Chinesischer E-Auto-Produzent

Ist Byton bald pleite?

Gemäss "Wirtschaftswoche" hat der chinesische Elektroauto-Hersteller Byton die Produktion seit dem 1. Juli 2020 für rund sechs Monate eingestellt und steht womöglich vor dem Konkurs. Die Schuld sehen die Chinesen in der aktuellen Corona-Situation.

Veröffentlicht am 01.07.2020

Die Krise bringt den chinesischen Elektroautobauer Byton laut "Wirtschaftswoche" in Bedrängnis. Die vor drei Jahren mit ehrgeizigen Expansionsplänen gegründete Firma hat die Produktion ab 1. Juli 2020 für sechs Monate ausgesetzt, um sich "neu aufzustellen".

„Die neue Coronapandemie hat die Finanzierung und den Produktionsbetrieb von Byton vor grosse Herausforderungen gestellt“, erklärte das Unternehmen, zu dessen Investoren der staatliche Autohersteller FAW und der Batteriehersteller CATL gehören. Man habe sich nach Abstimmung mit den Aktionären daher entschlossen, einen Plan zur Senkung der Personalkosten und zur strategischen Neuorganisation auf den Weg zu bringen.
 
Erst im April hatte der Branchendienst Electrek berichtet, dass Byton Hunderte Mitarbeiter in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien in Zwangsurlaub geschickt habe.
 
Der Konzern erfreute sich bislang der Rückendeckung chinesischer Behörden. Die milliardenteure, 800.000 Quadratmeter grosse Fabrik im chinesischen Nanjing wurde zum Jahresanfang 2020 fertig. „Unser Werk in Nanjing wird, genau wie Teslas Gigafactory One in Nevada, neben Batterien für Autos auch solche Heimspeicher herstellen“, pries Byton-Chef Daniel Kirchert Anfang des Jahres gegenüber der "Wirtschaftswoche" das Projekt an.

2017 als "Start-up" gegründet

Byton wurde im September 2017 von Future Mobility aus der Taufe gehoben, einem Unternehmen, das von ehemaligen BMW- und Nissan-Managern mitgegründet wurde. Byton gehört zu einer Reihe von neu gegründeten Tesla-Herausforderern, mit denen China eine eigene E-Autoindustrie aufbauen will. Dabei wurde dem Start-up aus Nanjing als einem der wenigen zugetraut, auch ausserhalb Chinas Fuss zu fassen. Auf mehreren Automessen, zuletzt bei der IAA vergangenes Jahr in Frankfurt, trommelte das Management für den Elektro-SUV M-Byte (Fotos).

Im Sommer 2019 hatte es dennoch erstmals Gerüchte um Finanzierungsengpässe gegeben; sogar über ein mögliches Ende des Unternehmens war spekuliert worden, nachdem der Co-Gründer Carsten Breitfeld, ein Ex-BMW-Manager, Byton in Richtung Faraday Future verlassen hatte. Dann konnte Byton neue Geldgeber finden. Erstmals kamen zum Jahreswechsel in der dritten Finanzierungsrunde nicht-chinesische Geldgeber mit an Bord, aus Japan und Südkorea.

Sie sollten mindestens eine halbe Milliarde Dollar, eingerechnet nicht-monetärer Hilfen von chinesischen Regionen, Städten und anderen staatlichen Stellen „wahrscheinlich deutlich mehr“ einbringen, sagte der Byton-Chef der "Wirtschaftswoche" Anfang des Jahres. Noch in diesem Jahr sollten die ersten Exemplare des ersten Modells der Marke, des optisch sehr gelungenen SUVs "M-Byte", bei chinesischen Kunden stehen. Anfang 2021 sollte Kalifornien folgen. Europa war für Ende 2021 geplant. Daraus wird vorerst nichts. Wir berichten, wie es mit Byton weitergeht.

 

Das geplante Elektro-SUV Byton M-Byte

Das geplante Elektro-SUV Byton M-Byte

Das geplante Elektro-SUV Byton M-Byte

Das geplante Elektro-SUV Byton M-Byte

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