Er ist fahrdynamisch wie ein GT und kompakt wie ein Mittelklasse-Kombi. Er ist nichts fürs schwere Gelände, aber uneingeschränkt wintertauglich. Mit diesem Konzept hat der X3 vor acht Jahren den Boom der kompakten SUV eingeläutet.
Nachdem vor Jahresfrist die zweite Generation lanciert wurde, ist die Auswahl auf dem Occasionenmarkt deutlich gewachsen. Rund 360 Angebote sind derzeit bei autoscout24.ch ausgeschrieben. Grösstenteils zu Preisen zwischen 25.000 und 45.000 Franken Antreten zum Gebrauchtwagentest soll ein Zweiliter-Diesel, ein 2007er mit 69.000 Kilometern auf dem Zähler.
Beim Auto Center Dietlikon für 34.900 Franken angeboten, ist der Auserkorene auf den ersten Blick kein Schnäppchen. Allerdings verfügt er über zahlreiche Optionen wie Lederausstattung, Holzdekor, Xenon-Scheinwerfer, Klimaautomatik und Einparkhilfe. Zudem verspricht der 150 PS starke Diesel mit einem werkseitig ausgewiesenen Norm-Mix von 7,2 Litern pro 100 Kilometer vernünftige Treibstoffkosten. Mit anderen Worten: das Komplettpaket
Der beliebte Vierzylinder-Selbstzünder legt ausreichend Temperament an den Tag, sobald er einmal angerollt ist. Gewöhnungsbedürftig ist nur seine ausgeprägte Anfahrschwäche, gepaart mit einer etwas ruppig zupackenden Kupplung. Fährt man mit zu wenig Gas los, geht – puff! – nicht selten der Ofen aus.
Vorsicht bei getunten 2.0d
Also doch lieber nach dem Sechszylinder 3.0d Ausschau halten? Nicht unbedingt. Ende 2007 überarbeitete BMW den 2.0d gründlich und legte auf 177 PS nach. Damit lässt sich klar harmonischer losfahren. Zudem sind dessen Fahrleistungen deutlich besser, und das bei eher noch sparsamerem Dieselkonsum. Aufgepasst jedoch bei Exemplaren, denen mit Chip-Tuning auf die Sprünge geholfen wurde. Sie sind durch die Kraftkur anfälliger für Turbolader-Schäden.
So oder so lässt sich der X3 mit seiner direkten Lenkung erfreulich sportlich durch die Kurven scheuchen. Dass er dabei für ein SUV ungewohnt straff gefedert ist und kurze Stösse von Schachtdeckeln und Querrinnen trocken an die Insassen weitergibt, liegt in der Natur der Sache.
Insgesamt macht der Testwagen bis auf minime Parkschäden nach fast 70 000 Kilometern einen gepflegten Eindruck. Die Lederpolster sehen sogar aus wie neu. Selbst die Türdichtungen, beim X3 gern verschleissanfällig, zeigen noch keinerlei Zerfallserscheinungen. Zudem wirken die Innenraummaterialien nach vier Jahren noch recht ordentlich. Das war vor der ersten Modellpflege 2006 nicht so der Fall.
TCS-Experte Jürg Stauber, der den X3 im Technischen Zentrum in Volketswil einem gründlichen Gebrauchtwagentest unterzieht, zollt dem Probanden ebenfalls Lob. So zeigt der kritische Blick unterm Wagen, dass die bei allen BMW-Modellen verwendete stossdämpfende Hardyscheibe zwischen Getriebeausgang und Kardanwelle noch keine Risse hat. Dieser Schwachpunkt der Münchner macht sich sonst während der Fahrt durch Klack-klack-Geräusche bemerkbar.
Intakt sind alle Schraubenfedern, die Lager der Hinterachsaufhängung zeigen genauso wenig Verschleiss wie die Antriebswellen. Abgehakt sind also jene drei Punkte, die von TÜV und Dekra im Rahmen von Fahrzeug-Hauptuntersuchungen noch am ehesten bemängelt werden. Wobei der X3 selbst bei hoher Laufleistung mit klar unterdurchschnittlicher Mängelquote glänzt.
Fehlalarme nach Standzeit
Ein prüfender Blick unter die Motorkapselung – trocken. Dieser Zweiliter hat bestimmt noch nie Öl verloren. Und auch die Bremsen zeigen auf dem TCS-exklusiven Allradprüfstand einwandfreie Funktion.
Stirnrunzeln verursacht bei Stauber nur der via OBD-Stecker ausgelesene Fehlerspeicher. Fehlfunktionen beim Partikelfilter und beim Beifahrer-Airbag wurden registriert.
Der Speicher wird gelöscht, der Experte geht auf Probefahrt, und siehe da: keine Fehlermeldung mehr. Wahrscheinlich, mutmasst Stauber, seien dies Folgen der Standzeit gewesen. Der X3 ist seit rund einem Jahr abgemeldet. Unterspannung in der Batterie kann die Airbag-Fehlermeldung ausgelöst haben, mehrfaches Rangieren auf dem Verkaufsareal die Warnung vor dem zugesetzten Partikelfilter. Kein Wunder, dass nach so langer Stilllegung die Bremsflüssigkeit Wasser gezogen hat und zum Austausch fällig ist.
Keine Schrammen an Spoilern und Unterfahrblechen, kein zerbeulter Auspuff – ein gutes Zeichen. Stauber weiss aus Erfahrung, dass diese bei Geländewagen häufigen Kampfspuren beim X3 eher selten sind. Das trendige Kompakt-SUV wird meist pfleglich wie ein normaler Kombi eingesetzt. Ein Grund mehr, der für einen X3 als Occasion spricht.
| aktueller Preis | Fr. 34.900 |
|---|---|
| Neupreis (+Optionen) | Fr. 55.200 (+Fr. 8.500) |
| Laufleistung | 68.600 km |
| 1. Inverkehrsetzung | 5. 6. 2007 |
| Zylinder/Hubraum | R4/1995 cm³ |
| Leistung | 110 kW/150 PS bei 4.000/min |
| Drehmoment | 330 Nm bei 2.000/min |
| Getriebe/Gangzahl | manuell/6 |
| Antrieb | adaptiver 4x4 |
| 0 bis 100 km/h | 10,2 s |
| Spitze | 198 km/h |
| Norm-Mix (MVEG) | 7,2 l/100 km, Diesel |
| Länge/Breite/Höhe | 457/186/168 cm |
| Ladevolumen | 480–1.560 Liter |




