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Quo vadis Autogesichter?

«Gaht’s no?»

Autofronten verkommen immer mehr zu aggressiven Fratzen. Den Beweis liefern drei ausgewählte aktuelle Kandidaten und deren Vorgänger. Wir fragen Euch: muss das sein?

Früher war deutlich weniger Drama, die Linien waren klarer, die Anzahl der Elemente war geringer. Trotzdem waren die Topversionen der jeweiligen Modellreihen sofort offenbart, und deren Pilotinnen und Piloten kassierten neidvolle Blicke. Sowohl Kenner als auch Laien erkannten die speziellen Felgen, die Zusatzleuchten oder ein dezent angebrachtes Label – und den heissen Motor und den höheren Preis.

Schlichte Autos würden heute als banal oder einfallslos tituliert, denn der Mensch ist auf Reizüberflutung programmiert und nimmt feine Details gar nicht mehr wahr. Die Topmodelle müssen die bereits aggressiv gezeichneten Basisversionen noch übertrumpfen, die Scheinwerfer sind komplizierte Gebilde geworden, die mit «Augen» längst nichts mehr zu tun haben. Die Stossfänger zeigen kaum mehr Wagenfarbe, sondern sind wie Käse durchlöchert, häufig auch mit Fake-Lufteintritten. Dazu gibt es ein- und angesetzte Zierteile und Luftleitelemente en masse. 

Aber ist das so? Wünschst Du Dir nicht vermehrt wieder einfachere und weniger aggressive Formen? Kannst Du auf Luftleitbleche, funktionslose Lufteintritte und -auslässe, Schlitze und Kanten verzichten? Oder stehen solche Designelemente tatsächlich für Emotionen und Dynamik? Die Diskussion ist hiermit eröffnet!

Nachfolgend drei Beispiele.

Beispiel 1: BMW M3 (1986) vs. BMW M4 (2020)

Der M3 hat zwar schon in den 1980er-Jahren dick aufgetragen: breitere Kotflügel, BBS-Räder sowie Schweller und Spoiler rundum. Die Linien waren dennoch schlicht und einfach, inklusive souveränem Auftritt. Der aktuelle M4 dagegen blickt aus aggressiven Schlitzen, der Frontstossfänger ist übersäht mit konvexen und konkaven Formen, angedeuteten und echten Lufteinläsen, die um Aufmerksamkeit buhlen. Der Gesamtauftritt ist recht halbstark.

Beispiel 2: Audi S2 (1990) vs. Audi RS5 (2020)

Der Audi S2 war in den 1990er-Jahren das Topmodell der Reihe, unterschied sich aber von den «braven» Coupé-Modellen nur durch die Felgen, den prägnanteren Kühlergrill, einen minimal kräftigeren Frontspoiler sowie den Schriftzug. Das war Understatement pur, wodurch das Auto auch von weniger extrovertierten Zeitgenossen gefahren werden konnte. Das ist beim aggressiv dreinschauenden aktuellen Nachkomme kaum mehr möglich. Sein Schlund ist weit aufgerissen, überall gibt es Kanten und Ecken, die Augen sind angriffslustig zugekniffen.

Beispiel 3: Mercedes SL (1989) vs. Mercedes SL (2020)

Der Mercedes SL ist schon seit 1954 der Inbegriff sportlicher Eleganz aus Stuttgart. Die 1989 lancierte Generation war die letzte, die noch mit prägnanten Proportionen auskam und auf jegliche Effekthascherei verzichtete. Die Front der noch aktuellen Auflage ab 2012 schmückt sich hingegen mit zahllosen Leisten, Linien und Restflächen, die ein unruhiges Bild abgeben und zudem sehr modisch sind – von der einst SL-typischen Zeitlosigkeit keine Spur.

Welche Designepoche hat euch besser gefallen? Stimmt auf unserer Facebook-Seite darüber ab!

Text: Stefan Fritschi

Fotos: Hersteller

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11 Jan 2020