Jaguar XJ by Ritter Design: Diesel mit Ritterschlag

Jaguar XJ 3.0 V6 D by Ritter Design

Ritter Design adelt den Jaguar XJ. Dezenter Spoilerkit und mächtiges Schuhwerk verschönern die Optik, ein stärkerer Dreiliter-Diesel sorgt für satte Kraftentfaltung.

Die Katz verlernt das Fauchen nicht. Erst recht nicht, wenn sie von Ritter Design mit Samtpfoten veredelt wird. Denn was gibt es an einem Jaguar XJ noch zu verbessern? Sportlichkeit, Dynamik und Luxus werden ihm doch im Grunde von Haus aus in die Wiege gelegt.

Doch da bleibt noch Platz fürs Ritter-Design. Entwicklung und Produktion der Tuningkits sind unter einem Dach am Firmensitz in Stein AG domiziliert. Gezeichnet, kreiert und produziert vom Boss selbst. Und der verspricht jedem Besitzer eines Ritter-Jaguar ein exklusives Unikat. Und wenn zwei das Gleiche wollen? Dann ist zumindest die Lackfarbe noch unterschiedlich. Garantiert.

Äusserlich legt Ritter beim XJ behutsam Hand an. Fette Spoiler und Schweller sucht man vergebens. Vielmehr sind es die dezenten Frontspoiler-Ecken und die nochmals konturierten Seitenschweller, durch die der Viertürer an Stil und Eleganz gewinnt.

Den bösen Blick verdankt die Limousine einem nachgerüsteten Tagfahrlicht. Für 1200 Franken keine billige Anschaffung, doch dürfte das die Klientel kaum ernsthaft belasten.

Das luxuriös eingerichtete Interieur ist von den Rittersleut dagegen unangetastet geblieben. Erst der Druck auf den Startknopf lässt keine Zweifel mehr am neuen Leistungspotenzial des Dreiliters aufkommen.

Ein tiefer, brummiger Ton entströmt den ovalen Endrohren. Mithilfe eines eigens entwickelten Zusatzsteuergeräts entlocken die Spezialisten dem Sechszylinder nunmehr 325 PS und 600 Newtonmeter. Ein werkseitig vorgeschriebenes Motoren-Update lässt diese Fitnesskur leider bis Tempo 100 nahezu verpuffen. Es lässt keine Tourenzahlen von mehr als 4500/min zu und beschneidet deutlich die Leistungsentfaltung.

So bleibt trotz des Plus von 50 PS nur ein Zehntel weniger auf 6,3 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100. Allerdings lag das Serienmodell im ai-Test in Ausgabe 11/10 mit 7,3 Sekunden deutlich über der Werksvorgabe.

Die Ritter-Stärke liegt damit bei den Mittel- und Langstreckensprints. Schliesslich geht er auch jenseits der 100 km/h immer noch ab wie die Feuerwehr. Gemessen am damaligen Testexemplar gewinnt die getunte Version bis Tempo 160 sieben Zehntel und auf einen Kilometer, mit stehendem Start, sogar zwei Sekunden.

Satte Strassenlage
Der Mixverbrauch des Schwergewichts hält sich mit 9,9 Litern im Schnitt noch in Grenzen. Wird der Dreiliterdiesel jedoch gefordert, genehmigt er sich mehr als 13 Liter. Das ist dann doch etwas arg viel, selbst gemessen an der Leistung. Die Grenze nach unten erfordert schon reichlich Fussspitzengefühl, um weniger als acht Liter Diesel verbuchen zu können.

Keine Einschränkungen sind in Sachen Fahrverhalten vorzunehmen. Um die Mehrleistung effizient auf die Strasse zu bringen, hat sich Ritter über das Fahrwerk und die Bremsen hergemacht. Die elektronische 20-Millimeter-Tieferlegung lässt den Jag straff auf der Strasse liegen. Einzig das mächtige 22-Zoll-Schuhwerk bringt etwas Unruhe ins Auto. Über die Niederquerschnittsreifen werden die Unebenheiten der Strasse direkter übertragen, was zulasten des Komforts geht.
Vorbei ist es ebenfalls mit der seinerzeit von uns bemängelten gefühllosen Lenkung und dem leichten Wanken des Aufbaus. Die Ritter-Abstimmung macht sich vor allem bei schnellen Kurvenfahrten bezahlt.

Direkt und präzis lenkt der XJ ein. Wie auf Schienen marschiert er um die Kurven und liegt satt auf der Strasse. Die 22-Zöller scheinen sich förmlich am Asphalt festzubeissen. Es bedarf provozierter Lastwechsel, um dem Viertürer nur eine Reaktion abzuverlangen.

So kreiden wir der Ritter-Version am Ende den etwas langen Bremsweg an. Die Stopper haben sich zwar als standfest erwiesen, doch fällt die Wegstrecke von 100 auf 0 km/h mit rund 40 Metern aus zehn Messungen zu hoch aus. Eine Reduzierung der Rad-/Reifen-Dimension auf 20 Zoll würde mit Sicherheit zu kürzeren Bremswegen beitragen.

Jaguar XJ 3.0 V6 D by Ritter Design
Preis Tuningpaket Fr. 27'590
Basispreis Fr. 126'500
Zylinder/Hubraum V6/2993 cm³
Leistung (Serie) 202 kW (275 PS) bei 4000/min
Leistung (Ritter) 239 kW (325 PS) bei 4000/min
Drehmoment (Serie) 600 Nm bei 2000/min
Drehmoment (Ritter) 660 Nm bei 4000/min
0–100 km/h (Serie/ai/Ritter) 6,4/7,3/5,9 s
Spitze (Serie/Ritter) 250/280 km/h
Fahrgewicht 2015 kg
Leistungsgewicht (Serie/Ritter) 7,3/6,2 kg/PS
Norm-Mix (Serie) 7,0 l/100 km, Diesel
Kommentare
Bild vergrößern
Jörg Petersen

Autor:

Top Artikel
Ford Mustang Boss 302: Vorsicht, hier kommt der Boss!

Nach mehr als vierzig Jahren ist der Ford Mustang Boss 302 wieder da. Mit einem brüllenden V8.

Ford Mustang Boss 302
Suzuki Swift 1.6 l VVT Sport: Kleine Drehorgel

Der neue Suzuki Swift Sport ist ein gelungener Kompromiss aus Fahr- und Sparspass zum günstigen Preis.

Suzuki Swift Sport
Aktuelle Ausgabe
auto-illustrierte KLASSIK 2/2012
Ausgabe 2/2012 auto-illustrierte KLASSIK - Das Schweizer Heft der Klassiker-Szene