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SAAB 96 MONTE CARLO 850

Saab 96 Monte Carlo 850

Auf Eriks Spuren

Zweimal hintereinander gewann Erik Carlsson 1962/63 mit dem Saab 96 die Rallye Monte Carlo, 1960-63 gar dreimal die RAC-Rallye. Ein Sportmodell der rundlichen Limousine mit dem schnatternden Zweitakt-Motor wurde danach benannt.

Rämbämbämbäm – fröhlich schnattert der kleinvolumige Zweitakt-Motor vor sich hin, ein blaues Räuchlein als Duftmarke hinter sich her ziehend. Gar nicht so einfach, das Gas zu dosieren, damit der Dreizylinder nicht rupft und die Fuhre in Bocksprünge versetzt. Das Rezept heisst: Immer schön feste drauf, dann geht die Post auch mit nur 55 PS ganz anständig ab. Dabei lässt sich der leichte Fronttriebler handlich durch die Wechselkurven wedeln - wir fühlen uns ein bisschen wie Erik Carlsson, der unter anderen mit zwei Siegen bei der Rallye Monte Carlo und deren drei bei der RAC-Rallye Anfang der 60er-Jahre der sportlichen Karriere des Saab 96 die Krone aufgesetzt und damit auch dem von uns hier gefahrenen Sportmodell zu seinem wohlklingenden Beinamen verholfen hat.

Saab 96 Monte Carlo 850 von hinten

Dass der knuffige Schwede aber als eines der sportlich erfolgreichsten Modelle aller Zeiten in die Annalen eingegangen ist, hat er nicht nur den Spitzenplatzierungen des Werkteams bei Rallye-WM-Läufen zu verdanken, sondern vor allem unzähligen Siegen von Privatfahrern in nationalen und internationalen Rallyes  und Tourenwagenrennen mit zumeist nur unwesentlich modifizierten Fahrzeugen. Dabei sind der Saab 96 und seine direkten Vorgänger 92 und 93 ja gar nicht primär für den Sporteinsatz konzipiert worden, sondern in erster Linie als zuverlässige Alltagsautos.

Bereits der zweizylindrige Saab 92 (764 cm/28 PS) war Anfang der 50er-Jahre in nationalen Wettbewerben positiv aufgefallen, den internationalen Durchbruch schafft dann der 1956 lancierte dreizylindrige Saab 93 (748 cm/33 PS), der sich optisch durch die «Bullnose»-Front vom Vorgänger unterscheidet: Er siegt bei der Great American Mountain Rallye, was der Marke Saab enormes Prestige in den USA verschafft. Und im Werk in Trollhättan ist Motorsport nun auf einmal ein Thema. Die Belegschaft der Rennabteilung wird von zwei auf fünf (!) Mitarbeiter aufgestockt.

Saab 96 Monte Carlo 850 Steuerrad mit Vordersitzen

Auch die Produktionskapazität wird massiv erhöht, und 1959 mit der Kombiversion 95 ein zweites Modell ins Programm aufgenommen. Der Kombi nimmt bereits Verbesserungen vorweg, welche ein Jahr später auch der Limousine zugute kommen. Der Zweitürer heisst nun Saab 96. Er behält die «Bullnose» seines Vorgängers bei, unterscheidet sich aber im Heckbereich deutlich und verfügt über vorne angeschlagene Türen. Der Dreizylinder-Zweitakter weist 841 cm auf, leistet 38 PS und sollte -  dank 12 Stehbolzen - die früher häufigen Probleme mit der Zylinderkopfdichtung überwunden haben. Das neue Vierganggetriebe bleibt vorerst dem Kombi und der Sportversion GT 750 vorbehalten.

Der GT 750, den es auch schon vom Vorgängermodell gab, erhält anfangs noch den kleineren, wenngleich immerhin 45 PS starken Motor, bevor er 1962 zum GT 850 mutiert und dann 52 PS leistet. Als Besonderheit erhält er dann eine Frischölschmierung mit separater Pumpe und Öltank, die das Tanken von Treibstoff-/Ölgemisch überflüssig macht. Gebremst wird mit Scheiben an der Vorderachse, ab 1964 sogar via Diagonal-Zweikreis-Bremssystem, das Saab als erster Hersteller verbaut.

Saab 96 Monte Carlo 850 Motor, Interiereur und schon Sicherhetisgurte

Es ist die Zeit der grossen Rallye-Erfolge, und die sollen nach der umfassenden Modellpflege am Saab 96 im Jahre 1965 gewürdigt werden: Der GT850 heisst neu Monte Carlo 850. Und die ganze Modellreihe hat ein Facelift erhalten: Die «Bullnose» ist einer geraden Front gewichen, die Motorhaube reicht nicht mehr bis zur Stossstange hinunter. Der Wasserkühler ist vor den Motor gewandert, was eine Verlängerung des Überhangs zur Folge hat. Und mit einem verbesserten Solex-Dreifachvergaser leistet der Monte Carlo nun 55 PS.

Technische Daten

SAAB 96 MONTE CARLO 850

Preis anno 1965

Fr. 11 700

Marktwert heute* Fr. 14 000
Produktionszeit 1965-67

Stückzahl

keine Ang. (total Saab 96: 547 221)

Zyl./Hubraum R3/841 cm³

Leistung

55 DIN-PS bei 5000/min

Drehmoment

91 Nm bei 3800/min

0 bis 100 km/h

19,3 s

Spitze

150 km/h 

Norm-Mix

7,3 l/100 km Benzin

Motor

Prinzip

Zweitakt-Motor

Schmierung Frischöl, separater Tank

Gemisch-

aufbereitung

3 Fallstrom-

vergaser Solex 34W2

*gemäss EurotaxGlass's InterClassic, Zust. 2

**Werksangaben für USA

Geradezu italienisch mutet das Flair im Interieur an: ein dreispeichiges Holzlenkrad, zweifarbige Polster, ein komplett instrumentiertes Cockpit. Und zur Serienausstattung gehören bereits  einfache Sicherheitsgurte sowie höhenverstellbare Kopfstützen. Erst auf den zweiten Blick entdecken wir weitere Details: Getränkehalter im ausgeklappten Handschuhfachdeckel, einen Seilzug zum Schliessen der Kühlerjalousie bei winterlichen Temperaturen oder der Freilauf, der das Hochdrehen des ohnehin kaum Bremswirkung erzeugenden Zweitakters bergab vermeiden lässt.

Die Tage des Zweitakters sind allerdings gezählt. Ab 2. August 1966 wird der Saab 96 mit einem 1,5-Liter-V4 von Ford ausgerüstet und bleibt bis 1980 in Produktion. Trotz mehr Leistung kann sich der 96 V4 bei internationalen Rallyes aber nicht mehr so souverän in Szene setzen. Das liegt aber weniger daran, dass der  Viertakter frontlastiger und damit weniger handlich zu fahren ist, als vielmehr, dass ohne massives Werksengagement keine Blumentöpfe mehr zu gewinnen sind. Die Zeiten, als Idealisten wie Erik Carlsson noch selbst auf Achse von Schweden zur «Monte» und zur Akropolis-Rallye nach Griechenland fuhren oder eine Safari-Rallye in Kenia ohne Luftunterstützung auf dem zweiten Platz beenden konnten, die sind vorbei.

Christof Gonzenbach

 

Saab 96
KÖNIGE IM SCHNEE Erik Carlsson und Beifahrer Gunnar Palm mit dem Saab 96 am Col de Turini auf ihrer Siegesfahrt anlässlich der Rallye Monte Carlo 1963. Damals waren die Rallye-Fahrzeuge noch klar seriennäher als heute; der Dreizylinder-Zweitakter leistete im Renntrimm rund 80 bis 85 PS.

 

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