Eine Grossfamilie mit mehr als fünf Köpfen, aber ohne Lust auf ein wirklich grosses Auto? Klarer Fall für einen siebensitzigen Kompaktvan. Und wenn sich die junge Familie einen Neuwagen nicht leisten kann oder will, darf es auch gern ein guter Gebrauchter sein. Zum Beispiel ein Opel Zafira, der sich mit seinem flexiblen Sitzsystem einen Namen gemacht hat.
Auch die zweite, 2005 eingeführte Generation des Rüsselsheimer Familienfreunds verfügt über das Flex-7-Sitzkonzept, bei dem sich die hinterste Sitzreihe voll versenken und die mittlere nach vorne schieben lässt. Doch es ist nicht nur Nutzwert an Bord. Die Motorenpalette reicht bis zur 240 PS starken OPC-Version, die den Zafira B zum schnellsten Kompaktvan stempelt. Erfreulich ist zudem ein grosses Angebot an Occasionen zu günstigen Preisen.
Doch zuvor gilt es Vorurteile zu überwinden, denn nicht alle Rüsselsheimer haben sich in jüngster Vergangenheit als Meister an Zuverlässigkeit erwiesen. Deshalb tritt ein typischer Kandidat des Gebrauchtwagentests an: ein Opel Zafira 2.2i Enjoy von 2006 mit 71 400 Kilometern, der beim Autohaus Schiess in Hegnau (www.auto-schiess.ch ) zum Preis von 14 980 Franken im Angebot steht – mit Automatikgetriebe, Metallic-Lack und abgedunkelten hinteren Scheiben.
Elastischer Direkteinspritzer
Der 150 PS starke 2,2-Liter-Vierzylinder mit Benzindirekteinspritzung gefällt mit ausreichend Temperament und guter Durchzugskraft, selbst wenn der nicht mehr ganz moderne 4-Stufen-Automat über eher weit gespreizte Fahrstufen verfügt. Entsprechend liegt der Normverbrauch mit 8,2 Litern pro 100 km für heutige Verhältnisse eher hoch.
Im Technischen Zentrum des TCS in Volketswil checkt Prüfstellenleiter Jürg Stauber den Probanden auf Herz und Nieren. Und da bestätigt sich, was die deutschen Statistiken von TÜV und Dekra aus Tausenden von Motorfahrzeugkontrollen dokumentieren: Der Zafira B ist ein Musterknabe im Vergleich zu anderen Opel-Modellen, aber auch verglichen mit seinem Vorgänger. Der litt öfters an verrosteten Auspuff-Endtöpfen, ausgeschlagenen Fahrwerksgelenken an der Vorderachse und Elektronikproblemen.
Des Prüfers scharfer Blick findet nicht einmal Öltropfen an Motor und Getriebe, über Gebühr verschlissene Bremsscheiben oder Spiel an den Spurstangengelenken. Also nichts von dem, was dem Mängelzwerg dann und wann noch angekreidet werden muss.
Überzeugen kann das Occasionsobjekt auch mit einem lückenlos geführten Serviceheft. Seit seiner Erstinverkehrsetzung wurde das Auto von ein und derselben Garage gewartet. "Das ist ein sehr gutes Zeichen", meint Experte Jürg Stauber, "kann diese Garage doch auf Anfrage über alle Vorkommnisse zu diesem Fahrzeug Bescheid geben."
Punktabzüge bei der Kür gibt es für eine etwas laienhaft überlackierte Frontspoiler-Unterkante und diverse Kratzer an den Kotflügeln und an der hinteren Stossstange. Ach ja, und da ist noch die Heckklappenverriegelung, die nur sehr schwergängig schliesst. Ein um den inneren Handgriff gewickelter Spanngummi verrät dem Prüfer, dass dieser Zafira offenbar häufig überlange Lasten transportiert hat – und dass die Heckklappe mit dem Gummi festgezurrt wurde.
"Solche Abnutzungserscheinungen sind typisch für Kompaktvans, die meist als Alltags- und Familienautos eingesetzt werden", erläutert Stauber. Dennoch lobt er die Vorbesitzerfamilie: "Das Auto macht einen gepflegten Eindruck. Nicht einmal Yoghurtflecken finden sich auf den Polstern."
| Zylinder/Hubraum | R4/2198 cm³ |
|---|---|
| Leistung | 110 kW/150 PS bei 5600/min |
| Drehmoment | 215 Nm bei 4000/min |
| Getriebe/Gangzahl | Wandlerautomat/4 |
| Antrieb | Vorderrad |
| 0 bis 100 km/h | 11,6 s |
| Spitze | 190 km/h |
| Norm-Mix (MVEG) | 8,5 l/100 km, Benzin |
| Länge/Breite/Höhe | 447/180/163 cm |
| Ladevolumen | 140–1820 l |
| 1. Inverkehrsetzung | 30.1.2006 |
| Laufleistung | 71.400 km |
| Neupreis | Fr. 35.250 |
| aktueller Preis | Fr. 14.980 |




