Abo-Hotline: 043 322 60 81 |
Skoda Octavia

Der Pflichtbewusste

Der Octavia ist nicht nur Skodas bestes Pferd im Stall, er ist auch das meistgekaufte Auto der Schweiz. Entsprechend hoch liegen die Erwartungen an die neue, achte Generation.

Seit 2018 ist er in der Schweiz das am meisten gekaufte Auto und hat den Golf als Langzeitchampion abgelöst – der Skoda Octavia. Nun ist es Zeit für eine Ablösung.

Digital aufgerüstet

Die Octavia-Instrumente werden fortan virtuell per Bildschirm dargestellt. Dazu gesellt sich ein in der Cockpit-Mitte verbautes, 10 Zoll grosses Touchpad, mit dem sich Primärfunktionen wie Klimaanlage und Infotainment, aber auch alle übrigen Setups bedienen lassen. Das ist kein Neuland, aber sehr zeitgerecht. Auch die Fülle der Assistenzsysteme ist beeindruckend. Neu sind etwa eine Notfall-Ausweichfunktion für Radfahrer oder Fussgänger. Allerdings: das Rundum-Wohlfühlpaket des Octavia, wenn komplett ausgerüstet, lässt einen entsprechenden Preis erwarten. 

 

Er könnte, wenn er dürfte

Mehr innere Werte – der Tscheche hat beim Raumangebot und beim Qualitätseindruck nochmals zugelegt. Die Sitze sind ein Gedicht, des Vielfahrers Rücken wird es ihnen danken. Da und dort allerdings hat man den Eindruck, die Entwickler der VW-Tochter würden vom Mutterkonzern etwas zurückgebunden, geht es um das letzte Finish für die totale Glückseligkeit in Sachen Qualität. So die Türgriffe: An deren Aussenseite prangt aufgeschäumter Kunststoff, haptisch soweit ganz gediegen. Innen aber, da, wo die Hand danach greift, gibts nur  Hartplastik. Gut, das ist vielleicht kleinlich. Schliesslich hat sich der Tarn-Octavia selbst als Vorserienauto schon ganz passabel präsentiert. Seine unspektakuläre, die routinierte Erscheinung und diese griffige Eigenschaftslosigkeit faszinieren. Kein Star, aber auch kein Underdog, eher der zuverlässige Mitarbeiter, der unaufgeregt seinen Job macht, da weiss man sich in besten Händen.

Sichtbare Präzision

Der aerodynamisch ausgeklügelte Mittelklassewagen – mit Cw 0,24 für die Limousine respektive 0,26 für den Kombi –geht nahe ans Limit, was ohne gravierende Kompromisse beim Nutzwert noch möglich ist. Entsprechend wirkt er gefällig, gar profiliert. Wirkliche optische Alleinstellungsmerkmale fehlen allerdings etwas. 

Bei einem Nischenspieler ein Problem, gilt das beim Primus auf dem hiesigen Automarkt jedoch als Kompliment – er ist mehrheitsfähig. Herausragend ist dafür ein Detail der Karosserie, das man erst beim näheren Betrachten bemerkt. Die Fuge der Motorhaube ist dermassen präzise gezogen, dass man sich vor dem Karosseriebau der Tschechen verneigen muss. Es keimt die Hoffnung auf, dass sich diese Nullfuge am wesentlich weniger relaxt Serienmodell nicht grosszügig «lüften» wird. Es spricht für eine währschafte Portion Selbstvertrauen in die Qualitätskontrolle in Mlada Boleslav, damit in Serie zu gehen.

Aus dem Kasten

Die Aggregate stammen selbstverständlich aus dem VW-Baukasten. Gemäss dem zum Zeitpunkt der Probefahrten gültigen Informationsstand werden zur Schweizer Markteinführung im April 2020 die drei folgenden Motor-/Getriebevarianten zur Verfügung stehen: der 1.5-TSI-Benziner mit 150 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe und Zylinderabschaltung, der 2.0-TDI-Diesel mit 115 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe sowie mit 150 PS und automatischem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Die weiteren Motor-/Getriebe- und Antriebsvarianten für den Schweizer Markt, ein Mild-Hybrid, Plug-in-Hybrid mit bis zu 245 PS, 4 x 4 – auch als höhergelegter Scout – und Erdgasantrieb, sollen später im Jahr folgen. Dazu gehören auch der 200-PS-TDI und ein RS.

In den Erlkönigen standen der 150-PS-Benziner mit Handschaltung und ein gleich starker Diesel mit DSG für passablen Vortrieb zur Verfügung. Das passt ins positive Gesamtbild. Sinnbild für die Hierarchie im VW-Konzern hingegen ist der Umstand, dass der tschechische Bestseller, hierzulande der wahre volkstümliche Wagen, im Schatten des neuen VW Golf 8 erst Mitte Monat in Prag gezeigt wurde. Unübersehbar aber ist: Auch der neue Octavia hat alle Anlagen, seine Erfolgsgeschichte fortzusetzen – ganz egal, ob künstlich eingebremst oder subtil benachteiligt.

Die ai durfte den getarnten Erlkönig bereits fahren. Dessen Fahreindrücke finden sich in der Ausgabe 12/2019, die ab dem 22. November am Kiosk liegt.

Text: Martin Sigrist

Newsletter abonnieren
11 Nov 2019