Kia Stinger

Der Stachel sitzt

Kia hat ein neues Flaggschiff. Mit dem Stinger wollen die Koreaner der Konkurrenz um BMW 4er und Audi A6 die Kunden abspenstig machen.

Wir blicken in offene Münder und Augen der Mallorciner, als wir im Stinger (deutsch Stachel) an ihnen vorbeifahren. Ob der coupéhaften Linien und dem sportlichen Outfit wissen sie ihn im ersten Moment nicht so recht einzuordnen. Ja, das ist wirklich ein Kia. Und die Koreaner haben sich Zeit gelassen, um ihn auf die Strasse zu stellen. Rund sieben Jahre hat es gedauert, bis er die Serienreife erlangte.

 

Komplett ausgestattet

Doch das Warten hat sich gelohnt. Mit schnittiger Karosserie, sportlicher Front und Heckdiffusor tritt er selbstbewusst auf. Das trifft ebenfalls auf das Interieur zu. Hier findet sich alles was es zum entspannten Reisen braucht. Und das Schöne: Es ist für unglaubliche 57'950 Franken (!) alles, aber wirklich alles serienmässig. Einzig für die Metallic-Farbe werden 890 Franken fällig. Qualitativ hochstehend verarbeitet sind die Sitze mit Leder bezogen. In der recht ausladenden Mittelkonsole findet sich unter anderem der Menu-Drehknopf für die fünf Fahrmodi Smart, Eco, Comfort, Sport und Sport+. Übersichtlich angebracht, wie alles im Stinger. 

Schön, dass selbst die Mitreisenden im Fond noch bequem sitzen können – das trotz der abfallenden Dachlinie. Hinter ihnen erwartet sie ein Laderaum, der mit in jedem Fall ausreichenden 406 bis 1114 Liter Stauvolumen aufwartet.

Und wie fährt sich der rund zwei Tonnen schwere Fünftürer? Ausgezeichnet! Obgleich festzuhalten ist, dass man sich ein wenig mehr Sportlichkeit erwartet. So wünscht man sich beispielsweise vom Achtstufen-Automaten etwas mehr Spontaneität. Die kann man allerdings herstellen, indem per Schaltwippen am Lenkrad die Wellenwechsel vorgenommen werden.

Starker Sechszylinder

Ansonsten ist der 3,3-Liter-V6, dem einzigen im Angebot stehenden Aggregat, von der ersten Drehzahl an voll da. Mit seinen 370 PS und 510 Nm Drehmoment ist man bestens bedient. Gerüstet aber auch, um den Sprint auf 100 km/h in 4,9 Sekunden zu absolvieren. Die Spitzengeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 270 km/h an. Die der Konkurrenz liegt zumeist bei 250 km/h. 

In Sachen Fahrverhalten muss der Allradler den Vergleich nicht scheuen. Der von Magna stammende Antrieb lässt den Koreaner willig um die Kurven wetzen. Eingangs noch leicht untersteuernd und am Kurvenausgang mit einem leichten Heckschwung. Allerdings ist man immer Herr der Lage. Nicht zuletzt dank der variabel übersetzten und präzis arbeitenden Lenkung. Und im Geradeauslauf bietet er Langstreckenkomfort, der ansonsten bei den Koreanern seinesgleichen sucht.

Kurz: Kia hat ganze Arbeit mit dem Gran Tourismo geleistet. Die Konkurrenz wird sich ob des guten Preis-/Leistungsverhältnisses warm anziehen müssen. Erst recht, da er mit der extrem umfangreichen Serienausstattung keine Wünsche offenlässt – wirklich keine. Überzeugen kann man sich vom neuen Top-Modell ab Ende Jahr, wenn die ersten Stinger in die Schweiz rollen.

Text: Jörg Petersen

Fotos: Kia

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11 Okt 2017