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Microsnap

So klein wie effizient

Der «Snap» trennt Aufbau und Fahrgestellt. Jetzt geht Rinspeed einen Schritt weiter und schrumpft das komplette Fahrzeug für einen flexibleren Einsatz.

Mit dem «Snap», vorgestellt Anfang des Jahres auf der CES in Las Vegas, demonstrierte die Schweizer Ideenschmiede Rinspeed erstmals ein Fahrzeug, bei dem Fahrwerk und Aufbauten eigene Wege gehen. Firmenchef Frank M. Rinderknecht hat den Snap zum «Microsnap» auf die Masse eines Renault Twizy geschrumpft. Dazu zeigt der Schweizer erstmals eine funktionstüchtige Roboterstation, die Fahrgestell und Aufbauten zusammenfügt und trennt - und gleich noch auflädt. 

Flexibel, keine Sammeltaxis 

Für Rinspeed ist die Zeit der grossen Lieferwagen, die Kunden wie Perlen auf einer Schnur nacheinander über den Tag bedienen, vorbei. Weil der Onlinehandel boomt und auch den Fresh-Food-Bereich inzwischen einbezieht, glaubt der Schweizer an kleine autonome Fahrzeuge, die ausschwärmen und ohne Umwege ihre Lieferung so schnell wie möglich zum Kunden bringen. Zu seiner Vision gehören aber auch zweisitzige Robotertaxis, die ihre Passagiere komfortabel und effizient auf dem kürzesten Weg ans Ziel bringen. Rinderknecht ist sich sicher: «Kunden wollen mehr und mehr zeitnah beliefert werden und viele Passagiere keine Sammeltaxis, die systembedingt zeitintensive Umwege fahren müssen.» 

Vom Prototyp zur Serienreife 

Inzwischen ist ein Start-Up geplant und Gespräche mit Investoren sind am Laufen, um den Snap auf die Strasse zu bringen. Denn die Resonanz in der automobilen Fachwelt auf die andersartige Denkweise war gewaltig und blieb nicht ohne Folgen: Selbst Mercedes liess sich von den Eidgenossen inspirieren und zeigte auf der IAA 2017 seine eigene Interpretation der Trennung vo Fahrgestell und Aufbau. Da Imitation bekanntlich die aufrichtigste Form der Schmeichelei ist, nimmt es Rinderknecht gelassen und schmunzelt: «Nun: Wer hat es erfunden?»

Langlebigkeit vs. Kurzlebigkeit 

Während die Aufbauten so lange halten wie ein Auto heute, enthält das Fahrwerk alle verschleiss- und alterungsanfälligen Komponenten wie die IT-relevante Technik für das automatisierte Fahren. Sogenannte „«Skateboards» (Fahrwerke) und «Pods» (Aufbauten) sind nur Kurzzeitpartner. So nutzen vielfältige Aufbauten die gerade verfügbaren Skateboards. Nach wenigen Jahren werden diese recycelt, weil die Grenze ihrer Betriebsdauer erreicht ist. Sie entgehen damit elegant einem teuren und komplizierten Hardware-Update.
Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob die kluge Idee von Rinspeed bei den Investoren tatsächlich auf offene Ohren stösst – und ob auch andere Autohersteller auf diesen Zug aufspringen.

Text: Koray Adigüzel

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17 Okt 2018