Gebrauchtwagen gibt es viele und in allen Preisklassen. Doch wie erkennt man die guten? Wie schützt man sich vor den schlechten? Selbst als Laie kann man Indizien entdecken, die Misstrauen statt Vertrauen wecken. Spätestens dann ist Zurückhaltung angesagt, selbst wenn der Verkäufer von einer «einmaligen Gelegenheit» spricht. Gute Autos gibt es genug, Zeitdruck ist völlig unnötig.
Werden Autos «ab Platz» angeboten, heisst es für Laien immer «Finger weg». Damit signalisiert der Verkäufer: Er haftet für nichts; das Auto ist in einem ungepflegten, zugleich oft unsicheren Zustand.
Preislich gesehen ist auch alles, was sich unterhalb von 2500 Franken bewegt, keine Empfehlung wert. Wer die Material- und Lohnkosten kennt, weiss: Für diesen Preis gibt es keine Qualität zu haben.
Empfehlenswert ist zur Orientierung die Fahrzeugbewertung nach Eurotax. Mit wenigen Klicks erhalten Sie eine aktuelle Bewertung. Zur Eingabemaske gelangen Sie hier.
Ein gutes Indiz im Inserat ist der Hinweis «frisch ab MFK». Das ist zwar keine Garantie, bietet aber minimale Gewähr, dass es sich um keine Schrottlaube handelt. Die Kontrolle beim Strassenverkehrsamt ist eine Momentaufnahme und besagt, dass das Fahrzeug den technischen Mindestanforderungen entspricht.
Geringes Risiko besteht ausserdem, wenn ein Markenhändler einen Gebrauchtwagen mit Garantie anbietet. Aber wer Qualität bietet, verlangt entsprechende Preise, sprich: Diese Angebote sind oft die teuersten. Günstiger sind Angebote von kleinen, markenungebundenen Händlern. Und natürlich solche von privat, ohne Garantie. Besonders Modelle aus erster oder zweiter Hand sind in der Regel ordentlich gepflegt und gewartet.
Ist ein passendes Modell gefunden, sollte man alle Dokumente wie Fahrzeugausweis, Serviceheft, Abgasdokument und Protokoll der letzten MFK kontrollieren. Ebenso sollte man prüfen, ob die Angaben im Inserat der Realität entsprechen.
Check und Probefahrt
Dank 12-Punkte-Check ist der erste Eindruck selbst für Laien keine Hexerei. Um einer Fehlentscheidung vorzubeugen, zusätzlich das Bauchgefühl und den gesunden Menschenverstand walten lassen. Leere Öldosen im Kofferraum oder Benzingeruch im Innenraum sollte jeder entsprechend interpretieren können.
Ein Muss ist die Probefahrt. Nicht nur ums Karree, sondern auch durch die Stadt, auf der Landstrasse und, wenn es passt, auf der Autobahn. Und ohne Radio bitte, damit man hören kann, ob der Motor oder das Getriebe ungewohnte Geräusche macht. Bereits im Stand können alle Funktionen geprüft werden, also Licht, Heizung, Lüftung, Wischer etc.
Ein warmer Motor vor der Probefahrt ist verdächtig vielleicht springt der Motor kalt schlecht an? Nachfragen. Für den Kupplungstest den zweiten Gang einlegen und mit angezogener Handbremse langsam die Kupplung kommen lassen. Jetzt muss der Motor absterben. Fühlt sich der Druckpunkt teigig an oder ist kein Spiel im Pedal, ist Vorsicht angesagt.
Gleiches gilt für die Bremsen. Funktioniert das ABS? Zieht der Wagen beim Bremsen zur einen Seite? Das alles kann auch dem Laien auffallen. Das alles kann man bei einer Garage oder im TCS-Center prüfen lassen, wenn der Wagen ansonsten einen guten Eindruck macht.
Nach der Probefahrt unbedingt einen Blick auf den Motor werfen. Schaum oder graue Schmiere am Ölstab sind ein schlechtes Zeichen. Ausserdem ein Auge auf den Boden unter dem Fahrzeug werfen und prüfen, ob etwas tropft. Im Zweifel einen Experten fragen. Ein Verkäufer, der nichts zu verbergen hat, wird einem Check bedenkenlos zustimmen.
Der 12-Punkte-Check
1. Unterboden: Vorsicht bei Öl-, Schmier- und Wasserspuren sowie Roststellen. Ein neuer Unterbodenschutz könnte auf verborgenen Rost hindeuten.
2. Anbauteile: Risse oder Parkschäden an den Kunststoffteilen mindern den Kaufpreis. Falls das Fahrzeug Parkhilfe hat, diese auf seine Funktionstüchtigkeit prüfen.
3. Scheinwerfer: Reflektoren der Scheinwerfer und Blinker dürfen weder angerostet noch angelaufen noch beschlagen sein. Und Xenon-Ersatzleuchten sind teuer.
4. Pneus: Risse im Gummi oder abgenutztes Profil darf nicht sein. Die Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter; die Pneus sollten höchstens vierjährig sein.
5. Felgen: Auf Kratzer, Risse und Brüche prüfen. Schäden können ein Risiko darstellen. Ausserdem müssen Nachrüstfelgen im Fahrzeugausweis eingetragen sein.
6. Motor/Antrieb: Bei Bremsanlage, Stossdämpfer, Getriebe und Schläuchen darf kein Öl und keine andere Flüssigkeit austreten. Ein Muss: Batterie und Zahnriemen checken.
7. Identifizierungsnummer: Kontrollieren, ob Typennummer bei Fahrzeug und Fahrzeugausweis identisch sind. Auf Einsicht in Rechnungen und Fahrzeugdokumente bestehen.
8. Scheiben: Abgesehen davon, dass Risse und Steinschläge ein Risiko darstellen, werden sie bei der Fahrzeugkontrolle im Strassenverkehrsamt beanstandet.
9. Cockpit: Alle Instrumente und Warnlampen auf ihre Funktionsfähigkeit prüfen. Scheibenwischer, Heizung, Gebläse, Heizung/Klima, Hupe, Radio etc. nicht vergessen.
10. Kofferraum: Lässt sich der Heckdeckel tadellos öffnen und schliessen? Sind Reserve-/Notrad oder Tire-Fit sowie alle Werkzeuge noch vorhanden?
11. Karosserie: Auf Rost, Lackfehler und -unterschiede achten. Rost und Unfallschäden können kaschiert und übermalt sein. Alle Gummidichtungen prüfen.
12. Auspuff: Lappen bei laufendem Motor auf den Auspuff drücken, um zu überprüfen, ob er dicht ist. Motor stellt bei zugehaltenem Auspuff ab, wenn dieser dicht ist. Ausserdem auf Rost, Befestigung und Abgastest achten.




