Castelletto di Braduzzo, eine Drift-, Supermotard- und Töffpiste südlich von Pavia (I). Für einmal mein Arbeitsort. Arbeitsgerät: der Abarth 500 R3T. Ein Leichtgewicht, abgespeckt auf 1080 Kilogramm. Mister Abarth Schweiz, Racing-Koordinator Alex Beeler, weist mich in die Geheimnisse des kleinen Giftzwergs ein. Ein wahres Hebelwerk empfängt mich. Neben der Handbremse steht der Schaltknüppel wie ein Tackstock in Griffnähe des kleinen Volants. Er erinnert ein wenig an die Revolverschaltung des R4. "
"Gekuppelt wird nur beim Anfahren. Du reisst die Gänge einfach durch. Ziehen zum Raufschalten, drücken, um runterzuschalten. Und nimm die Hand nur an die Schaltung, wenn du auch tatsächlich schalten willst", erklärt Beeler. "Mach dir nichts draus, wenn du beim ersten Mal den Motor beim Anfahren abwürgst." Ermutigend.
Dino, Besitzer des Fahrzeugs, passt die Position der Sitzschalen meiner Statur an – Bewegungsfreiheit gleich null. Erst recht, nachdem er mich mit Hosenträgergurten heftig verzurrt hat. Ich komme mir vor, als wäre ich in einen Schraubstock eingespannt.
Pilot wird zum Revolverheld
Zündung an, Startknopf gedrückt. Scheppernd, so, als wolle er sagen: "Na, dann fahr mal schön an", meldet sich der 1,4-Liter zu Wort. Und es kommt, wie es kommen muss. Wie ein Volltrottel würge ich den 16-Ventiler beim Anfahren ab. Anfänger! In der Rallye-WP würden mir jetzt schon wertvolle Sekunden flöten gehen. Zweiter Versuch. Mit einem deftigen Gasstoss jage ich den Reihen-Vierzylinder auf 5000 Touren hoch. Aus dem Scheppern wird Gejohle. Lacht der mich schon wieder aus? Na warte! Geht doch! Der Giftzwerg rollt behände an. Kupplung ade, ich werde zum Revolverhelden. Reisse am Hebel den zweiten Gang rein. Raus geht es aus der Box und ab auf die rund zwei Kilometer lange, sehr anspruchsvolle Rennstrecke.
Berg- und Talpassagen, teils blind einzulenkende Kurven erwarten mich und mein Rallye-Geschoss. Bockelhart wird jede noch so kleine Unebenheit im Asphalt ungefiltert auf den Allerwertesten weitergegeben.
Erste Kurve, einlenken, null Grip. Trotz langsamer Fahrt missachtet der Zwerg meine Bremsbefehle. Die Semislicks ringen um Halt. Es geht rigoros geradeaus. Bremse lösen, runter vom Gas, Räder kurz gerade gestellt, nochmals einlenken und rum mit dem Floh. Wäre doch gelacht, wenn ich den nicht gebändigt bekäme.
Zweite Kurve – selbes Schicksal. Wieder verlangt mir der Zwerg alles ab. Auf Samthandschuhen trage ich ihn danach um den Kurs.
Eingespieltes Team
Nach vier Runden haben wir uns aufeinander eingestellt. Runde für Runde baut sich mehr und mehr Grip am Gummi auf. Mein Kamerad und ich harmonieren. Eine echte Männerfreundschaft scheint zu entstehen. Ich werde mutiger. Schalte die Gänge rauf und runter, was das Sechsganggetriebe hergibt.
Fast wie ein Profi. Das bedeutet auch, mit der Handbremse um Spitzkehren zu driften! Also, Versuch macht klug. Auto anstellen, Bremshebel gezogen, und per hydraulischen Befehl blockieren die Räder an der Hinterachse. Plötzlich wird aus dem Zwerg ein Biest. Innerhalb einer Zehntelsekunde habe ich den während fünf Runden aufgebauten Vertrauensbonus verspielt. Der Giftzwerg hängt ab, dreht sich um seine Achse. Ich bin nur noch Passagier, gehe für die Notbremsung voll in die Eisen. Nix passiert bis auf den Adrenalinschock.
Rennkalender
Trofeo Abarth 500, Rally Europe 2011
- 15./16. 4. Rally Mille Miglia (I)
- 29./30. 4. Critérium Jurassien (CH)
- 27./28. 5. Rallye du Chablais (F)
- 25./26. 6. Rally Appennino Reggiano (I)
- 2./3. 9. Rallye du Mont Blanc (F)
- 23./24. 9. Rally San Remo (I)
- 15./16. 10. Rallye Antibes Côtes d’Azur (F)




