• Jetzt Newsletter abonnieren!
    Sie erhalten wichtige News in kurzer und knackiger Form.
  • Die Sommer-Neuheiten!
    Für jeden Geschmack etwas dabei!
  • VW Arteon
    VW stösst ins Premiumsegment vor!
McLaren 675LT

DAMPF OHNE ENDE

Schritt für Schritt baut McLaren seine Sportwagenpalette wie aus einem Baukasten auf. Der neue 675LT bietet genauso viele Pferdestärken. Können die Kunden da noch mithalten?

Nur vom Anschauen fährt einem schon eine wohlige Hühnerhaut den Rücken herunter. Alleine die Vorstellung, dass der an sich schon beeindruckende 650S noch eine Steigerung erfahren kann, ist daran schuld. Es sind indes nicht nur ein paar Mehr-PS, die dem McLaren 675LT seinen Reiz verleihen: «Es gibt nicht eine grosse Verbesserung, die den Unterschied ausmacht. Es ist die Summe vieler Kleinigkeiten », schwelgt Produktechef Mark Vinnels. Allein im Antriebsstrang wurden sieben Kilogramm eingespart. Die neuen Pleuel aus einer Stahl-Aluminium-Legierung wiegen lediglich 474 Gramm.

Weniger bewegte Masse gibt dem Motor ein direkteres Ansprechverhalten. Ausserdem wurden der Turbolader und viele weitere Komponenten überarbeitet: «Rund die Hälfte der Teile sind neu. Die Leistungssteigerung ist also weit mehr als nur eine Elektronik-Optimierung», so Vinnels. Beim Blick auf die kunstvoll überkreuzte Titan-Abgasanlage, die sich so hübsch blau verfärbt, wenn der McLaren artgerecht bewegt wird, mag man das sofort glauben. Und eingedenk der Symphonie, die sie gen Himmel schickt, mal sowieso.

Insgesamt sparten die Ingenieure im Vergleich zum 650S rund 100 Kilogramm Gewicht ein. Das nur rund 80 Kilogramm leichte Karbon-Monocoque kommt hier wie da zum Einsatz. Drumherum ist aber vieles neu.

Wenn beim Ausgangsmodell die Haube bereits aus nur 0,9 Millimeter dünnem Aluminium gefertigt wurde, braucht es schon einiges, um noch mehr Gewicht zu sparen. «Eine Haube aus Karbon konnten wir wegen der Fussgängerschutz- Vorschriften nicht verbauen. Aber Front- und Heckschürze sind komplett aus Kohlefaser », erklärt Vinnels. Auch der neue Heckspoiler, der dem 675 seinen Beinamen «Long Tail» beschert. Obwohl 50 Prozent grösser als beim 650S, wiegt er deutlich weniger. Keramikbremsen und ultraleichte Alufelgen sparen weitere wertvolle Gramm.

Nun aber genug Technik. Ein Sportwagen lebt schliesslich nicht nur von Zahlen. Er lebt auch von Gefühl und Emotion. Flügeltür auf, über den Karbonschweller klettern und Startknopf drücken! Mit einem heiseren Schrei erwacht der 3,8-Liter-Mittelmotor. Durch die straffen Schalensitze vermittelt er eine Spur mehr Vibrationen an den Fahrer als gewohnt; wie sich das für einen reinrassigen Sportler eben gehört. Einmal in Bewegung, überrascht das Leichtgewicht auf den ersten Metern vor allem mit seinen Manieren. Federn und Dämpfer agieren zwar straff, doch auch beim 675 fehlen die fixen Querstabis, um den Rädern genügend Freiraum zu geben, um auf Unebenheiten zu reagieren. Das hydraulische Ausgleichssystem, das diagonal auf gegenüberliegende Räder wirkt, bietet einen weiteren Vorteil: «Wir sparen uns so das Gewicht für ein zusätzliches mechanisches Sperrdifferenzial. Die Hinterachse baut so viel Grip auf, dass leichte Bremseingriffe vollends genügen», so Vinnels.

Zeit, das Biest von der Leine zu lassen. Natürlich auf der Rennstrecke in Silverstone, denn auf der Strasse wäre das Limit des 675 LT nur zu erahnen. Im Sportmodus unterbricht die Elektronik die Zündung beim Schalten, was jedes Mal einen satten Knall erzeugt. Aber nicht nur das bringt den Fahrer zum Grinsen. Das ESP lässt sich nun separat in drei Stufen regeln; der Sportmodus bietet genügend Freiraum und greift nur ein, wenn es wirklich nötig ist. Um in diesen Bereich zu kommen, muss man den LT schon verdammt schnell um die Kurve werfen, was auf den ersten Runden durchaus passieren kann: Wenn 675 PS auf nur 1230 Kilogramm treffen, dann schrumpfen die Geraden zu kurzen Zwischenstücken. Man muss sich an die extreme Beschleunigung, die brachiale Geschwindigkeit und den enormen Grip Stück für Stück herantasten und dabei alle Sinne beisammen halten. So schwer das auch fällt. Dabei hilft die präzise Rückmeldung der leichtgängigen Lenkung genauso wie das vorhersehbare Handling.

Jedes Zucken lässt sich bei diesem Präzisionsgerät logisch erklären. Und auf Wunsch zeichnet seine Telemetrie jede Bewegung auf. Beste Unterstützung auf dem Weg zum Rennfahrer – für die 500 Glücklichen, die sich den limitierten Traum sichern konnten.

McLaren 675LT V8-Turbobenziner

Preis ab 333'000 Fr. (ausverkauft)
Hubraum 3799 cm3
Leistung 496 kW/675 PS
Drehmoment 700 Nm bei 5500/min
0 bis 100 km/h 2,9 s
Spitze 330 km/h
Norm-Mix 11,7 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 275 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4546/2095/1188 mm
Leergewicht 1230 kg
Ladevolumen 144 l

Philipp Aeberli sagt:

"Der 675LT ist derart präzise und schnell, dass Zweifel wohl eher am Fahrer aufkommen können. Tortzdem wirkt der Brite ermutigend und niemals frustrierend. Die Elektronik hilft, sich an die Grenze ranzutasten, und der Titanauspuff füllt die Ohren mit Glücksmomenten. Das Erstaunlichste: Der Sportler bleibt langstreckentauglich."

Newsletter abonnieren
05 Okt 2015