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Porsche 911 GT2 RS

Eine gute Anlage

Bestialisch, der Porsche 911 GT2 RS? Ja, und das ohne Untertreibung. Bis zu dem Punkt, an dem er seine GT3-Brüder in den Schatten stellt. Die Antwort liefert er auf dem italienischen Circuit von Misano.

DePorsche 911 ist in der Schweiz unbestritten ein grosser Erfolg – das über alle Versionen hinweg. War der GT3 mit seinem faszinierenden und atmosphärischen Sechszylindermotor schon das Nonplusultra, stiess ihn der GT2 RS elegant vom Thron. Parallel zum Markencup-Renner GT3 Cup entwickelt hauchten dem grossen Bruder GT2 RS ein 3,8-Liter-Block und zwei Turbos mit variabler Geometrie mächtig Leben ein. Die Zahlen stiegen sowohl punkto Power als auch in Bezug auf den Preis. So gab es seinerzeit für die 700 PS und 750 Nm Drehmoment eine «Eintrittskarte» im Wert von mehr als 341 800 Franken. Unvernünftig für die einen, auf alle lohnenswert für die Sportfahrer. Und die sind mittlerweile bereit, teils über 400 000 Franken für eine Occasion auszugeben.

Beim letzten Wochenende des Porsche Sports Cup Suisse in Misano war der Autodromo Marco-Simoncelli der ideale Spielplatz, um herauszufinden, ob er all das wert ist – mit Unterstützung der Porsche-Werkspiloten Neel Jani und Richard Lietz.

 

Übergebot

Im Cockpit des mit dem Weissach-Paket – für die Kleinigkeit von 36 260 Franken speckte der GT2 RS immerhin 30 Kilogramm ab – ausgestatteten Modells installiert denke ich gar nicht erst daran, die elektronischen Helfer zu eliminieren. Zu gross ist der Respekt. «Er ist mit allen Wassern gewaschen. Schalte also gleich die Klimaanlage an, es wird heiss werden», gibt mir Lietz mit einem verschmitzten Lächeln zu verstehen. Was das wohl zu bedeuten hat?

Brav hänge ich mich also zunächst an das bullige Heck des vor mir fahrenden Österreichers. Ja, ich habe das deutsche Monster gut im Griff. Auch noch, als Lietz plötzlich eine schnellere Gangart anschlägt. Hektisch und wild blinkt jetzt die Traktionskontrollleuchte bei jeder Beschleunigung im Armaturenbrett – manchmal hoch bis in den vierten Gang! 

Das Beste ist gut genug

Das Monster ist auf der Suche nach Grip. Doch das ist dem vielen Gummiabrieb auf und neben der Ideallinie geschuldet. «Lass dich nicht beeindrucken und bleib aggressiv», gibt mir Lietz über Funk zu verstehen. Erste Schweissperlen treibt es aus meinen Poren. Das Biest will jetzt gebändigt werden.

Entsprechend brutal verzögert und beschleunigt er. Wo sich ein Amateurfahrer durch die Leistung und Agilität eines GT3 RS geschmeichelt fühlt, treibt der GT2 RS in schierer Sportlichkeit noch weiter. Es braucht Erfahrung, um das Beste aus ihm herauszuholen. Das Gute: Er bleibt stets sehr neutral und vorhersehbar. Auch in Kurven. Der riesige Karbon-Heckspoiler presst ihn auf den Asphalt. Bei Tempo 200 sind es immerhin gigantische 340 Kilogramm. So pfeilt er gutmütig wie ein Unschuldslamm unterstützt von der Hinterradlenkung um die Kurven. Und hat man den Respekt erst einmal abgelegt, gibt es immer noch ein paar Stellen auf dem Circuit, wo man sich Zehntel um Zehntel sich verbessern kann. So ist der GT2 RS eine Mischung aus Effizienz und Brutalität, die es zu verdienen gilt. Schade nur, dass das Sportgerät nicht mehr gebaut wird. So müssen wir warten, bis uns ein Nachfolger beglückt. Und das wird er, ohne Wenn und Aber.

Text: Gilles Rossel

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11 Nov 2019