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Porsche Panamera

Express-Reisen

Mit dem neuen Panamera perfektioniert Porsche den Spagat zwischen rassigem Sportwagen und komfortabler Reiselimousine. Moderne Digital-Technik und Konnektivität hat der Schwabe ebenfalls im Gepäck.

Es soll ja Menschen geben, die auf bestimmte Körperteile fixiert sind – die einen schauen beim Gegenüber zuerst auf die Hände, die anderen lieber gleich aufs Hinterteil. Übertragen aufs Auto, kämen letztere beim neuen Panamera voll auf ihre Kosten. Im Gegensatz zur etwas pummligen Kehrseite des Vorgängers ist dessen Heck mit elegant abfallender «Flyline», durchgehendem Leuchtenband und Vierpunkt-Bremsleuchten besonders schön anzusehen.

Und das ist gut so! Denn aus dieser Perspektive – sprich von hinten – werden die meisten den Panamera wohl am ehesten kennenlernen. Da reicht ein Blick auf die Leistungsdaten: bereits der 4S mit V6-Bi-Turbo bringt es auf 440 PS und selbst der V8-Bi-Turbodie-sel brettert mit 422 PS von dannen. Der Selbstzünder läuft dabei fast so ruhig wie ein Benziner und ist vor allem nach oben hin schön elastisch – kein Wunder bei bärigen 850 Newtonmetern Drehmoment! Dabei soll sich der Diesel mit 6,7 Litern auf 100 Kilometer begnügen. Das müssen wir dann beim Test in der Redaktion nochmal genau nachrechnen ...

Aber über profane Dinge wie Verbrauch machen wir uns jetzt erst einmal keine Gedanken und krallen uns für die erste Ausfahrt im Münchner Umland gleich mal den Turbo mit V8-Bi-Turbomotor, 550 PS und 770 Nm. 3,6 Sekunden von null auf hundert sollen beim Topmodell drin sein. Wir haben nicht gestoppt, aber so rasant, wie der Panamera selbst auf Tempo 200 sprintet, glauben wir es gerne. Mühelos und ohne Zugunterbrechung schiebt der V8 den grossen Porsche auf der Autobahn vorwärts. Da kann man sich beim Gewicht schon mal verschätzen. Unser vollausgestatteter Testwagen wiegt laut Fahrzeugausweis 2,2 Tonnen, fühlt sich aber nach deutlich weniger an.

Das gilt auch für die Geschwindigkeit: Auf die Vmax von 306 km/h schaffen wir es aufgrund des Verkehrs zwar nicht ganz, aber bei Tempo 240 bleibt der Rausch der Geschwindigkeit stets beherrschbar, so sicher liegt der GT auf der Strasse – spurtreu und ohne unerwünschte Bocksprünge. Nur die Fahrzeuge auf der rechten Spur scheinen sich plötzlich wie in Zeitlupe zu bewegen. Der V8 brummt indessen dezent unter der Haube und macht sich hauptsächlich beim Rauf-und Runterschalten im Fahrprogramm «Sport+» durch gelegentliches Knurren bemerkbar. Das Achtstufen-Doppelkupplungsgetriebe schaltet aber meist auf den Punkt und benötigt selten Nachhilfe via Schaltwippen.

Auch in Kurven wirkt der Panamera überraschend leichtfüssig: Er schiebt trotz seiner beachtlichen Masse kaum Richtung Fahrbahnrand. Dank Allrad, Torque-Vectoring, aktiver Wankstabilisierung, optionaler Hinterachslenkung und der neuen, sehr direkten, wenn auch manchmal etwas leichtgängigen, elektromechanischen Lenkung, preschen wir in sauberem Parallelschwung durchs alpine Geschlängel. Das adaptive Fahrwerk mit elektronischer Dämpferregelung und Dreikammer-Luftfederung sorgt dabei für ausreichend Komfort, ist aber selbst im Normalmodus eher knackig ausgelegt.

Zeitgemässe Bedienung

Auf Wunsch lässt sich die Federung separat über einen der Bedienpanels in der Mittelkonsole in zwei Stufen nachschärfen. Im oberen Bereich sind die Panels berührungsintensiv, im unteren Bereich, über den Fahrwerk und ESP gesteuert werden, muss man hingegen noch Druck ausüben. Reine Sicherheitsmassnahme!

Die wichtigsten Funktionen werden aber ohnehin wie beim 911er über die Drehrädchen auf dem Lenkrad gesteuert – ebenso wie die beiden Digitaldisplays links und rechts vom analogen Drehzahlmesser. Auf dem Volant findet sich zudem der Drehknopf für die Fahrmodi, samt SportResponse-Button, der für 20 Sekunden alle Systeme auf «volle Kraft voraus!» programmiert. Voll digital ist der mittig angebrachte 12,3-Zoll-Display, der sich wie ein iPad bedienen lässt – inklusive Zoomen und Wischen. Die Kritik, dass die Menüführung nicht ganz intuitiv ausfällt, entkräften die Porsche-Experten durch den Hinweis, dass die Menüs individuell konfigurierbar sind.

Und was braucht eine Reiselimousine noch, ausser Smartphoneanbindung, Googlesuche oder WLAN-Hotspot? Natürlich Platz. Den bietet der Panamera ebenfalls – zumindest für vier.

Im Fond finden sich nach wie vor nur zwei Einzelsitze, die dafür je nach Version vielfach verstellbar sind und genug Platz auch für Grossgewachsene bieten. Die Fondpassagiere dürfen ausserdem via eigenem Touchscreen die Klimaanalage und sogar das Navi bedienen. Vorsichtshalber kann der Fahrer diese Funktionen über die Kindersicherung ausschalten. Ein weiteres Plus für Familien: Der Kofferraum wurde um 50 Liter erweitert und taugt so auch für mehr als nur den Ausflug zum Golfplatz.

Michael Lux sagt: «Trotz seiner Leistung kommen im Panamera immer noch nicht dieselben Emotionen hoch, wie beim 911. Dennoch bietet der Panamera die grösstmögliche Spreizung zwischen Sportwagen und Reiselimousine.»

Bilder: Porsche

Technische Daten: Panamera Turbo

Preis ab 186 700 Franken
Hubraum 3996 cm3
Leistung 404 kW/550 PS
Drehmoment 770 Nm bei 1960–4500/min
Getriebe/Antrieb 8-Gang- Doppelkupplung, Allrad
0 bis 100 km/h 3,8 s
Spitze 306 km/h
Norm-Mix 9,3 l/100 km
CO₂ Emissionen 212 g/km CO2
Energieeffizienz D
Länge/Breite/Höhe 5049/1937/1427 mm
Leergewicht 1995 kg
Ladevolumen 495 bis 1304 l
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20 Sep 2016