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Skoda Karoq

Kurz und Bündig

Es muss nicht immer Kaviar sein. Auch mit Vorderradantrieb, Stoffsitzen und in Stahlgrau gibt der Skoda Karoq eine gute Figur ab.

Die Schweiz ist Allradland. Punkt. Doch ganz so einfach ist es nicht. Schliesslich lassen sich die Kosten-, Gewichts- und Verbrauchsnachteile des Vierradantriebs nicht wegdiskutieren. Daher sei die Frage gestattet, ob es nicht ein gut gemachter Fronttriebler ebenso gut kann? Getreu der Devise: zeigen, was man hat, stellen uns die Importeure normalerweise immer vollausgestattete Topmodelle vor die Redaktion. Skoda macht da eine Ausnahme und liefert den Karoq  als Fronttriebler mit dem 150 PS starken 1.5 TSI. Der Hintergrund: Nur der 2.0 TDI – ebenfalls mit 150 Pferden – ist serienmässig allradgetrieben. Die beiden Benziner mit einem Liter Hubraum und 115 PS oder unser 1.5 TSI gibt es zurzeit nur mit Vorderradantrieb. Aber das muss kein Nachteil sein.

Allrad oder nicht?

Der vorderradgetriebene Benziner ist fast 5000 Franken günstiger als der gleich starke TDI 4x4 mit gleichem Getriebe. Und für das Siebengang-DSG werden nochmals 2000 Franken fällig. Der Verbrauchs- und Gewichtsvorteil lässt sich mangels Vergleichsmöglichkeit nicht exakt ermitteln, dürfte aber dennoch bei rund 0,3 Liter/100 km respektive
80 Kilogramm liegen. Immerhin!

Zwar drehen die Räder bei zügigem Anfahren und gleichzeitigem Einlenken schon mal durch, insbesondere auf nasser Strasse. Aber ansonsten ist die Traktion ausgezeichnet. In schnell gefahrenen Kurven untersteuert der Karoq leicht und kündigt ein Eingreifen der Regelung an. Fahrwerksabstimmung und insbesondere der Federungskomfort sind trotz 18-Zoll-Felgen ausgezeichnet, da die Räder sehr komfortabel abrollen.

Erst an einer vereisten Bergstrasse vermissen wir den Allrad schmerzlich. Die Vorderräder finden keinen Halt. Es bleiben nur das Zurückrollen und Anlaufholen – oder Schneeketten montieren. Wer häufig mit solchen Situationen konfrontiert ist, sollte zum 4x4 greifen, alle anderen können ihn sich getrost sparen. Oder er muss auf den allradgetriebenen 150-PS-Benziner und den 190-PS-TDI im vierten Quartal 2018 warten.

Gut im Futter

Der Prüfstandtest brachte 162 PS – zwölf PS mehr als angegeben. Ausstattungsbedingtes Mehrgewicht und die 18-Zoll-Pneus verhinderten ein Erreichen der 0-100-Werksvorgabe. Ansonsten wird der Vierzylinder-Direkteinspritzer mit den knapp 1,5 Tonnen sehr gut fertig, ist spurtstark und zeigt keinerlei Anfahrschwäche. Er läuft zudem sehr leise und ruhig und ist im Stand nahezu unhörbar. Bei Autobahntempo liegen nur 2000 Touren an, was dem Langstreckenkomfort nur förderlich ist. Die Zylinderabschaltung macht sich durch einen leicht kernigeren Motorlauf bemerkbar, aber schon nach leichtem Berühren des Gaspedals arbeiten wieder alle vier Töpfe.

Das nicht in allen Konzernmodellen voll überzeugende Siebengang-DSG zeigt sich im Karoq von seiner besten Seite. Die Übersetzung passt für alle Lebenslagen, und die Schaltvorgänge sind sanft und ruckfrei. Im Eco- und Normalmodus schaltet das Getriebe extrem spät hoch und lässt den Motor innerorts bei knapp über 1000 Touren drehen, was doch etwas gar niedrig ist. Hier wechselt man gerne in den Sportmodus oder greift via Lenkradpaddel ins Geschehen ein. Die vier Fahrmodi der nur 110 Franken kostenden «Drive Mode Selection» beeinflussen Dinge wie Lenkung, Antrieb, Kurvenfahrlicht oder die Einsatzbereitschaft der Klimaanlage. Der gewählte Fahrmodus ist auch nach einem Stopp noch aktiv. Aber eigentlich ist die Unmenge an Wahlmöglichkeiten bei dieser Sorte Auto entbehrlich.  

Der Verbrauch hält sich angesichts der Fahrleistungen und der hügeligen Schweizer Topografie in Grenzen. Die Normvorgabe von 5,6 l/100 km wurde mit einem Konsum von sieben Litern über die gesamte Testdistanz klar überboten. Dafür zeigte sich der Tscheche auf der sparsam gefahrenen ai-Runde mit nur 5,5 Litern von seiner geizigen Seite. 

Schlicht, aber gut verarbeitet

Wahrlich nicht geizig präsentiert sich das Interieur. Die Sportsitze im elegantem Nadelstreifen-Look und das qualitativ hochwertige, aber schlicht gehaltene Cockpit, das es locker mit VW-Produkten aufnehmen kann, überzeugen. Nur der Ablagefachdeckel auf der Cockpit-Oberseite wirkt billig. Und der Entfall der Drehknöpfe beim Navi ist kein Fortschritt. Gerade das Zoomen ging früher schneller. Unser Testwagenpreis liegt mit 40 000 Franken absolut im Rahmen. Doch die Skoda-Optionsliste ist mittlerweile lang und vielfältig. Aber so lässt sich auch Geld sparen, indem man weglässt, was man selten oder gar nicht braucht. 

Stefan Fritschi sagt

Der kompakte und trotzdem geräumige Skoda Karoq erweist sich als überaus angenehmer Alltagsbegleiter – nicht zuletzt, weil er seine Aufgaben unaufdringlich und ganz ohne Bling erledigt. Den Allradantrieb vermisst man seltener als man denkt. Reiner Frontantrieb spart zudem Geld, Gewicht und Benzin. Das sind durchaus wichtige Argumente.

Stärken

Der Vorderradantrieb macht den Karoq leichter, sparsamer und günstiger als den 4x4. Die Fahreigenschaften sind sicher, der Fahrkomfort hoch. Platzangebot und Zugänglichkeit sind neben der guten Verarbeitung vorn, hinten sowie im Kofferraum sehr gut.

Schwächen

Die 150 PS kommen im Gelände und beim zügigen Beschleunigen aus Kurven an ihre Grenzen. Die abgeklappte Rücksitzbank erzeugt eine hohe Stufe im Ladeboden, die Ladekante ist hoch. Je nach Statur sind die starren Kopfstützen der Sportsitze unbequem.

Hinweis: Dieser Test stammt aus der Ausgae 03/2018. Detailliertere Messungen sowie ein Motorendiagramm finden sich im Heft. Die Ausgabe kann hier nachbestellt werden.

Technische Daten

Marke / Modell
Preis Basismodell / Testwagen 30'420 / 40'250 CHF
Motor R4-Zylinder, Turbo, Benzin-Direkteinspritzung, 1498 cm3
Leistung 110 kW/150 PS bei 5000–6000/min
Drehmoment 250 Nm bei 1500–3500/min
Antrieb 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Vorderradantrieb
Beschleunigung 0-50 km/h, 0-100 km/h, 0-160 km/ 3,2 s, 8,8 s, 24,4 s
Vmax 203 km/h
Bremsweg min./max. 37,1 m / 39,7 m
NEFZ-Verbrauch 5,6 l/100 km, 127 G/CO2 pro km, Energieeffizienzkategorie E
Test-Verbräuche 7,0 l 100 km (Mix), 5,5 l/100 km (ai-Runde), 8,6 l/100 km (Messungen)
Fahrwerk Vorn McPherson, hinten Vierlenkerachse
Lenkung Elektromechanische Servolenkung
Leergewicht 1463 kg
Abmessungen Länge/Breite/Höhe 4382/1841/1603 mm, Radstand 2630 mm
Kofferraum 521 - 1630 l
Wendekreis 10,9 m
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19 Mai 2018