Porsche Sports Cup Suisse: Fein abgestimmt

Porsche Sports Cup Suisse

Premiere für Redaktor Jörg Petersen. Im Cayman R tritt er diese Saison in der Porsche Drivers Challenge an. Der Auftakt in Mugello endete vielversprechend mit dem vierten Platz.

Mugello, Lédenon, Le Castellet, Dijon, Imola, Magny-Cours. Circuits – das sind meine Läufe bei der diesjährigen Porsche Drivers Challenge. Und ich hab den härtesten Gegner – mich selbst. Denn in der Challenge gibt es kein Rennen Mann gegen Mann, sondern gegen die Uhr. Gegen meine eigene Zeit aus einer Referenzrunde, die von der Rennleitung kurz vorm Start festgelegt wird. Ich erfahre sie erst, sobald ich mit meinem giftgrünen Porsche Cayman R vom Gleichmässigkeitsritt zurück in der Box bin. Mein Arbeitsgerät. 330 PS und 370 Nm stark. Serienmässig auf Leichtigkeit getrimmt, bestückt mit Schalensitzen, Schaltwegverkürzung, Sportfahrwerk und -auspuff. Dazu 19-Zöller, besohlt mit Michelin Pilot Sport. Strassenbereifung. Alles Serie oder optional erhältlich und getreu der Porsche-Devise: Direkt runter von der Strasse und rauf auf den Racetrack!

Berg-und-Tal-Bahn
In Mugello wartet vor dem Start die Papier- und Lizenzabnahme auf mich. Startnummern und Werbeaufkleber müssen beispielsweise reglementskonform angebracht sein. Danach reicht die Zeit für das letzte freie Training des Tages. Rolf Lüönd, einer von vier Mechanikern des Porsche Zentrums Zug und zuständig für die Betreuung meiner «Flotten Lotte», reduziert den Pneudruck auf 2,1 bar. «Fahr vier Runden und komm dann rein, damit wir eventuell nachkorrigieren können.»

Neun Rechts- und sechs Linkskurven warten auf mich. Ein hügeliger, anspruchsvoller Kurs. ESP an, Sport-Modus aus. Alles bleibt drin, um die Strecke zunächst in Ruhe zu studieren.

Mit mächtigem Getöse marschiert der Cayman los. Spitzkehre San Donato am Ende der Zielgeraden. Untersteuern. Ich merke wenig von den Fliehkräften, bin in den Schalensitzen eingespannt wie in einem Schraubstock. Hosenträgergurte könnten das noch abrunden.

Bergauf, ab in die erste Schikane und weiter Richtung Materassi in die zweite Schikane. Der Cayman schiebt brutal über die Vorderräder. Zufahrt auf Casanova, vierter Gang, runterschalten in die dritte Welle und ab ins Loch. Savelli, vierter, fünfter Gang, Arrabiata 1, vierter Gang, bergauf Richtung Arrabiata 2, runterschalten ins vier und drei. Klappt prima.

Dann passiert’s. Verschalter. Das sind die Tücken der Schaltwegverkürzung. Der kurze Hebel will sauber geführt werden. Die Drehzahlen sinken in den Keller. Es sollte nicht der letzte Verschalter sein. In der Kurve vor Start/Ziel ereilt mich das Schicksal nochmal. Lieber jetzt als im Wertungslauf, dann kostet das bitter Zeit.

Nasse Rutschpartie
Drei Runden später steuere ich die Box an. Rolf wartet schon. Aus 2,1 sind 2,8 bar geworden. Raus mit der überschüssigen Luft und zurück auf 2,1 bar. Wieder ab auf die Piste. Das Untersteuern nimmt ab. «Komplett kriegst du das nicht weg, ein Rest bleibt», erklärt Rolf nach der Ankunft. «Es sei denn …» Er stutzt, ich spitz die Ohren. «Es sei denn, wir machen morgen die Spur vorne auf. Aber nur im Trockenen.» Ob es das bringt?

Neues Spiel, neues Glück am nächsten Tag. Fahrzeugabnahme. Helm, Bremse, Lenkung, Sicherheitsgurte werden nach Reglement kontrolliert. In der Box macht sich Rolf über den Cayman her und öffnet die Spur, spreizt über die verstellbaren Spurstangen die Räder im Geradeauslauf auseinander.

Raus zum ersten von fünf freien Trainings. Der Cayman weist ein komplett anderes Fahrverhalten auf. Er schiebt jetzt sanft über alle Räder und ist gut beherrschbar. Die Zeiten werden schneller, ich übermütiger. Die Rechnung bekomme ich im letzten freien Training. Ein Verbremser in der letzten Runde führt recht nah ans Kiesbett. Schwein gehabt und den Mechanikern eine Nachtschicht erspart.

Der Tag der Wahrheit naht – und es regnet. Von Stunde zu Stunde mehr. Wie rohe Eier tragen die Piloten ihre Porsche um den Kurs, denn es ist rutschig ohne Ende. Platz 10 springt für mich im Qualifying heraus.

Die Startaufstellung folgt in der Boxengasse. Einzeln und mit drei Sekunden Abstand werden die 18 Fahrzeuge gestartet. Taktisches Fahren ist angesagt. Vor mir balgen sich ein Turbo S und ein GT3. Sicht fast null, die reinste Rutschpartie.

Ich halte mich zurück. Will mir meine Zeiten nicht kaputt machen, viel Raum zum Probieren bleibt nämlich nicht. Nach acht Runden ist Schluss, und ich lande auf Platz 4. Luft nach vorn ist noch dicke. Doch die soll schon beim nächsten Lauf in Lédenon dünner werden.

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Jörg Petersen

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