Occasionen Cabrios: Schwächen auf der Spur

Ratgeber Occasionen Cabrios

Die Frühlingssonne weckt die Lust auf ein ge­brauchtes Cabrio. Doch wo können Mängel stecken? Und welche Stoffdach-Typen versprechen ein besonders ungetrübtes Frischluftvergnügen?

Klassische Stoffdach-Roadster und -Cabriolets werden niemals alt. Sie werden allenfalls klassisch. Ihren guten Zustand verdanken sie oft der Tatsache, dass sie selten als Ganzjahres-Alltagsfahrzeuge eingesetzt werden und entsprechend wenig Kilometer aufweisen. Zudem überwintern sie während der kalten Jahreszeit meist in einer trockenen Un­terkunft, was die Gefahr von Rostfrass durch Streusalz minimiert. Dafür droht eine ande­re Schwachstelle – das früher empfindsame, heute deutlich robustere Verdeck. Ihm gilt es beim Occasionskauf besondere Beachtung zu schenken. Aber auch ein paar andere Eigenheiten zeigen sich bei Cabrios.

Jürg Stauber, Leiter der Prüfstelle des Technischen Zentrums TCS in Volketswil, kennt die Schwächen – der Cabriobesitzer! Wegen der unterdurchschnittlichen Laufleistung wird gern auf den jährlichen Inspektionstermin verzichtet, wenn erst die Hälfte der für den Ölwechselintervall angegebenen Kilometer zurückgelegt ist. So kann die Bremsflüssigkeit überaltert und stark wasserhaltig sein – sicherheitstechnisch bedenklich, aber mit einem Wechsel schnell behoben.
Wenig Kilometer, wenig Abrieb – oft finden sich auf Cab­rios uralte Pneus, die den Bremsweg erheblich verlängern können. Das Reifenalter verrät der vierstellige DOT-Code auf jedem Reifen (siehe Seite 96 bis 98). Der TCS empfiehlt, mehr als vier Jahre alte Reifen auszuwechseln. Zugleich könnten die Gummilager der Aufhängungsteile trotz geringer Fahrleistung ebenfalls der Alterung zum Opfer gefallen sein.

Auch Cabrio-Batterien gelten nicht als die besten, sofern sie nicht während der winterlichen Standzeit an ein Stützladegerät angeschlossen oder abgeklemmt und periodisch aufgeladen wurden.

Interieur mit Sonnenbrand

Sonne im Übermass ist nicht nur schädlich für die menschliche Haut, sie setzt auch Lederpolstern und Kunststoffoberflächen zu, wenn das Cabrio häufig offen an der prallen Sonne geparkt wurde. Verblichene oder sogar rissige Materialien an Sitzen, Armaturenbrett und Tür­innenseiten sind die Folge.

Ein besonderes Augenmerk gilt beim Kauf eines offenen Gebrauchten logischerweise dem Verdeck. Ist das oft komplexe Gestänge intakt? Lässt sich das Dach problemlos öffnen und schliessen, oder ist möglicherweise eine der zahlreichen Gelenkstellen festgerostet? Rein manuelle Systeme, berichtet Stauber aus Erfahrung, sind allgemein weniger störungsanfällig als elektrische Verdeckmechanismen.

Wachs ist Gift fürs Dach

Der Stoff sollte sich beim Abklappen wie von selbst schön zusammenfalten. Gummidichtungen können spröd oder rissig sein, Klettbänder lose oder abgenutzt.
Eine besondere Schwachstelle sind Plastikheckscheiben, die bei mangelnder Pflege blind und brüchig werden. Austausch bedeutet Sattlerarbeit; matte Scheiben können meist wieder poliert werden. Bei Glaseinsätzen ist zudem die Funktion der Heckscheibenheizung zu prüfen, da Kabel oder Kabelschuh vom vielfachen Öffnen und Schliessen beschädigt sein könnten.

Weitere Knackpunkte sind Schmutzreste in den Verdeckfalten, die in Kombination mit Feuchtigkeit zu Fäulnis führen.Und das Heisswachsprogramm in der Waschstrasse mag zwar Balsam für die Karosserie sein – es ist aber Gift fürs Softtop! Da wird das Gewebe mürbe.

Kaum weichzuklopfen

Schliesslich ist bei der Verdeckauflage am Frontscheibenrahmen auf passgenauen Sitz zu achten. Aus diesem Grund empfiehlt Stauber in jedem Fall eine Probefahrt mit geschlos­senem (!) Dach. Übermässige Windgeräusche weisen auf mangelhafte Passung hin. Was noch im Rahmen der Toleranz liegt, kann die Fahrt mit einem Vergleichsmodell zeigen.

Nicht bestätigen will der TCS-Experte indes die Legende von sogenannten weichgeklopften Karosserien. Gewiss sei die Ver­windungssteifigkeit bei älteren Typen zum Teil deutlich ge­ringer, verglichen mit den jeweiligen Coupé- und Limousinenversionen oder modernen Cabrio­s. Dass die Verwindungen im Laufe der Zeit aber spürbar zunehme, hat Stauber im Rahmen seiner Prüftätig-
keit nie bewusst feststellen können.

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Christof Gonzenbach

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