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Hyundai Nexo

Fährt so die Zukunft?

Während sich einige aufgeschlossene Zeigenossen mit kleinen Reichweiten und langen Ladezeiten ihrer Elektromobile abmühen, sind andere mit Energie aus Brennstoffzellen schneller wieder fahrbereit und fahren viel länger. Wir haben es mit dem Hyundai Nexo Fuel Cell ausprobiert.

Der Hyundai Nexo Fuel Cell sieht leicht futuristisch aus, aber nicht so gewöhnungsbedürftig und abgehoben wie das Zukunftsmodell der japanischen Konkurrenz, der Toyota Mirai. Der Nexo ist ein praktisches, 4,67 Meter langes SUV oder wie es Hyundai ausdrückt: ein FUV (Future Utility Vechicle).  

Der Innenraum ist sehr hell und luftig, das Design wirkt jugendlich und modern. Platzangebot vorn und im Fond sowie die Übersichtlichkeit sind tadellos. Leider ist das Ladevolumen mit 461 Litern, die auf 1466 Liter durch Umklappen der Rücksitzbank erweiterbar sind, nicht gerade üppig. Auch ist die Ladekante recht hoch. Der Grund: Unter dem Ladeboden hinter der Hinterachse befindet sich ein Wasserstofftank, zwei weitere Tanks liegen vor der Achse unter der Rücksitzbank. Im Gegensatz zu Batterien kann man die Tanks nicht verkleinern, verteilen oder in unzählige Einheiten unterteilen.

Nachholbedarf bei Qualität und Fahrdynamik

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Interieuranmutung. Die Ausströmer wirken billig, die sehr breite und hohe Mittelkonsole ebenfalls. Hier hätte man sich angesichts des doch recht hohen Preises von 84’900 Franken eine hochwertigere Anmutung bei Optik und Haptik gewünscht. Die grau hinterlegten Symbole in Durchlichttechnik sind zudem nur nachts oder bei hellem Tag gut sichtbar.

Wichtiger ist allerdings, was unter der Karosse steckt. Der Nexo fährt sich wie jedes Elektroauto: sehr leise und mit ordentlichem Drehmoment schon vom Start weg. Allerdings sind 120 kW oder umgerechnet 163 PS für ein fast zwei Tonnen schweres Gefährt etwas wenig. Der kleinere Kona Electric leistet beispielsweise 150 kW, die auch dem Nexo gut anstehen würden. So passt denn auch das sehr komfortabel ausgelegte Fahrwerk mit etwas indirekter Lenkung gut zum Nexo. Er ist definitiv kein Kurvenkünstler und dürfte eher dem amerikanischen Geschmack zusprechen als dem europäischen. 

Nur zwei Tankstellen in der Schweiz

Allerdings ist das nicht das Hauptproblem, welches dem Nexo für eine grössere Verbreitung im Wege steht. Zwar ist der Tankvorgang in fünf Minuten abgeschlossen, aber es gibt aktuell in der Schweiz nur zwei 700-bar-Tankstellen, und zwar in Dübendorf und Hunzenschwil. Trotz einer Reichweite von 666 respektive 756 (WLTP/NEFZ) Kilometer ist das Tankstellennetz noch das grosse Hindernis.

Trotzdem! Wenn Hyundai dem Nexo ein etwas gediegeneres Interieur und einen stärkeren Antrieb verpasst, ist das Konzept zukunftsträchtiger als die herkömmlichen Elektroautos. Weitere Tankstellen werden mit steigender Nachfrage nach Hydrogen-Treibstoff bald entstehen. Diese dürften unter dem Strich billiger und einfacher zu realisieren sein als Tausende von Ladestationen, Induktionsladungsstellen vor Ampeln, Schleifen in der Fahrbahn und dergleichen. Wenn der Verbrenner jemals abgelöst werden sollte, dann eher vom Wasserstoff- als vom reinen Elektroantrieb. 

Text: Stefan Fritschi

Bilder: Hyundai

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18 Jul 2018