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70 Jahre VW Käfer

Geschichte ohne Ende

Von den 21,5 Millionen produzierten VW Käfer krabben unglaubliche 320’637 Stück in die Schweiz. Alles beginnt mit der Unterzeichnung des Importvertrags am 29. April 1948, am 5. Mai 1948 fahren die ersten 25 Wagen über die Grenze. 70 Jahre später wiederholt sich die Geschichte.

Die Schweiz war nach Holland und Belgien das dritte Land, in welches der Volkswagen Typ 1 – ein anderes Modell gab es zu Beginn ja nicht – exportiert wurde. 1948 unterschreibt Walter Haefner, Chef der 1945 gegründeten  „Neuen AMAG Automobil- & Motoren AG“, den Importvertrag, und schon rollen die ersten 25 ausschliesslich in Grau oder Schwarz lackierten Exemplare auf eigener Achse über die leeren deutschen Autobahnen zum Zoll in Lörrach. Nach der Verzollung wurden sie von den Händlern bar bezahlt und zur heimischen Garage gefahren.

Schon im ersten Jahr können in der Schweiz 1380 Volkswagen verkauft werden. Am 31. März 1983 wird einem Berner Kunden schliesslich der letzte Käfer aus mexikanischer Produktion ausgehändigt. In 35 Jahren verkauft die AMAG somit insgesamt 320’637 Käfer.  

Ein «Wirtschaftswunder» für sich

Dass der Käfer ein so grosser Erfolg geworden ist, darf man keinenfalls als Selbstverständlichkeit abtun. Schliesslich stammt er aus Deutschland, das gerade den Krieg verloren hat. Ausserdem ist die Konstruktion ein Kind des Nazi-Regimes, welches den KdF-(Kraft durch Freude)-Wagen überhaupt erst möglich gemacht hat. Und der Käfer ist eine nicht sehr fortschrittliche Vorkriegskonstruktion, die zwar nach dem Krieg noch zeitgemass war, die aber eigentlich schon in den 1960er-Jahren durch einen Nachfolger hätte ersetzt werden müssen. Aber er läuft einfach weiter und ist auch dann noch erfolgreich, als in Wolfsburg schon längst die modernen Golf vom Band laufen.

25 Ur-Käfer finden sich zum Revival

Der Käfer-Spezialist und Oldtimer-Fan Urs Weibel aus Aarberg (BE) trommelt in Zusammenarbeit mit der Organisation des Raid und der AMAG 70 Jahre nach dem historischen Ereignis 25 Käfer der Baujahre 1948 bis 1953 zusammen, die sich wieder an der Grenze zur Schweiz aufstellen – exakt an der gleichen Stelle wie damals. Der Verkehr wird umgeleitet, zwei Zöllner werfen sich in historische Uniformen. Schnell finden sich viele Schaulustige ein. Nachdem die einmaligen Fotos im Kasten sind, rollt der Tross weiter ins Verkehrshaus, wo sich der Startpunkt der Young Riders Challenge des Raid befindet. Die auto-illustrierte fährt in einem grauen und chromlosen 1952er-Basis-Modell mit originalen 25’000 Kilometern auf der Uhr mit. Die 24,5 PS meistern die zahlreichen Steigungen zwischen Basel und Luzern völlig mühelos. Der Käfer würde spontan weiterfahren bis nach Rimini – wie damals mit Familie, Feriengepäck und Schlauchboot auf dem Dach. Die Geschichte des Käfers ist somit noch lange nicht am Ende angekommen…

Text: Stefan Fritschi

Bilder: VW (9), Stefan Fritschi (6)

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11 Mai 2018