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McLaren 675LT Spider

Gerade frisch eröffnet

Kompromisslos schnell und doch spielend einfach zu fahren: Der McLaren 675LT Spider.

Interessante Beobachtungen bei unserer ausgedehnten Probefahrt in Schottland. Beim Fahrerwechsel lassen zwei Buben ihren Vater anhalten, damit sie rausspringen und fotografieren können. Ein Fahrradfahrer hält an, um die Hände zum Applaudieren frei zu halten, und eine Mutter mit zwei Kindern kommt auf uns zu und erklärt ihnen: „Boys, look! It is the Spider!“. Die Sichtung eines McLaren 675LT in freier Wildbahn ist schon spektakulär. Aber wenn es sich dann noch um den brandneuen Spider handelt, scheint das Ereignis mindestens so aufsehenerregend zu sein wie wenn Nessie auftaucht. Und jeder scheint das Auto zu kennen.

Phänomenale Beschleunigung

Es liegt vielleicht daran, dass die Schotten glauben, ein McLaren sei ein Produkt aus der Heimat. Aber Bruce McLaren war Neuseeländer, kein Schotte. Und die Autos werden in Woking, südwestlich von London, gebacken. Ja, gebacken! Denn der 675LT Spider besteht grösstenteils aus Kohlefaser. Nur wenige Teile sind aus Aluminium gefertigt. Viele Karosserieteile für den Spider sind neu. Die Basis mit dem hinten in der Mitte des Carbonchassis montierten und wirklich traumhaften 3,8 Liter V8 Biturbo mit 700 Nm Drehmoment, 675 PS und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist geblieben. Nur 1270 kg (40 mehr als beim Coupé) müssen angeschoben werden. Das geht in drei Sekunden bis 100 km/h und etwas über acht bis 200 km/h. Doch auch die Endgeschwindigkeit von 326 km/h ist nur die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite kommt erst beim „Erfahren“ zum Vorschein. Der Motor faucht beim Drücken des Starterknopfs, aber nicht ordinär, sondern sehr zivilisiert. Die Fahrmodi Normal, Sport und Track lassen sich getrennt für Motor und Fahrwerk/Getriebe/Lenkung wählen. Das Beschleunigungsgefühl ist phänomenal, weil sich die Leistung nicht ruckartig, dafür aber je länger je vehementer aufbaut. Der Motor braucht im normalen Verkehr kaum über die 2000 Touren gedreht zu werden. Dann ist er auch leise. Hörbar sind nur Abrollgeräusche oder das Auftreffen der Kieselsteine auf die Radhäuser. Denn Dämmung würde Gewicht kosten.

Überraschend einfach

Das Corpus Delicti beim Neuling ist natürlich das Hardtop, das sich in unter 20 Sekunden bis 40 km/h öffnen lässt. Auch bei hoher Geschwindigkeit hält sich der Orkan im Innenraum in Grenzen. Wem es zuviel wird, schliesst die Seitenscheiben oder das hintere Fenster zwischen den Finnen. Die extrem dünnen und nur rudimentär gepolsterten Schalensitze passen wie angegossen, das in Alcantara gehüllte Cockpit (Leder wäre zu schwer) verbreitet nur die allernotwendigsten Informationen, Assistenzsysteme gibt es keine ausser ABS/ESP sowie einer Launch-Control.

Der Spider fährt wie auf Schienen und lässt sich sehr gut einschätzen, weil die hinteren Kotflügel in den Rückspiegeln sichtbar sind. Das Auto lässt sich anhand der beiden Radhäuser präzise auf der Strasse positionieren. Solange das Gaspedal behutsam bewegt wird, kommt keinerlei Nervosität auf. Die riesigen Karbon-Bremsen packen vehement, aber nicht brutal zu. Die Airbrake hilft beim Verzögern. Dass sich der 675LT Spider so herrlich einfach fährt, ist wohl die eigentliche Überraschung dieses Tests.

Wer jetzt sein Sparbuch plündern und die mindestens 366’540 Franken abheben möchte, kann sich die Mühe sparen. Alle 500 Spider, deren Produktion in diesen Tagen angelaufen ist, sind werksseitig schon ausverkauft. Und dass ihn ein Käufer freiwillig hergibt, dürfte eher unwahrscheinlich sein.

Text: Stefan Fritschi

Bilder: McLaren

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13 Apr 2016