Aston Martin Vantage

Weltpremiere einer Legende

Die Neuauflage des Aston Martin Vantage erblickt das Licht der Öffentlichkeit! Die ai-Leser können aber nicht nur das Auto von innen und aussen sehen, sondern bekommen auch erste Eindrücke von einer Mitfahrt im getarnten Prototypen vom letzten Winter in Schweden.

Vantage! Der Name ist legendär. Er stand erstmals 1951 für eine besonders sportliche Version des DB2, danach wurde er immer wieder in unregelmässigen Abständen verwendet. Seit 2005 ist der V8 Vantage quasi das Einsteigermodell in die Aston-Martin-Welt. Genau dieser «kleine» Aston wird jetzt erstmals ersetzt. Die Erwartungen sind hoch. Ob sie erfüllt werden? 

Leicht aggressiv statt klassisch 

Auf den ersten Blick erfreut sich das Auge an der sehr gelungenen, sportlichen Grundform, die zwar dem Vorgänger ähnlich geschnitten ist, aber wesentlich leichtfüssiger wirkt. Was auf den zweiten Blick auffällt, sind die auffälligen und aggressiver gestalteten Elemente an Front und Heck. Der filigrane Kühlergrill verschmilzt mit den unteren Lufteintritten zu einem recht auffälligen Ganzen. Im Heck wird die Wagenunterhälfte vom ausgeprägten Diffusor dominiert. Das ist schon eine andere Aussage, als man sie vom Vorgänger kennt. 

Den gleichen Eindruck hinterlässt auch das Interieur. Es unterscheidet sich formal radikal vom Vorgänger und auch vom DB11 und orientiert sich an den ebenfalls nicht gerade «aufgeräumten» Vorbildern von McLaren oder Lamborghini. Jüngere Käuferschichten wird die optische Dynamik gefallen, die konservativeren Semester dürften eine gewisse Angewöhnungszeit brauchen oder greifen eher zum bekömmlicheren DB11.

Beeindruckend sicher und dynamisch

Die auto-illustrierte ist im letzten Februar zu abschliessenden Testfahrten mit einem als DB11 getarnten Prototypen in Nordschweden unterwegs gewesen. Auch wenn man uns nicht ans Steuer des millionenteuren Einzelstücks lässt, ist doch die Mitfahrt mit einem Testfahrer, der den Wagen nun schon tausende von Kilometern begleitet hat, sehr eindrücklich. Die Exkursion findet nämlich nicht auf asphaltierter Piste, sondern auf einem zugefrorenen See, später auf einer abgesperrten Bergstrasse, statt. Die Ingenieure um den legendären Ex-Lotus-Fahrwerksguru Matt Becker wollen uns beweisen, wie alltags- und damit winterferientauglich der Neuling ist.  

Dieser Beweis ist mehr als gelungen. Beispielsweise das Anfahren am vereisten Berg mit unterschiedlich griffigen Belägen links und rechts. Das Heck wedelt kurz, dann verteilen sich die Kräfte selbsttätig so auf die angetriebenen Hinterräder, dass der Vantage langsam aber stetig den Berg hoch beschleunigt — ohne Spikes oder Ketten, nur mit normalen Winterreifen.

Auch auf einem Slalomparcours auf dem Schnee, später auf einer engen Bergstrasse, ist der Vantage nicht aus der Ruhe zu bekommen. Das Torque Vectoring System «weiss» sehr genau, wieviel Gas es annehmen darf, das ABS und ESP wiederum bremst die Räder vorher so ein, dass eine saubere Balance entsteht und die Fuhre zügig, aber sicher um die Kurve kommt — ohne, dass der Spass ebenfalls eingebremst würde. Denn der Vantage hat ein sehr lebendiges und dynamisches Wesen, das endlosen Fahrspass verspricht; notabene ganz ohne Allradantrieb. 

Am Sound wird noch gefeilt

Was uns noch nicht gefällt, ist der stark nach AMG klingende Sound des aus dem AMG GT stammenden Vierliter-Biturbo-V8 mit 510 PS. Aber Matt Becker verspricht, dass die Soundingenieure ihm die Flötentöne noch beibringen werden. Über den Rest muss man nicht viel sagen, Aston Martin hat sich stark perfektioniert, und dank der Zusammenarbeit mit AMG stehen auch die modersten Infotainment- und Connectivity-Systeme aus dem Daimler-Konzern bereit. Aber die wird man kaum brauchen, denn der Vantage ist auch so schon unterhaltsam genug. Aber wir hätten ihn uns doch einen Hauch klassischer gewünscht … 

Text: Stefan Fritschi

Fotos: Aston Martin, Max Earey

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20 Nov 2017