung aus? Nach fünf Jahren wird geprüft, nach sechs Jahren muss geprüft sein. Ja, das bringt mehr Fre- quenz in die Werkstätten. Aber das ist auch nötig. Mittlerweile liegt das Durchschnittsalter des Fahrzeugparks bei fast neun Jahren, Tendenz steigend. Profitieren Ihre Mitglieder von gesunkenen Ersatzteilpreisen? Nein. Der Hersteller fordert Ori- ginalteile für Servicearbeiten, und dort sind wir nicht preisfle- xibel. Wir können nur die Preise gewähren, die der Hersteller gibt. Aber angesichts der vollen Lager sind diese sehr zurückhaltend. Etwas besser sieht es bei freien Teilezulieferern aus, aber auch dort muss zuerst der Lagerbe- stand umgeschlagen werden; eine schnelle Reaktion liegt nicht drin. Aber ich bin überzeugt: Wenn die Altbestände abgebaut sind, werden die Teile billiger. Wandern Kunden zu Garagisten im Ausland ab? In den Grenzregionen ist das öf- ter ein Problem. Aber wenn der Kunde die Leistung vor Ort nicht schätzt, kann man wenig dage- gen tun. Wobei: Ich habe gehört, dass auch deutsche Kunden in die Schweiz kommen, weil der Service höher eingeschätzt wird. »Man muss beim Auto Probe fahren; spüren, wie sich das Leder anfühlt. Wo sehen Sie in der Branche den grössten Handlungsbedarf? Die Digitalisierung ist unser Schwerpunkt Nummer 1. Der zweite die Ausbildung von Fachkräften und das Engage- ment für jugendliche Berufs- einsteiger. Und drittens mehr politische Einmischung zur Si- cherung der KMU-Kultur, der fairen Strassenfinanzierung und der Zurückdrängung der Bürokratisierung. Stichwort Digitalisierung: Früher kam der Kunde drei oder vier Mal in die Garage bis zum Vertrags- abschluss, heute 1,3 bis 1,5 Mal. Wie sehen das Ihre Mitglieder? Manche sehen es eher positiv, andere kritisch. Wir versu- chen, unsere Mitglieder für die Digitalisierung im Geschäft zu sensibilisieren, um die Produk- tivitätsgewinne mitzunehmen. Der Kunde weiss dank des In- ternets viel, aber nicht alles. Da liegt die Chance des Verkäufers vor Ort. Manche Hersteller planen Web- shops am Handel vorbei. Das eine wird es geben, der lo- kale Händler wird auch bleiben. Man muss beim Auto Probe fah- ren; spüren, wie sich das Leder anfühlt. Das wird immer beim Händler vor Ort möglich sein. ■ Mechatroniker bei Einstellarbeiten (o.), Verkaufsberater beim Ablie- fern eines Kundenfahrzeuges (u.): Über Qualität und Standards der Ausbildung wacht der AGVS.

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