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BMW 2er Cabrio

EIN BAYER IN TEXAS

BMWs neues Kompakt-Cabrio bietet mehr Platz und fährt sich fast so agil wie das Coupé – ein erster Ausritt mit dem bayerischen Vollblüter.

Im Cowboy-Staat Texas ist noch ein letzter Hauch vom Geist des Wilden Westens zu spüren. Gleich hinter Austin beginnt wie zu Pionierzeiten das «No-Mans-Land»: Endlose, karge Flächen, ebenso spärlich besiedelt, wie mit fruchtbarem Ackerland gesegnet. Nur wenige verstreute Siedlungen säumen den Wegesrand. Kleine Häuser, teilweise kaum mehr als Bretterbuden. Der Müll der Jahrzehnte stapelt sich im Garten hinterm Haus. Und auf der Strasse tun sich die Geier gütlich an überfahrenen Opossums. Ein BMW hat in dieser Gegend ungefähr so viel verloren wie ein Wallstreet-Banker in der New Yorker Bronx. Das gilt gleich doppelt für das filigrane 2er Cabrio, das trotz Längenzuwachs und 4,43 Metern geradezu winzig erscheint im Vergleich zu den gewaltigen Pick-Ups, die man hier am liebsten fährt. Mit seinem eleganten Design und der schlanken Silhouette wirkt der Viersitzer wie ein rassiges Rennpferd unter einer Herde grobschlächtiger Arbeitstiere.

Ritt an der Kandare

Texas rühmt sich, mit dem Highway 130 die schnellste Strasse der USA zu besitzen. 85 Meilen pro Stunde darf man hier fahren, rund 137 Stundenkilometer. Wow! Zum Ausfahren des flotten Cabrios reicht das natürlich längst nicht – schliesslich macht es selbst in der schwächsten Ausführung 231 km/h Spitze. Ganz zu schweigen vom M235i mit Reihensechszylinder und 326 PS, dem ersten offenen M-Modell überhaupt. Auf den schmalen, schlecht asphaltierten Countryroads abseits der Autobahn schaltet man aber schon freiwillig einen Gang zurück und wechselt angesichts des sportlich straff ausgelegten, adaptiven Fahrwerks des Kompakten lieber auf Komfort-Einstellung.

Wie mit dem Lineal gezogen durchschneidet die Strasse die Landschaft. Kein Sheriff in Sicht? Dann kann man dem bayerischen Edelhengst ja mal kurz die Sporen geben. Alles auf «Sport» und schon geht der 228i dank 245 Artgenossen unter der Haube durch, wie eine Herde wildgewordener Mustangs. Freudig wiehert es aus den Doppelendrohren. Zu schade, dass man dem BMW gleich wieder die Zügel anlegen muss. In den wenigen Kurven lässt sich immerhin erahnen, dass der offene Zweier sich ähnlich agil bewegen lässt, wie das Coupé. Heckantrieb und ausgewogener Gewichtsver teilung sei dank. Willig lässt sich der BMW am Zaum führen; die Lenkung ist direkt, fast schon nervös, so dass der Spurhalteassistent quasi Daueralarm schlägt.

Platz für vier

Nach einigen Meilen kommt endlich wieder eine grössere Siedlung in Sicht. «Are you lost?» erkundigt sich eine Lady im Leoparden- Dress an der Kreuzung besorgt. Vielleicht will sie aber auch nur einen kurzen Blick ins luxuriöse Innere erhaschen. Das macht mit rotem Ledergestühl und Alu- Zierelementen richtig was her. Wir machen es ihr leichter und falten das anthrazitfarben glänzende Verdeck zurück – der Stoff im Jeanslook ist Option und kostet 210 Franken extra. In 20 Sekunden steht der BMW komplett offen da; bis 50 km/h öffnet das Verdeck auch während der Fahrt. Eigentlich sollte man die Dame ja aus Höflichkeit auf eine kurze Spritztour einladen. Platz für sie und eine Freundin wäre sogar im Fond. Im Vergleich zum 1er ist das neue Kompakt-Cabrio um sieben Zentimeter in die Länge gewachsen, der Radstand und Einstieg wurden ebenfalls leicht vergrössert. So dass selbst lange Cowboys ein kurzes Stück hinten mitreiten können, ohne sich hernach vor Schmerzen im Staub zu winden. Allerdings nur, solange das Windschott im Kofferraum bleibt; denn es wird über dem Rücksitz montiert.

Den Montage-Stopp nehmen wir zum Anlass, zuerst die schmucken Fassaden des ehemaligen Western-Städtchens Bastorp und dann den Kofferraum in Augenschein zu nehmen. Letzterer bietet bis zu 335 Liter Stauraum – 30 Liter mehr als der 1er. Auch die Durchladeöffnung haben die Entwickler deutlich verbreitert. Jagdflinte oder wahlweise das Golfbag passen so besser rein.

Momentan ist keines von beidem zur Hand, daher brausen wir weiter, den Wind in den Haaren. Zumindest gilt das für den grossgewachsenen Beifahrer, der über die Frontscheibe hinausragt. Bei geschlossenen Seitenscheiben ist man sonst recht gut gegen den Fahrtwind geschützt. Auf dem Rückweg dämmert es bereits. Von fern grüssen die Lichter der Skyline von Austin. Schöner Ritt, doch wir freuen uns auf ein Wiedersehen, am liebsten dort, wo man am Horizont nicht nur Geier, sondern Berge sieht und die Strassen richtige Kurven haben. Dort dürfte es perfekt passen, dieses kompakte Cabrio.

BMW 228i Cabrio R4-Turbobenziner | 220i R4- Turbobenziner | 220d R4-Turbodiesel | M235i R6-Turbobenziner

Preis ab 55'100 Fr. | 48'900 Fr. | 49'200 Fr. | 62'900 Fr.
Hubraum 1997 cm3 | 1997 cm3 | 1995 cm3 | 2979 cm3
Leistung 180 kW/245 PS | 135 kW/184 PS | 140 kW/190 PS | 240 kW/326 PS
Drehmoment 350 Nm bei 1250–4800/min | 270 Nm bei 1250–4500/min | 400 Nm bei 1750–2500/min | 450 Nm bei 1300–4500/min
0 bis 100 km/h 6,0 s | 7,5 s | 7,5 s | 5,2 s
Spitze 250 km/h | 231 km/h | 225 km/h | 250 km/h
Norm-Mix 6,6 l/100 km | 6,9 l/100 km | 7,5 l/100 km | 8,5 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 154 g/km CO2 | 161 g/km CO2 | 124 g/km CO2 | 199 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4452/1774/1403 mm
Leergewicht 1610 kg
Ladevolumen 280 bis 335 l

Michael Lux sagt:

"Auf schnurgeraden Highways kann das 2er Cabrio seine wahren Stärken natürlich nicht voll ausspielen. Dass der BMW nicht nur Cruisen kann, hat er aber unter Beweis gestellt. Für die Testfahrten über Schweizer Pässe steht dann der M235i mit 326 PS ganz oben auf meiner Wunschliste – am liebsten als Allradler, der ab Mitte Jahr erhältlich ist."

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29 Apr 2015