Kraftvoll reagiert der kernige Vierzylinder auf jeden Gasstoss. Bereits zwischen 1500 und 3000 Touren geht der aufgeladene Zweiliter zur Sache. Zugleich wird aus dem Fahrtwind ein Orkan. Knochentrocken gibt der Zweisitzer Bodenunebenheiten an Fahrer und Beifahrer weiter, während er sich mit festem Griff am Sportlenkrad ohne Servounterstützung durch die Kurven feilen lässt. Roadsterfahren in reinster Form. Der Pininfarina Spidereuropa ist ein wahrer Klassiker, trotz des noch jungfräulich wirkenden Alters von erst 26 Jahren. Nicht verwunderlich. Denn was Pininfarina da Mitte der 80er-Jahre unter dem eigenen Markenzeichen gebaut hat, ist nichts anderes als die letzte Generation des Fiat 124 Spider. Und der datiert ursprünglich schon auf das Jahr 1966. Es war das Jahr, als Fiat mit der viertürigen Limousine 124 auf Anhieb einen Verkaufshit lancierte. Da überraschte es nicht, dass die Turiner auf der technisch fortschrittlichen Basis des kantigen Fünfsitzers noch ein Coupé und einen Spider nachreichten. Der Zuschlag für den offenen Zweitürer ging an Stardesigner Sergio Pininfarina. Für seine glattflächige Form mit dem sexy Hüftschwung erntete der 124 Spider einhelliges Lob. Ein moderner, 90 PS starker 1,4-Liter-Vierzylinder mit doppelter obenliegender Nockenwelle, gepaart mit einem Fünfganggetriebe, sorgte für eine Spitze von immerhin 170 Stundenkilometern. |
Optische und vor allem technische Verbesserungen führten Ende 1969 zur zweiten Serie BS, Ende 1972 zur dritten Serie CS. Vor allem sorgte eine Sportversion mit dem Kürzel CSA für Furore: der Fiat Abarth 124 Rally Stradale, auf Leichtbau getrimmt, mit Hardtop statt Faltverdeck ausgestattet und befeuert von einem kurzhubigen 1,8-Liter-Motor. Zwei 44er-Weber-Doppelvergaser verliehen der Strassenversion 128 PS, eine Kugelfischer-Einspritzung entlockte der Rennausführung sogar sensationelle 210 PS.
Namhafte Piloten wie Rauno Aaltonen, Markku Alen und Hannu Mikkola peitschten 1973 bis 1975 den breitspurigen 124er trotz Überlegenheit der Lancia Stratos zu etlichen Siegen und Ehrenplätzen in der Rallye-WM. Maurizio Verini sicherte sich gar den Europameister-Titel 1975.
Gleichzeitig war der 124 Spider in Europa aber aus den Preislisten verschwunden. Nur der US-Markt wurde noch mit der Version Spideramerica beliefert. Doch Fiat hatte die Rechung ohne Fans und findige Händler gemacht. Nicht wenige US-Versionen fanden via Grauimport den Weg zurück nach Europa. Dann, sechs Jahre später, die grosse Überraschung an der IAA 1981: Fiat brachte den 124 Spider offiziell zurück. War das ein Testlauf?
Von Fiat zu Pininfarina
Damals stand bereits fest, dass Fiat nach der kompletten Umstellung seiner Modellpalette auf Frontantrieb den heckgetriebenen Spider definitiv aus dem Programm kippen wollte. Doch Pininfarina zeigte sich interessiert, die Produktion unter eigenem Namen weiterzuführen. So entstand die Serie DS, der Spidereuropa mit 105 PS starkem Zweilitermotor und elektronischer Benzineinspritzung.
Dazu hatte der offene Dauerbrenner eine weitere Modellpflege erhalten: steilerer Frontscheibenrahmen, keine seitlichen Dreiecksfenster mehr, schlankere Stossfänger. Anfang 1985, knapp ein Jahr vor dem endgültigen Aus, erhielt der Spidereuropa sogar noch eine präzisere Lenkung – und einen Katalysator. Damit kam auch die Schweiz in den Genuss der letzten Serie.
Verwehrt blieb den Fans hierzulande jedoch offiziell jene Topversion, die mit bloss 500 Stück heute zu den meistgesuchten Exemplaren aus der 19-jährigen Modellgeschichte gehört: der Spidereuropa Volumex. Pininfarina wollte dem Adoptivmodell zu einem besonders starken Abgang verhelfen.
Deshalb spendierte man ihm neben einer reichhaltigen Ausstattung den von Abarth entwickelten Zweilitermotor mit Roots-Kompressor, der auch in den Lancia-Modellen Trevi und Beta HPE sowie im Fiat Argenta VX Verwendung fand. Der braucht zwar bei zügiger Fahrweise schon mal 12 bis 14 Liter auf 100 Kilometer. Doch mit 138 PS und sattem Drehmoment konnte der letzte 124 Spider seinem acht PS schwächeren Erzrivalen von Alfa endlich den Auspuff zeigen
| Neupreis | kein offizieller Import (Preis in Deutschland: DM 29 950) |
|---|---|
| Produktionszeit | 1983-1985 (total Spidereuropa: 1982-1985) |
| Stückzahl | 500 (total Spidereuropa: 7950) |
| Zylinder/Hubraum | R4/1995 cm³ |
| Leistung | 99 kW/135 PS bei 5600/min |
| Drehmoment | 206 Nm bei 3000/min |
| 0 bis 100 km/h | 8,7 s |
| Spitze | 190 km/h |
| Verbrauch (DIN) | 8,2-14,0 l/100 km, Benzin |
| MOTOR | |
| Bohrung×Hub | 84×90 mm |
| Verdichtung | 7,5:1 |
| Nockenw./Ventile pro Zyl. | 2 (Zahnriemen)/2 |
| Motorkonzept | Roots-Kompressor,1 Doppelvergaser (Weber 36 DCA) |
| KRAFTÜBERTRAGUNG | |
| Antrieb | Hinterrad |
| Getriebe/Gangzahl | manuell/5 |
| FAHRWERK | |
| vorne | doppelte Dreiecksquerlenker, Schraubenfedern, Stabi |
| hinten | Starrachse, Längslenker, Panhardstab, Schraubenfedern |
| Bremsen | 4 Scheiben (vorne belüftet) |
| Lenkung | Schnecke/Rolle; ab 1985: Zahnstange |
| Räder/Reifen | 7×15" (Alu) / 195/50 R 15 |
| KAROSSERIE | |
| Türen/Plätze | 2/2 |
| Länge/Breite/Höhe | 425/163/129 cm |
| Radstand | 228 cm |
| Tank | 43 Liter |
| Leergewicht/Zuladung | 1078/182 kg |
| Leistungsgewicht | 8,0 kg/PS |






