Abo-Hotline: 031 300 62 65 |
  • SWISS SIMRACING SERIES 2019
    Das Finale im Video!
  • Aston Martin DBS Superleggera Volante
    Offener Supersportler der Superlative!
  • App Store Google Play
  • Jetzt Newsletter abonnieren!
    Sie erhalten wichtige News in kurzer und knackiger Form.
Mercedes E-Klasse

Technischer Brückenbauer

Mit ihren zahlreichen Assistenzsystemen fährt die neue Mercedes E-Klasse fast schon allein. Darüber hinaus bietet das Mittelklassemodell viel Komfort und Ausstattung aus der S-Klasse.

Liebling, ich habe die S-Klasse geschrumpft!», könnte ein Film über die neue E-Klasse heissen. Denn auf den ersten Blick wirkt das Mittelklasse-Modell wie eine zu klein geratene S-Klasse. Nur, dass diese statt mit  einem  fliessend abfallenden Heck in einem leicht hochgezogenen Bürzel endet. Aber Design ist ja bekanntlich Geschmacksache. Unser persönliches Fazit lautet: zwar nicht aufregend, aber durchaus stimmig. Die Gemeinsamkeiten mit dem Mercedes-Flaggschiff lassen sich jedenfalls im Innern der E-Klasse beliebig fortsetzen: So verfügt diese nun in den gehobenen Ausstattungsvarianten ebenfalls über zwei grosse, hochauflösende Displays. Eines dient als digitale Instrumententafel, deren Look sich dem eigenen Design-Stil entsprechend anpassen lässt. Der Bildschirm in der Mittelkonsole ist unter anderem für die Steuerung der Ambientebeleuchtung, des Soundsystems oder der verschiedenen Massagefunktionen gedacht. Puncto Komfort bietet die E-Klasse so ziemlich alles, was der grosse Bruder auch an Bord hat.

Komplett neu und richtig praktisch sind dagegen die beiden Touch-Control-Tasten am Lenkrad, mit denen man per Wischbewegungen mit dem Daumen durch den Bordcomputer scrollen kann. Nicht so intuitiv ist die restliche Bedienung: Statt via Touchscreen navigiert man wahlweise per Drehdrückschalter oder über das Touchpad des sogenannten «Handschmeichlers» in der Mittelkonsole. Richtig konsequent ist aber keine der Methoden. Wer die quasi unendlichen Individualisierungsmöglichkeiten erforschen will, sollte sich also Zeit nehmen.

Heimliche Revolution
Nahezu unbemerkt arbeiten die zahlreichen Assistenzsysteme im Hintergrund. Dabei vollzieht sich  gerade hier die eigentliche Revolution der E-Klasse. Spurhalte- und Totwinkelassistent, Notbremsfunktion, Kreuzungsassistent, Abstandswarner, Parkpilot? «Gähn, kenne ich schon!», ist da der erste Reflex des Autojournalisten. Doch all die bekannten Systeme wurden massiv weiterentwickelt. In Summe ist es dann plötzlich nur noch ein kleiner Schritt zum autonomen Fahren.

Beispiel 1: Wir gondeln mit 120 km/h auf der Autobahn dahin. Ein Zug am Tempomat-Hebel aktiviert den Drive Pilot. Der folgt nun bis 210 km/h dem Vordermann und hält sowohl den Abstand, wie die Spur. Die Besonderheit: Dabei orientiert sich das System nicht nur an den Fahrbahnmarkierungen, sondern an Grünstreifen oder Begrenzungspfosten. Und Spurwechsel macht das Fahrzeug jetzt ganz allein: Einfach Blinker setzen – und schon wechseln wir automatisch auf die Fahrbahn, solange der Totwinkelassistent nichts auf dem Radar hat. Schilder lesen und das Tempo anpassen kann die E-Klasse ebenfalls.

Theoretisch könnte man also freihändig und ohne Pedaleinsatz durch die Lande rollen. Doch erstens ermahnt einen das System nach wenigen Sekunden, die Hände ans Steuer zu nehmen, und zweitens funktioniert das Ganze zwar auf der Autobahn exzellent, kurvige Landstrassen mit starkem Lenkwinkel gehen aber noch nicht. Ein weiteres Manko: Das Fahrzeug bremst erst ab dem Tempolimit-Schild herunter. Da hätte es hierzulande schon längst geblitzt. Ausserdem wären wir in Portugal mal eben mit Tempo 80 durch die Mautstation gerast. Man muss halt die Grenzen des Systems kennen und ein bisschen mitdenken.

Restverantwortung bleibt
Ganz die Verantwortung nehmen dem Fahrer natürlich auch die anderen Sicherheitssysteme nicht ab. Der Notbremsassistent kann aber das Schlimmste verhindern und das Fahrzeug bis 100 km/h sogar komplett zum Stillstand bringen, wenn der Fahrer etwa auf ein Stauende zurast und nicht auf Warnungen reagiert. Und es funktioniert!

Beispiel 2: Auf abgesperrter Strecke schiesst eine A-Klasse von links über die fiktive Kreuzung. «Nichts machen!», ruft der Instruktor.  Das Auto rauscht gerade noch vor uns durch und wir geradeaus weiter. Wenn der Fahrer nicht eingreift, bremst der Kreuzungsassistent oder gibt bei Ausweichmanövern einen zusätzlichen Lenkimpuls. In diesem Fall hat das System aber berechnet: das reicht noch locker. Spooky!

Ebenfalls gespenstisch: der Remote Parkpilot. Der funktioniert zunächst wie ein normaler Parkassistent. Nur muss man nun  nicht einmal mehr selbst bremsen oder Gas geben, ja nicht einmal mehr im Auto sitzen. Sobald wir eine Lücke gefunden haben, steigen wir aus und starten per App den Parkvorgang. Solange man kreisende Bewegungen auf dem Smartphone macht, parkt und rangiert die E-Klasse selbstständig. Der Vorteil: Auch enge Parklücken, die das Aussteigen unmöglich machen würden, können genutzt werden. Dasselbe gilt für zugestellte Garagen, in die sich die E-Klasse ebenfalls ferngesteuert parkieren lässt.

Was sonst noch? Ach ja, die neue E-Klasse lässt sich jetzt mit dem Handy aufsperren, und das neue, aus 84 LEDs bestehende Multibeam-Licht passt sich noch perfekter jeder Verkehrssituation an.

Herrlich unspektakulär
Bei der E-Klasse gibt es so viel Neues zu entdecken, dass man fast vergisst, auf das Fahrverhalten zu achten. Das fällt allerdings auch angenehm unspektakulär aus. Die Mittelklasse-Limousine rollt gewohnt komfortabel dahin – vor allem mit Mehrkammer-Luftfederung. Komplett neu ist der kleine Diesel 220d mit 194 PS, mit dem die E-Klasse bereits völlig ausreichend motorisiert ist. Er harmoniert perfekt mit der 9G-Tronic, ist laufruhig und klingt auch bei schnellen Zwischensprints nicht bemüht. Dabei begnügt er sich mit 3,9 Litern auf 100 km. Noch sparsamer: der Plug-in-Hybrid, der sogar nur zwei Liter brauchen soll. Der E400 macht auf der Rennstrecke von Estoril ebenfalls eine überraschend gute Figur, lässt sich so gutmütig schiebend durch die Kurven jagen, dass es fast schon langweilig wird. Mehr Fahrspass verspricht da der E 43 AMG mit 401 PS, den die Schwaben im Herbst nachlegen. Aber wer weiss, vielleicht gehören die Modelle aus Affalterbach ohnehin bald zu einer aussterbenden Art, wenn wir künftig nur gefahren werden wollen, statt selbst zu fahren. Aber bis dahin fliesst wohl doch noch ein bisschen Wasser den Neckar hinunter.    

Mercedes E-Klasse

Preis ab ab 58 845 Fr.
Hubraum 1950 cm3
Leistung 143 kW/194 PS
Drehmoment 400 Nm bei 1600–2800min
Getriebe/Antrieb 9-Gang Automat, Hinterrad
0 bis 100 km/h 7,3 s
Spitze 240 km/h
Norm-Mix 3,9 l/100 km
CO₂ Emissionen 102 g/km CO2
Energieeffizienz k.A.
Länge/Breite/Höhe 4923/1852/1468 mm
Leergewicht 1680 kg
Ladevolumen 540 l

Michael Lux sagt:

"Wer sich für Technik begeistert, muss sich einfach für die E-Klasse begeistern. Ein bisschen Zutrauen gehört natürlich dazu, das Steuer auch mal loszulassen. Man muss einfach wissen, was das System kann und was nicht – dann ist die Technik aber wirklich hilfreich."

Newsletter abonnieren
14 Mär 2016