Ferrari FF: Forza Famiglia!

Ferrari FF

Allrad und Kofferraum – ungewohnte Attribute bei einem Ferrari. Mit dem FF wird die Ferrari-Welt um ein familientaugliches GT-Modell erweitert.

Ferrari schlägt ein neues Kapitel auf – Allrad. "Eine Revolution und ein fantastisches Auto", sagt Luca di Montezemolo, seit fast 20 Jahren an der Spitze der Scuderia. Und der sich schon lange ein Alltagsauto von Ferrari gewünscht hat. Darf das überhaupt sein? Ein Alltags-Ferrari? "Wir wollen verschiedene Ferrari für verschiedene Ferraristi anbieten", sagt der Boss. Daher mehr Platz, mehr Kofferraum und mehr Antrieb. Vier Türen? "Nein, nie. Der FF ist das Maximum, was wir uns als Sportwagenfirma erlauben können."

Quadratur des Kreises

Sportwagen und Allrad, das war schon immer ein bisschen die Quadratur des Kreises. Welcher Rennfahrer ist schon gern mit schwerem Gepäck unterwegs? Und welcher Sonntagsfahrer traut sich schon auf die Nordschleife? Beide Pro-bleme löst der neue Ferrari FF. Vorausgesetzt, man hat gerade die 360 000 Franken Einstiegspreis zur Hand.

Vier ausreichende Sitzplätze, 450 Liter Kofferraum und Vierradantrieb zeichnen den FF aus, der ausgeschrieben Ferrari Four heisst. Das italienisch passendere Kürzel quattro war leider schon anderweitig vergeben. Damit wird der FF geradezu familientauglich, selbst wenn zwei Türen fehlen. Der Zustieg nach hinten an den vorgeklappten Sitzen vorbei ist nichts für ältere oder gross gewachsene Mitfahrer. Die Sitze sind zwar bequem, doch für Knie und Füsse bleibt am Ende nicht sehr viel Platz. Da bieten Porsche Panamera und Aston Martin Rapide mehr Komfort, auch als Chauffeurs-Limousine.

Aber man muss wohl davon ausgehen, dass Ferraristi-Papas nicht hinten Platz nehmen wollen. Und falls die Kinder bereits aus dem Haus sind, können die Rücksitze sogar wie in einem Kombi umgeklappt werden für 800 Liter Stauraum. Dort stört dann nicht mal der kantige Tank, der mangels Alternative im Boden etwas hoch zwischen den C-Säulen baut.

Auf die Gewichtsverteilung wirkt sich das nicht negativ aus. Vorn liegen 47 Prozent, weil der längs eingebaute Zwölfzylinder weit hinter die Vorderachse rutscht. Hinten drücken 53 Prozent auf die Achse dank Transaxle-Bauweise und Tank.

Letzterer fasst 91 Liter, das reicht beim Normverbrauch von 15,4 Litern für genau 590 Kilometer. Wer jetzt meint, das sei viel, sei daran erinnert, dass der Vorgänger 612 Scaglietti noch nach 20,5 Litern dürstete. Und nur 540 PS leistete. Da hat Ferrari nachgelegt, auch wenn Sop-Start-Automatik oder Hybrid-Bausteine noch kein grosses Thema sind. Der neue Direkteinspritzer-V12 leistet 660 PS und stemmt schon bei 1000 Umdrehungen 500 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Es braucht wenig mehr als Standgas, um zügig an der Ampel zu starten.

Dabei befleissigt sich der 6,2-Liter-Sauger einer sonoren Tonlage. Die sägt sich erst dann ins Trommelfell, wenn statt der Siebengang-Doppelkupplung der Fahrer selbst per Schaltpaddel in die Zahnräder greift und mit höheren Touren als nötig auf sich aufmerksam macht. Dabei ist der FF an sich schon Hingucker genug.

Wieder einmal hat Hausfreund Pininfarina eine markante und in den Proportionen stimmige Karosserie entworfen. Der mächtige Grill, die hochgezogenen Kotflügel, die ausgestellten Radhäuser – da passt alles zusammen. Gewöhnungsbedürftig ist das Heck im Stile eines Shooting Brake, wie es so ähnlich schon beim BMW Z3 Coupé zu sehen war. So kommen Kopffreiheit und Kofferraumvolumen zusammen.

Ferrari FF
Preis ab Fr. 360.000
Zyl./Hubraum V12/6262 cm3
Leistung 485 kW/660 PS bei 8000/min
Drehmoment 683 Nm bei 6000/min
Antrieb Allrad
0 bis 100 km/h 3,7 s
0 bis 200 km/h 11,0 s
Spitze 335 km/h
Leistungsgewicht 2,7 kg/PS
Norm-Mix 15,4 l/100 km
CO2/Effizienzkat. 306 g/km/G
Länge/Breite/Höhe 490/195/137 cm
Ladevolumen 450–800 Liter
Leergewicht 1880 kg
Markteinführung sofort
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Ulrich Safferling

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