Kurztest

Opel Mokka-e – Elektro-Chic für den Alltag

Mit dem neuen Opel Mokka-e wollen die Rüsselsheimer nicht nur ihre neue Designsprache in die Breite bringen, sondern vor allem auf dem Elektromarkt Fuss fassen. Mit dem stromernden City-SUV sollen Stückzahlen gemacht werden. Ob das heute schon klappt klärt unser Kurztest.

Veröffentlicht am 15.09.2021

Der Überblick


Pro

• Modernes und aufregendes Styling
• Individuelle Anpassungsmöglichkeiten in Farben, Felgen und Stoffen
• Komfortables Fahrwerk
• Ordentliche Alltagsladeleistung

Contra

• Generell mässiges Platzangebot, besonders im Fond
• Sitzposition ab 1,80 Meter Körpergröße eher unbequem
• Bei höherem Tempo ineffizienter E-Antrieb

Der erste Opel Mokka war ein voller Erfolg. Selbst wenn er auf manche im Design eher uninspiriert wirkte, entschieden sich viele Käufer für den kleinen City-SUV. Der Nachfolger macht vieles anders, er legt vor allem den Anspruch an sich selbst noch deutlich höher: Denn er will vor allem auf signifikante Elektro-Stückzahlen kommen. Zur Überprüfung der Ambitionen haben wir einen Opel Mokka-e zum Kurztest gebeten.


Design: Der Opel Mokka-e steht für eine völlig neue Generation Opel


Gestaltung, vor allem deren Wirkung, ist immer etwas Subjektives. Doch mit dem Opel Mokka-e ist den Designern aus Rüsselsheim ein wirklich guter Wurf gelungen. Das sehr kompakte SUV zitiert an vielen Stellen die GT Experimental-Studie, übernimmt stellenweise sogar einige Elemente. Auch die Zitate an die Vergangenheit, die andernorts schnell in die dröge Retro-Falle laufen, wirken unverkrampft. Opel transportiert den Geist der Marke mit dem neuen Mokka intelligent in eine neue Generation.

Denn man nimmt den Mokka auf den ersten Blick als Opel wahr – was in diesem Fall als grosses Kompliment zu verstehen ist. Der fokussierte Blick des Manta, die schwarze Haube des Rallye-Kadett und eine kraftvolle Coke-Bottle-Karosserie wie der GT. Wer nun noch in der Aufpreisliste die 19-Zoll-Leichtmetallfelgen wählt, der unterstreicht auch die kraftvolle Seitenlinie mit den knappen Überhängen und einem flach geduckten Crossover-Dach.


Innenraum: Die kompakte Karosserie fordert ihren Tribut


Das Designfeuerwerk der Karosserie kommt jedoch zu einem Preis. Denn die taillierte Seitenlinie kostet im Interieur wertvollen Platz. Überhaupt wird man innen schnell von der Realität eingeholt. So wirkt der Opel Mokka-e von außen durchaus ausgewachsen, bleibt im Inneren aber ein Kleinwagen. Es zwickt bereits beim Einstieg in die erste Reihe: Der Schweller ist breit und hoch, das Hereinkommen gerade für Ältere nicht ohne Hürde. Auch eine ordentliche Sitzposition findet sich nur schwer, obwohl das Gestühl an sich in typischer Opel-Manier bequem und langstreckentauglich ist.

Hinten spitzen sich die Probleme weiter zu. Der Einstieg ist noch enger und der Fußraum wirklich knapp bemessen. Vier Erwachsene können nur im gegenseitigen Kompromiss Platz finden. Auch mit einem rücksitzig montierten Kindersitz scharren die Kleinen sofort am Vordersitz.

Technik: der PSA-E-Baukasten ist mittlerweile mehr als gut bekannt

Der Mokka steht 1:1 auf der gleichen Basis wie der Corsa(-e) und damit auch 208, 2008 und diverse Citroën und DS. Die elektrische CMP, kurz für Common Modular Platform, bringt also nicht nur ganz unterschiedliche Karosserien, sondern auch ganz unterschiedliche Antriebsformen unter den gleichen Hut. Im elektrischen Fall, also auch dem des Opel Mokka-e bietet sie neben einer 50-kWh-Batterie, die 220 Liter Volumen benötigt und im Fahrzeugboden verbaut ist, einen permament-erregten Elektromotor. Seine maximale Leistung beträgt 136 PS und er stellt ein maximales Drehmoment von 260 Nm bereit. Der Antrieb wirkt rein auf die Vorderräder und ist mit allen Nebenaggregaten im klassischen Motorraum vorne platziert. Beim Laden ist alles möglich, was der Markt derzeit hergibt, von der Haushaltssteckdose (16 Stunden) bis hin zu 100 kW (30 Minuten bis auf 80 Prozent). Empfehlenswert ist die dreiphasige Ladung an der Wallbox daheim mit 11 Kilowatt. Damit lässt sich ein leerer Opel Mokka-e in gut fünf Stunden wieder füllen.

Fahrdynamik: Wie fährt der Opel Mokka-e?

Leergefahren hat man den elektrochemischen Kraftspreicher allerdings bedeutend schneller. Denn dank der ansatzlos anliegenden 260 Newtonmeter des Elektromotors gelingt an der Ampel jederzeit ein Kavalierstart. Das flotte Wedeln durch die Stadt ist sicher die Paradedisziplin des Matcha-grünen Opel Mokka-e. Der 136 PS-starke Antrieb ist quicklebendig und lässt den kleinen SUV treffsicher in jede Lücke stoßen.

Dazu passt die gute Rekuperationsleistung auf Getriebestufe B, die das Bremspedal beinahe obsolet macht und jederzeit das gute Gefühl gibt die Bewegungsenergie wieder zurück in die Batterie zu schaufeln. In der Stadt brilliert der elektrische SUV dann auch mit einem geringen Verbrauch. Im sommerlichen Mittel kamen wir trotz ausgiebigem Klima-Einsatz, die übrigens bemerkenswert gut kühlt, locker auf Werte um 15 kWh/100km und unterboten damit sogar die Werksangabe klar.

Anders sieht es leider bei dynamischerer Fahrweise aus. Und das gilt sowohl für den Verbrauch als auch für das Fahrverhalten. Naturgemäß steigen die Verbräuche der Elektrischen auf der Autobahn, der Opel Mokka-e gehört aber wie seine Plattformkollegen wirklich nicht zu den Kostverächtern. 25 kWh/100km und mehr sind keine Seltenheit, wenn es entlang der Richtgeschwindigkeit geht. Die Realreichweite im Sommer beträgt somit auf der Autobahn gerade etwa 200 Kilometer, während man in der Stadt die 300 km meist schon in Griffweite bekommt.

Fahrkomfort: Ein gemütlicher Stadt-Cruiser, kein Bestzeitenjäger

Der Opel Mokka-e ist deshalb tatsächlich mehr in der Stadt zuhause als im weiten Geläuf. Wer ihn dort zu hart um die Kurve wirft, der erntet auch überraschende Seitenneigungen und ein leicht unterdämpft wirkendes Chassis. Hier blitzt dann das hohe Leergewicht von knapp 1,6 Tonnen durch.

Während seine Verbrennerkollegen locker 300 Kilogramm weniger auf die Waage bringen und entsprechend locker um die Radien wedeln, wirkt der Elektro-Mokka immer etwas angestrengt. Dabei beziehen wir das gar nicht mal auf die Bedienkräfte, denn besonders die Lenkung fühlt sich in den verschiedenen Fahrmodi durchaus gut gewichtet an. Wer in das Auto hineinhorcht, der merkt allerdings schnell, dass dem Mokka-e die schnelle Landpartie nicht wirklich liegt und man ihn dabei schnell überfährt.

Fazit:

Der Opel Mokka-e ist ein Lifestyle-Cruiser für den Alltag ohne Ambitionen auf Größeres. Wer ein cooles Auto sucht, das ab und an auch mal Freunde und Familie auf der Kurzstrecke transportieren soll, ansonsten aber hauptsächlich alleine genutzt wird, der ist hier goldrichtig. Die täglichen Pendelaufgaben erledigt er spielerisch und sehr effizient, so dass es eigentlich keinen weiteren Grund zur Kritik gäbe. Wenn am Ende nicht der Preis wäre. Ab 36‘200 Franken startet der Opel Mokka-e in der Preisliste, die Ultimate-Edition kommt mit ein paar Extras schnell auf 50‘000 CHF und mehr. Ein stolzer Preis für einen Kleinwagen, der die Freude an der Elektromobilität schnell enden lässt.

Technische Daten:

Modell: Opel Mokka-e
Motor: Permanenterregter Synchronmotor
Leistung: 100 kW/136 PS
Drehmoment: 260 Nm
Antrieb: Frontantrieb, Eingang-Reduktionsgetriebe
Verbrauch kombiniert (WLTP): 18,0-17,4 kWh/100km²
Testverbrauch: 19,1 kWh/100km
CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km²
Reichweite (WLTP): 324-313 km
Testreichweite: 275 km
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,0 Sekunden*
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,15 m/1,79 m/1,53 m
Gewicht: 1'598 kg*
Grundpreist: ab CHF 36‘200 (Testwagen Ultimate ab CHF 44‘200)

*Herstellerangaben

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