Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Auto Illustrierte 06 2015

108 AUTO-ILLUSTRIERTE 06|15 der Schock-effekt eines Enzo in keiner Weise abgenutzt – ganz im Gegenteil: Die Jahre lassen seinen visuellen Eindruck noch intensi- ver wirken. Allein während man früher nur offenen Mundes da stand, kann man jetzt das Wo- her und Wohin dieses Designs interpretieren. Diese Dreistigkeit seines Umrisses, die Extravaganz des unendlichen Überhangs, die frech hochgebürsteten Seitenfens- ter und die Brutalität der breiten Heckpartie fusionieren zu etwas wenn nicht gerade klassisch Schö- nem, so doch absolut Sagenhaf- tem. Etwas mehr Respekt bitte vor einem Auto, das nach dem Stammvater persönlich benannt wurde. Ich greife in die fliessend integrierte Mulde am Ende der Fahrertüre, zupfe am Türöffner und schwinge die Tür auf, um da- rauf tief im Cockpit zu versinken. Kohlefaser überall – schnörkellos und ohne jedes Komfortangebot. Irgendwie unmöbliert. Vor dem Fahrer finden nur das Essenzielle: Ein Lenkrad, zwei Pedalen, zwei Schaltpaddel und ein paar weni- ge Anzeigen, die beim Dreh des Schlüssels ins Leben erwachen. Da der Enzo vor dem Manettino geboren wurde, müssen anstelle des ergonomischen, rot eloxier- ten Schalters eine Reihe kleiner, runder Knöpfchen im Lenkrad genügen. Vor zehn Jahren richtig eindrücklich, heute beinahe alt- modisch. Den Fuss leicht auf die Bremse drücken, den knallroten Starter- knopf einpressen und los gehts: Kurz nach dem metallisch tö- nenden Starter erwachen alle zwölf Verbrennungskammern in einem Sturm aus blanker Wut und reichlich Spritdunst. Enzo hat eine – vorsichtig formuliert – liberale Einstellung zum Thema Geräuschdämmung.Er ist ohren- betäubend.Doch wer seinen noch kalten V12 mag, der lässt ihn im Stand ein wenig vor sich hin to- ben, während das zähflüssige Öl hindurchgeprügelt wird. Lang- sam steigt die Temperatur auf motorfreundliches Niveau, das Kaltstart-Standgas beruhigt sich, der Öldruck sinkt, und es steigen kleine Dunstschwaden vertikal aus den vier Endrohren.Der Enzo ist bereit. Ich auch? Ich drücke meinen Fuss noch- mals kurz auf die Bremse, ziehe am rechten Schaltpaddel und drücke das Gaspedal langsam und behutsam. Die Kupplung hakt sä- mig ein und der Enzo kommt ins Rollen – vorerst langsam, doch kurz darauf deutlich entschiede- ner und dann mit Nachdruck, als die Kupplungsscheiben mit dem Schwungrad eins werden. Herumliegender Splitt und Strassenschmutz rasseln in den Radkästen,von den grossen Pirel- lis aufgenommen und wie Rou- lettekugeln zentrifugiert. Nur ein bisschen Gaspedalweg bis jetzt, doch der herrliche Sechsliter-V12 dominiert die Szene jetzt schon. Die wenigsten Autos bieten eine solch direkte und präzise Bindung zwischen Gasfuss und -annahme – jeder Mikrometer Gaspedalweg Ferrari Enzo V12-Benziner, 5999 cm3 , 485 kW/660 PS, 657 Nm bei 5500/min, 6-Gang sequentiell, Hinterrad • 23,0 l/100 km, 545 g/km CO2, Leistungsgewicht 2,10 kg/PS, 0–100 km/h 3,3 s, 355 km/h • L/B/H: 4702/2053/1147 mm, Leergewicht: 1365 kg • Preis: Verhandlungssache. Ferrari LaFerrari V12-Benziner, 6262 cm3 , 589 kW/800 PS, 700 Nm bei 6750/min, E-Motor 120 kW/163 PS, System 709 kW/963 PS, >900 Nm, 7-Gang-Doppelkupplung, Hinterrad • 13,9 l/100 km, 330 g/km CO2, Leistungsgewicht 1,41 kg/PS, 0–100 km/h <3,0 s, >350 km/h • L/B/H: 4702/1992/1116 mm, Leergewicht: 1365 kg • Preis: Ausverkauft. HIN UND WEG|FERRARI ENZO VS. FERRARI LAFERRARI M aulhelden und Nach- ahmer kommen und gehen. Doch Ferrari bleibt in der Szene der exquisiten Sport- autos eine konstante Macht. Man kann an Ferraris unvergleich- lichen Strassensportwagen und seinem konkurrenzlosen Ruf im Motorsport so wenig vorbei wie an der Schwerkraft. Mag es auch ein paar schwar- ze Schafe unter den Pferden aus Maranello gegeben haben, eines ist unbestritten: Wenn es darum geht, alle Register zu ziehen und ein Genre-definierendes Flagg- schiff zu produzieren, so versagt Ferrari nie. Zwei ragen heraus in diesem noch so jungen Jahrhun- dert – Enzo und LaFerrari. Am Treffpunkt, hoch in den Mooren von Denbigshire, rol- len die beiden gerade aus ihren Trailern; ihre Silhouetten im Kontrast zum azurblauen Him- mel. Beinahe surreal, diese Sze- ne. Denn mehr als ein Jahrzehnt nach seiner Lan-cierung hat sich

Übersicht