E-Hot Hatch

Abarth 500e – Müssen die Fans weinen?

Abarth wird elektrisch. Doch die Italiener versprechen, dass Fans des rabaukig rotzenden 1,4-Liter-Turbomotörchens dem nicht allzu sehr hinterhertrauern werden. Auch der Neue soll laut und richtig fix sein. Allerdings nicht bei den klassischen Sprintwerten vom Stammtisch.

Veröffentlicht am 23.11.2022

Auf Basis des Fiat 500e stellt Abarth jetzt seine angeschärfte Sportversion vor. Die soll ihrem benzinbetriebenen Vorgänger in Sachen Spass und Emotionen nicht nachstehen. Ein hehres Ziel, denn der kleine Sportwagen-Methusalem – verkauft wird er schon seit 2008 – zieht Hot-Hatch-Jünger noch immer ungebrochen in seinen Bann. Also musste sich Abarth für den Neuen einiges einfallen lassen. Bestellbar ist der elektrische Abarth ab sofort. Die Auslieferungen beginnen Anfang 2023. Preise sind noch nicht bekannt, dürften aber nicht unter 40'000 Franken starten.

Optisch nur geringfügige Änderungen

Beginnen wir bei der Optik. Das Thema ist relativ schnell abgehakt, denn die Änderungen halten sich in Grenzen. Am auffälligsten sind der grosse Dachspoiler und die seitliche Abarth-Folierung. Die Front wartet mit einer neu gestalteten Schürze und Abdeckungen der oberen Tagfahrlichter auf. Den Fiat-Schriftzug ersetzen Abarth-Lettern.

Neue Felgen in 18 Zoll und ein angedeuteter Diffusor in der Heckschürze runden das Paket ab. Exklusiv für den Abarth stehen zudem die Farben Acid Yellow und Poison Blue zur Wahl. Abarth liess die Fan-Community während der Entwicklung des Abarth 500e über die Farben mitbestimmen. (Abarth baut Sportwagen-Hommage auf Alfa 4C-Basis.)

Leistung steigt um 37 PS

Kommen wir zum Antrieb und damit zu dem, was die Fans wohl am meisten interessieren dürfte. Wie sein Fiat-Bruder setzt der Abarth 500e auf einen E-Motor, der die Vorderräder antreibt. Der ist zünftig erstarkt und leistet statt 87 kW (118 PS) jetzt 114 kW (155 PS) und 235 Nm Drehmoment. Damit soll der Sprint von 0 auf 100 km/h in sieben Sekunden abgehakt sein.

Das sind 0,3 Sekunden mehr als ein Abarth 695, was auch Abarth weiss. Deshalb schiebt man hinterher, dass Zwischensprints von 20 bis 40 km/h und 40 bis 60 km/h jeweils eine Sekunde schneller abgehakt seien, wobei man als Referenz wahrscheinlich den schwächeren 595 genommen hat. Die Höchstgeschwindigkeit des Abarth 500e liegt mit 155 km/h je nach Modell bis zu 70 km/h niedriger als beim Verbrenner. Im Alltag in den meisten Ländern egal, am Stammtisch trotzdem ärgerlich.

Reichweite wohl geringer

Batterietechnisch setzt auch der Abarth auf eine Einheit mit 37 kWh (netto), die mit maximal 11 kW mit Wechsel- und 85 kW mit Gleichstrom aufgeladen werden kann. Zur Reichweite ist noch nichts bekannt. Aufgrund der gestiegenen Leistung vermuten wir jedoch weniger Reichweite als die 321 Kilometer des Fiat 500e. Knapp unter 300 Kilometer erscheinen uns – zumindest als Angabe auf dem Papier – realistisch.

Für Abarth-Liebhaber vielleicht noch wichtiger ist der Klang. Abarth-Modelle waren stets bekannt für ihren Auspuffklang. Dem 500e haben die Italiener einen künstlichen Sound ankomponiert, der stark nach 695 mit offenen Klappen klingt. Wahrscheinlich wird der aber vor allem im Innenraum zu vernehmen sein.

Scheibenbremsen jetzt auch hinten

Noch nicht viel bekannt ist zu dem, was unter dem Blech verändert wurde. Abarth spricht von einer Gewichtsverteilung von 57 % vorne und 43 % hinten. Fahrwerkstechnisch setzt der Abarth 500e auf eine McPherson-Lösung vorne und dürfte tiefergelegt worden sein. Bremsenseitig kommen 281er Scheiben vorne und neu auch Scheiben an der Hinterachse mit 278 Millimeter Durchmesser zum Einsatz. Der Fiat 500e setzt noch auf Trommeln.

Als Coupé und Cabrio

Das Cockpit wartet mit Alcantara-Bezügen auf Sitzen, Armaturenbrett und Lenkrad auf, vernäht mit mehrfarbigen Ziernähten. Im Infotainment gibt es neue Zusatzanzeigen zu Leistungsabruf und mehr. Selbstredend dürfen zahlreiche Skorpion-Logos und Sportpedale nicht fehlen. Neben der Coupé- wird auch wieder eine Cabrio-Variante angeboten. Ob auch der 3+1 als Abarth kommen wird, ist nicht bekannt.

Die Verbrenner-Abarth werden noch weitergebaut

Zum Marktstart ist eine auf 1949 Exemplare limitierte «Scorpionissima-Edition» zu haben. Sie bringt einige Logos, eine nummerierte Plakette und weitere Designelemente mit. Bestellbar ist der Abarth 500e ab sofort, die Auslieferungen beginnen ab Anfang 2023. Zu den Preisen schweigt Abarth noch. Unter rund 40.000 Frankendürfte aber wenig gehen. Wer sich gar nicht mit der neuen Welt anfreunden kann: Abarth 595 und 695 werden noch eine Weile parallel weiterverkauft. Wahrscheinlich aber höchstens bis 2024, denn dann will Abarth in Europa rein elektrisch unterwegs sein. Man liess auch durchblicken, dass bald ein noch grösseres Modell folgen werde. Auch das natürlich elektrisch. (Der Fiat 500e im Test.)

Fazit

Vor allem in greller Aufmachung ist der Abarth 500e richtig schick. Doch das ist ein normaler Fiat 500e auch. Ob echte Abarth-Fans also ob etwas mehr Leistung und künstlichem Klang freiwillig auf Elektro umsteigen, ist fraglich. Wir sind trotzdem sehr gespannt, wie sich der Abarth 500e fährt. Denn Querdynamik war bei Abarth schon immer wichtiger als pure Leistung.

Text: Moritz Doka
Bilder: Abarth

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