Schon gefahren

Beim BMW 3er Facelift zählen die inneren Werte

BMW hat seinem Kernmodell eine Überarbeitung gegönnt. Optisch zurückhaltend, spielt sich das Hauptprogramm im Innenraum ab. Richtig so, oder hat BMW hier zu wenig gemacht? Wir haben den frischen 3er getestet.

Veröffentlicht am 21.09.2022

Never change a winning system. Diese Weisheit muss BMW bei der Konzeption des 3er Facelifts im Hinterkopf gehabt haben. Schliesslich soll die erfolgreichste Baureihe – 2021 setzte man von 3er und 4er weltweit knapp 491.000 Exemplare ab – nicht plötzlich zum Ladenhüter werden. So erstaunt es nicht, dass die Überarbeitung auf den ersten Blick recht zurückhaltend daherkommt.


Das Facelift (links) ist kantiger und glatter geraten als der Vorgänger.

Weniger verspieltes Design

Die Karosserie wurde etwas geglättet, Schürzen und Lufteinlässe leicht kantiger. Insgesamt kommt der Mittelklässler jetzt schnörkelloser daher, was vor allem für das M-Paket gilt. Alles in allem muss man aber genau hinsehen, um den Neuen zu erkennen. Selbst die Rückleuchten wurden unangepasst übernommen, was bei einem Facelift durchaus unüblich ist. Nichts geändert hat sich auch am Kofferraumvolumen von 500 bis 1510 Liter (410 Liter beim PHEV).


Am Heck ein ähnliches Spiel. Hier ist das Facelift (rechts) noch schwieriger zu enttarnen.

 

Neues Infotainment im moderneren Innenraum

Beim Einsteigen sind die Massnahmen dann aber unmissverständlich. Allem voran das aus i4, iX und Konsorten bekannte Curved Display sticht sofort ins Auge. Das neue Infotainmentsystem OS8 ist ein deutlicher Sprung nach vorne. Knöpfe gibt es ausser einem Drehregler für die Lautstärke zwar praktisch keine mehr. Die Bedienung fällt dank logischer Menüstruktur und fähiger Sprachassistenz aber trotzdem leicht. Zudem ist das Digitalcockpit jetzt etwas konfigurierbarer als zuvor, auch wenn es in dieser Hinsicht noch nicht an Mercedes’ MBUX oder das MIB3 aus dem VW Konzern heranreicht.


Das riesige Curved Display mit zwei Bildschirmen (12,3 und 14,9 Zoll) ist einfach zu bedienen und ein riesiger Sprung zum Vorgänger-System.

Ein grosses Lob verdient dafür das Head-up-Display, das mit detailreichen Anzeigen und vollformatiger Navikarte beeindruckt. Zusammen mit dem stark verkleinerten Automatikwählhebel – Handschaltung gibt es nicht mehr – wirkt das Cockpit nun deutlich aufgeräumter und moderner als zuvor.

Guter Autobahngleiter

Wir schnappen uns einen 320d sDrive Touring mit M-Paket und rollen los ins Münchner Umland. Schon auf den ersten Metern fällt auf, wie gut der Vierzylinder-Diesel gedämmt ist. Auch auf der Autobahn bei höheren Drehzahlen wird er nicht laut. Überhaupt ist der 3er gut gedämmt, die optionalen Sportsitze bequem, das Fahrwerk im Comfort-Modus nachgiebig, die Lenkung direkt, aber nicht übertrieben nervös. Die dieser Welt Vertreter wissen schon, warum sie auf dieses Auto schwören.

Abbiegen auf die Landstrasse und umschalten in den Sportmodus. Das Fahrwerk wird straffer, die Lenkung etwas direkter. Auch wenn Kurvenräubern definitiv nicht im Lastenheft dieses Autos steht, ist es einer kurzen Landpartie nicht abgeneigt. Die 400 Nm drücken den Kombi kräftig voran, Fahrwerk und Lenkung binden den Fahrer gut ins Geschehen ein. So lassen sich flüssig und mit einer kleinen Portion Fahrspass die Kilometer abspulen. Wer nicht permanent den Sportfahrer raushängen lässt, schafft auch eine 5 vors Verbrauchs-Komma.

Verarbeitung Top, Materialien nur fast

Alles super also? Nicht ganz. Die Bremse ist zwar kräftig, dürfte gerade bei langsamer Fahrt aber feinfühliger agieren. Es bedarf etwas Eingewöhnung, an der Ampel nicht mit einem Kopfnicken zum Stehen zu kommen. Zudem dürften die Materialien im Cockpit im Detail durchaus wertiger sein. So fühlen sich die Lenkstockhebel ziemlich günstig an, und in den Hartplastiktürtaschen etwa rumpeln Gegenstände laut hin und her. Manche Mitbewerber bieten hier Filzauskleidung selbst eine Fahrzeugklasse tiefer. Im Grossen und Ganzen gefällt das Cockpit aber mit wertiger Anmutung, und die Verarbeitung ist top.


Landstrassen machen im 3er Spass. Sein wahres Revier, gerade als 320d Touring, ist aber die Autobahn


Die Preise sind gestiegen

Bleiben zum Schluss noch die Preise. Die sind durchs Band einige tausend Franken angestiegen und starten jetzt bei CHF 52.090.-, den Touring gibt es ab CHF 53.900.-. Gleichzeitig ist die Grundausstattung gestiegen. Fortan sind etwa das Infotainment mit Curved Display, ein besseres Soundsystem, Achtgang-Automatik und 17-Zoll-Felgen Serie.

Fazit:

BMW frischt den 3er dort auf, wo es notwendig war. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Allem voran das neue Infotainment ist ein echter Gewinn. Beim Fahren bewegt sich der Mittelklässler auf gewohnt hohem Niveau. Insgesamt ein gelungenes Facelift, nur in die Materialauswahl im Cockpit hätte man etwas mehr Detailliebe investieren können.

Text: Moritz Doka
Bilder: Bernhard Limberger, BMW

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