VW T-Roc

Der sportliche Cousin

Der T-Roc ist die emotionalere Art, einen SUV zu fahren. Sportlichere Proportionen, niedrigere Silhouette und peppigere Details als beim Tiguan sollen frischen Wind in die VW-Modellpalette bringen. Ein erster Probegalopp mit dem Crossover zeigt, ob die Rechnung aufgeht.

Es ist tatsächlich eine Kalkulation, deren Ergebnis schwer vorhersehbar ist. Dass der neue T-Roc sich gut verkaufen wird, steht ausser Frage. Aber auf Kosten von Golf und Tiguan? Verdient der VW-Konzern mit ihm nicht Geld, das er anderswo wieder verliert? Gehen wir mal davon aus, dass Wolfsburg die Hausaufgaben gemacht hat…

 

Der T-Roc ist in „freier Wildbahn“ ein sehr erfreulicher Anblick. Die grossen Räder, die für VW ungewöhnliche Dachaufteilung und die Kombination aus schwungvollen und straffen Karosserielinien sorgen für einen ebenso selbstbewussten wie frischen Auftritt. Das einzige, was irritiert, sind die schwarzen Luftauslass- und -einlassattrappen vorn und hinten sowie die „blinden“ Auspuffblenden. Das hätte man seriöser lösen können.  

Hochsitz

Das Entern der vier, notfalls fünf Plätze erfolgt dank weit öffnenden Türen und grosser Bodenfreiheit einfacher als beispielsweise beim Golf. Vorn gefallen die sehr komfortablen Sitze. Die Übersicht nach allen Seiten ist sehr gut, und das Cockpit präsentiert sich ebenfalls aufgeräumt und mit einer sehr guten Mischung aus direkt ansteuerbaren Funktionen und anderen, die in Untermenüs eingestellt werden müssen. 

Optisch machen die glatten, optional lackierten Dashpads mit Chromumrandung einen sehr hochwertigen Eindruck, auch die aufwendig ausgeführte Mittelkonsole gefällt dem Auge. Leider besteht aber der gesamte Instrumententräger aus ungeschäumtem Kunststoff, der zwar gut verarbeitet und schön anzusehen, aber nicht angenehm anzufassen ist. Gut, man darf sich die Frage stellen, ob man den Grundkörper der Schalttafel je berührt. Das macht man aber auf jeden Fall mit der Türtafel, und die ist ebenfalls hart. Die speckige Narbung der Türzuziehgriffe sollte zudem überarbeitet werden. 

Im Fond sitzen auch grosse Staturen sehr gut. Der Beinraum ist recht grosszügig. Aufgrund der Coupéform könnte man auf einen verminderten Kopfraum schliessen, aber das ist nicht der Fall. Und auch der 445 bis 1290 Liter grosse Kofferraum ist recht grosszügig. Allerdings setzt die flach liegende Heckscheibe allzu quadratischen Gegenständen Grenzen. Dazu ist auch die Ladekante bauartbedingt nicht besonders niedrig.

Sportlich-straff

Unser Testfahrzeug wird vom Topbenziner 2.0 TSI mit 190 PS und über ein Siebengang-DSG angetrieben. Bei schlechter Strasse schaltet sich der 4Motion-Allradantrieb per Lamellenkupplung hinzu. Der Motor treibt den T-Roc mächtig nach vorn, Leistungsnotstand entsteht in keiner Lebenslage, obwohl knapp 1,5 Tonnen Leergewicht bewegt werden müssen. Zwar ist das DSG in Bezug auf die Schaltstufen sauber abgestimmt, nicht aber, was das leichte Ruckeln bei gewissen Lastwechseln anbetrifft. Das ist immer noch da.  

Die Abstimmung der elektrisch verstellbaren Dämpfer ist bereits im Normalmodus recht straff, die Federung ist sehr gut, aber auch recht trocken, was nicht zuletzt auf die mit nur wenig dämpfendem Gummi gesegneten 19-Zoll-Felgen zurückzuführen ist. Der jugendlichen Zielgruppe wird es gefallen, wobei nicht vergessen werden darf, dass auch ältere Herrschaften zum T-Roc greifen werden. Das Fahrwerk überzeugt durch ein sehr agiles Fahrverhalten, der Wendekreis ist klein, die tolle Übersichtlichkeit und die kompakten Aussenmasse sorgen für stressfreie Fortbewegung auf kurzen und langen Strecken.

Die Preisliste startet bei 24.900 Franken für den 1.0 TSI mit 115 PS und Frontantrieb. Der 1.5 TSI mit 150 PS hat ebenfalls Frontantrieb, Allrad wird hier ab Juni 2018 lieferbar sein. Nur mit Allrad gibt es hingegen den 2.0 TSI mit 190 PS ab 38'350 Franken. Bei den Selbstzündern heisst die Eingstiegsmotorisierung ab Februar 2018 1.6 TDI mit Frontantrieb. Den 2.0 TDI 4Motion mit 150 PS gibt es schon jetzt ab 37'250 Franken, die 190-PS-Variante folgt im Februar 2018.

Text: Stefan Fritschi

Fotos: Volkswagen

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06 Nov 2017