Hyundai i30N

Den GTi im Visier

Hyundai hat sich Grosses vorgenommen. Der i30N soll die Riege der sportlich Kompakten um VW Golf GTI & Co. ordentlich aufmischen. Und das zu einem Schweizer Kampfpreis ab gerade mal 36'990 Franken.

Die spinnen die Koreaner, mag manch einer denken, der sich vorstellen muss, dass sie durchaus in der Lage sind, einen sportlichen Kompakten auf die Räder beziehungsweise Strasse zu stellen. Erst recht, wenn N für Nürburgring im Schriftzug steht. Dem Ort, wo im 2013 gegründeten Test-Center die sportlichen Modelle auf Herz und Nieren gecheckt und entwickelt werden. Im Haifischbecken der sportlich Kompakten warten schliesslich so arrivierte Konkurrenten wie der VW Golf GTI, Honda Civic Type R oder Renault Megane R.S..

 

Klotzen, nicht kleckern

Und mit denen soll es der i30N aufnehmen? Das Rüstzeug dafür bringt er jedenfalls mit. Um die Vormachtstellung des GTI gleich zu knacken, wird man den i30N in der Schweiz ab November nur in Verbindung mit dem Performance-Package zu den Händlern rollen lassen. Heisst: 275 PS, Sperrdifferenzial, 19-Zöller, Sportauspuff mit Klappensteuerung und Sportsitze sowie Aerodynamik-Kit zu einem Kampfpreis von gerade mal 36'990 Franken. Auf die 25 PS kleinere Einstiegsvariante verzichtet man von vornherein.

Ein Preis, der jeden GTI-Fan hellhörig werden lassen sollte. Erst recht, wenn er erfährt, dass der Koreaner auch die in ihn gesetzten Erwartungen vollumfänglich erfüllt. Dazu hat man alle Register gezogen. Riesige Tasten am Lenkrad beherbergen die fünf Fahrmodi Eco, Normal, Sport und N sowie eine frei programmierbare Einstellung. Ganz nach Gusto des Piloten haben sie Einfluss auf die Charakteristik der Stossdämpfer, des Motors, der Stabilitätskontrolle, Lenkung, den Sound des Klappenauspuffs sowie die Wirkung des Sperrdifferenzials.

Kurvenkünstler

Auf dem Circuit von Vallelunga nahe Rom stellte der Koreaner sein ganzes Können jedenfalls eindrücklich unter Beweis. Der Zweiliter-Turbo macht mit seinen 275 PS/353 Nm (mit Overboost 378 Nm) kurzen Prozess mit dem rund 1500 Kilo wiegenden Fünftürer. Ab der ersten Drehzahl ist er hellwach und gönnt sich noch nicht mal den Hauch einer Anfahrschwäche. In gerade mal 6,1 Sekunden ist Tempo 100 pulverisiert. Auf geht’s gen Vmax, die bei 250 km/h endet. All das erledigt der i30N so souverän, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Das gilt ebenfalls für das Fahrverhalten. Mit wahnsinniger Querbeschleunigung marschiert er gutmütig durch die Kurven, lässt einen bereits am Scheitelpunkt mit Vollgas herausbeschleunigen ohne dabei die entsprechende Traktion vermissen zu lassen. Alles untermalt von einem Sound, wie er schöner nicht sein kann. Da wird geblubbert und gesprotzt, dass es einem die Nackenhaare zu Berge steigen lässt.

Gut gibt es die Sportsitze, welche einen im Innern die Haltung bewahren lassen. Fehlt eigentlich nur noch ein Doppelkupplungsgetriebe, wie es im TCR-Tourenwagen, mit dem die Kundenteams der Koreaner 2018 auf Punktejagd gehen, bereits eingesetzt wird. Dann wäre das sportliche Temperamentsbündel wirklich perfekt. Solange muss man sich noch mit dem knackig zu schaltenden, manuellen Sechsgang-Getriebe begnügen. Aber alles zu seiner Zeit.

Text: Jörg Petersen

Fotos: Hyundai

Newsletter abonnieren
03 Okt 2017