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Alfa Romeo Stelvio

Attraktiver Spätzünder

Mit dem schicken Stelvio springt Alfa Romeo endlich auf den bereits unter Volldampf fahrenden SUV-Zug auf. Reicht es mit der Neuauflage, um nicht einmal mehr den Anschluss zu verlieren?

Steil bergauf geht es mit den SUV-Neuzulassungen. Da hat Alfa Romeo Schwein, dass man gerade noch auf den 4x4-Zug aufspringen konnte, bevor er an Dampf verliert. Mit dem Stelvio jetzt noch den Anschluss herzustellen und nach der Giulia einen weiteren Bestseller im Markt zu installieren, dürfte die Marke endgültig wieder auf Kurs bringen. Und das, obwohl das SUV in seinem Segment auf hartnäckige Konkurrenz wie den Audi Q5 oder den BMW X3 trifft. 

Gewohnte Übersichtlichkeit

Der Stelvio kommt, gemessen am Outfit, sehr sportlich daher. Zumindest was das Design betrifft, ist der Spätzünder voll und ganz auf der Höhe. Da lässt sich die eingeschränkte Rundumsicht vor allem nach schräg hinten gut verkraften. Die Rückfahrkamera wird als Bestandteil des 1050 Franken teuren Driver-Plus-Pakets mitgeliefert. Ansonsten wartet das aus der Giulia bekannte Cockpit mit recht hochstehender Verarbeitung auf. Vorteil: Es ist alles bekannt, sodass man sich dank der klaren Struktur schnell zurechtfindet. 

Die riesigen und feststehenden Schaltwippen sind allerdings zu nah am Blinker- und Scheibenwischerhebel platziert, sodass man ihnen anfänglich ins Gehege kommt. Dass sie feststehend sind, statt mit dem Volant mitdrehen, ist Geschmackssache. In diesem Punkt gibt es gerade unter den Sportfahrern unterschiedliche Auffassungen. 

Der auf der Mittelkonsole sitzende Drehdrücksteller für das Navi und das Infotainment-System erinnert dagegen unheimlich an den von BMW – einfach und schnell. Würde doch nur das sehr zögerlich arbeitende, antiquierte sowie kontrastarme Navi ebenfalls mit Schnelligkeit glänzen. Und auch auf die Online-Anbindung muss man verzichten. Punkte, bei denen der Italiener gegenüber der Konkurrenz auf alle Fälle das Nachsehen hat.

Nicht bei der Bestuhlung. So schmeicheln Fahrer- und Beifahrersitz mit vernünftigem Seitenhalt und genügend langer Oberschenkelauflage. Selbst die Fondpassagiere dürfen sich dank ausreichend Kopf- und Beinfreiheit über ausreichend Platz freuen. Der findet sich im Übrigen auch im Kofferraum hinter der serienmässig sowohl elektrisch öffnenden als auch schliessenden Heckklappe wieder. Die 525 bis 1600 Liter Stauvolumen des Stelvio halten dem Vergleich mit dem Audi Q5 (550 bis 1550 Liter) allemal stand und erlauben über die angenehm tiefe Ladekante eine Zuladung von immerhin 640 Kilogramm.

Starker Zweiliter

Selbst voll beladen ist der dann immerhin rund 2,3 Tonnen schwere Fünftürer mit dem kernigen Zwei-liter-Benziner gut bedient. Erst recht, da er – nachgemessen auf dem Novidem-Motorenprüfstand –  auch über das vorgegebene Leistungspotenzial verfügt. Tatkräftig kommen die ermittelten 276 PS und 430 Nm schnell und vor allem agil zur Sache – und das nur mit einer kurzen Atempause. Ohne grosse Mühe lässt er den Stelvio in 5,6 Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Spätestens bei sportlicher Fahrweise vermag der von ZF stammende Achtstufen-Automat jedoch nicht mehr so recht mitzuhalten und wechselt scheinbar eher widerwillig die Gänge. Da helfen selbst die manuellen Eingriffe über die Schaltwippen nichts. Dem Italiener liegt vielmehr der gemache Galopp, wo er die Wellen dann sanft wechselt.

Punkto Verbrauch genehmigte sich der Vierzylinder gerade bei den Messungen über 13 l/100 km. Dass er sparsam wie ein Schotte sein kann, bewies der Stelvio auf der ai-Runde, die er mit erstaunlichen 4,4 l/100 km absolvierte.

 

Sportler-Qualitäten

So sanft, wie er schaltet, so weich rollt er ab. Ausgerüstet mit den optionalen selektiven Dämpfern federt er komfortabel ein. Erst bei groben Querrillen ist ein Poltern zu vernehmen. Auf schneller Kurvenfahrt wähnt man sich in der Giulia, von der er die Basis übernommen hat. Dabei hält der Allradler stabil seine Spur. Gesegnet mit einer sehr präzise und zackig arbeitenden Lenkung nimmt er die Richtungswechsel vor. Einzig etwas mehr Rückmeldung darf sie jetzt noch bieten. Wankbewegungen des Aufbaus waren nicht auszumachen. Schön, dass die Elektronik dem Piloten genügend Spielraum lässt, bevor sie eingreift. Kommt dann aber der Zeitpunkt, wo die physikalische Grenze erreicht ist, greift das ESP vehement durch, um den dann übersteuernden Italiener wieder einzubremsen. So sorgt der Stelvio sportlich wie auf der Langstrecke für standesgemässen Unterhaltungswert.

Jörg Petersen sagt

Die Italiener haben sich lange Zeit gelassen, um den Stelvio in Serie gehen zu lassen. Dabei profitiert er von den Zutaten der Giulia. Bis auf ein paar kleinere Makel dürfte er aus der Masse der SUVs hervorstechen – und das mit Sicherheit nicht nur beim Preis.

Stärken

Der Stelvio überzeugt mit gutem Fede-rungskomfort, der Zweiliter mit Agilität. Die sportliche Fahrweise wird durch die gute Beherrschbarkeit im Grenzbereich, die sehr direkt ausgelegte Lenkung  sowie den ergonomischen und gut Seitenhalt bietenden Sitzen unterstützt. 

Schwächen

Gemessen an der Konkurrenz kann der Italiener punkto Sicherheitsausstattung nicht ganz mithalten. Selbst das Info-tainment-System ist nicht mehr up to date. Darüber hinaus ist vor allem die Sicht nach schräg hinten stark eingeschränkt.

Bilder: Vesa Eskola

Hinweis: Dieser Test stammt aus der Ausgae 12/2017. Detailliertere Messungen sowie ein Motorendiagramm finden sich im Heft. Die Ausgabe kann hier nachbestellt werden.

Technische Daten

Marke / Modell Alfa Romeo Stelvio 2.0 Turbo Q4
Preis Basismodell / Testwagen 58'500 / 69'500 Franken
Motor 4-Zylinder, Turbobenziner, Direkteinspritzung, 1995 cm3
Leistung 206 kW/280 PS bei 5250/min
Drehmoment 400 Nm bei 2250/min
Antrieb 8-Gang-Automat, Allradantrieb, Kraftverteilung 0:100–60:40 (v.:h)
Beschleunigung 0-50 km/h, 0-100 km/h, 0-200 km/ 1,9 s – 5,6 s – 24,8 s
Vmax 230 km/h
Bremsweg min./max. 35,8 m / 36,4 m
NEFZ-Verbrauch 7,0 l/100 km, 161 g/km Energieeffizienzkategorie F
Test-Verbräuche 9,4 l 100 km (Mix), 4,4 l/100 km (ai-Runde), 13,5 l/100 km (Messungen)
Fahrwerk Vorn doppelte Querlenker, hinten Mehrlenkerachse
Lenkung Mechanische Progressivlenkung
Leergewicht 1775 kg
Abmessungen Länge/Breite/Höhe 4687/ 1903/1648 mm, Radstand 2818 mm
Kofferaum 525–1600 l
Wendekreis 11,75 m
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30 Jan 2018