Breit, flach und mit üppigen Rundungen versehen, rollt er an, der 300 ZX mit dem verheissungsvollen Zunamen Twin Turbo. Kraftvoll und mit zurückhaltendem Grummeln geht der V6 zur Sache. Nicht mehr so seidig und vibrationsarm wie die Reihensechser der früheren Z und ZX, dafür mit deutlich mehr Nachdruck. Den besorgen zwei Garrett-Turbolader mit einem verhältnismässig moderaten Ladedruck von 0,7 Bar.
Über je zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinderbank werden 24 Ventile betätigt, die einlassseitigen sogar mit variablen Steuerzeiten. Jede Zündkerze wird direkt über eine eigene Zündspule angesteuert. Entsprechend harmonisch und souverän ist die Kraftentfaltung. Bloss 5,8 Sekunden vergehen für den Spurt auf Tempo 100. Die günstige Gewichtsverteilung dank weit nach hinten gerücktem Motor und das Differenzial mit Viscosperre lassen die Hinterräder mit tadelloser Traktion in den Asphalt krallen. Sogar ein Porsche 911 war damals nur ein Zehntel schneller im Paradespurt.
Aufwendige Vierradlenkung
Schliesslich beweist das Fahrwerk, dass die Japaner bei der Entwicklung der vierten Z/ZX-Generation alle Register gezogen haben. An beiden Achsen führen hochmoderne Multilenker-Konstruktionen die Räder, hinten kommt unter dem Namen HICAS sogar eine aktive Vierradlenkung zum Einsatz.
Am Kurveneingang werden die Hinterräder zunächst bis zu ein Grad in Gegenrichtung zu den Vorderrädern eingeschlagen. Danach schwenken sie in die gleiche Richtung – minimale Einschläge, die von aussen nicht sichtbar und für den Fahrer kaum spürbar sind, aber für ein ausgesprochen problemloses, neutrales Kurvenverhalten sorgen. Und das Auto viel schneller machen, als es scheint.
Von Grund auf neu entwickelt
Er sollte der beste Sportwagen seiner Zeit werden, die Nummer eins der 90er-Jahre, symbolträchtig verschlüsselt im Projektcode 901Das Prinzip lange Schnauze, kurzes Heck wurde über Bord geworfen, nicht weniger als elf Entwürfe wurden im Windkanal getestet, bis das Design mit einem cW-Wert von 0,28 feststand. Und vom Motor aus dem vorhergehenden 300-ZX-Modell Z31 blieb für den neuen Z32 eigentlich nicht viel mehr übrig als das V6-Prinzip und das Bohrung-Hub-Verhältnis.
Ein starkes Stück, doch das Z-Image zog in Europa nicht mehr, und der ZX verkaufte sich in weit geringerer Stückzahl als sein Urahne 240 Z, der als meistverkaufter Sportwagen der Welt angepriesen wurde. Gewiss lag es teilweise am Preis, der deutlich höher war als bei seinen Vorgängern.
Stolzer Neupreis
Kostete ein 240 Z Anfang der 70er-Jahre mit 21 000 Franken rund halb so viel wie ein vergleichbar motorisierter Porsche 911, rangierte der 300 ZX Twin Turbo mit zunächst 75 000 Franken nur noch 25 Prozent unter dem deutschen Klassiker. Und der Preis zog bis 1995 sogar auf 89 850 Franken an. Das war vielen zu viel. Und so verschwand die legendäre Baureihe im folgenden Jahr in Europa von der Bildfläche.
Schon Ende der 90er-Jahre tauchten die ersten 300 ZX mit hohen Abschlägen auf dem Gebrauchtwagenmarkt auf. Ein gefundenes Fressen für junge Tuning-Freaks, die sich über den ab Werk nur massvoll aufgeladenen Twin-Turbo-Motor hermachten und mit nicht immer seriösen Methoden 400 PS und mehr aus dem Dreilitertriebwerk herauspressten. Oder mit unzähligen Lautsprechern einer Soundanlage jeden Hohlraum ausfüllten.
So ist es heute nicht einfach, einen unverbastelten 300 ZX Twin Turbo zu finden. Zum Glück sind die Preise noch tief – und damit die Chance auf einen Klassiker von morgen hoch.




