Mercedes SLS AMG Roadster: Verspätete Offenbarung

Mercedes SLS AMG Roadster

Auf der IAA feierte der SLS Roadster Weltpremiere. ai Online war kurz zuvor an der letzten Erprobungsfahrt dabei.

Es ist der letzte Akt vorm offiziellen Verkaufsstart des offenen SLS im Herbst. AMG-Chef Ola Källenius und Tobias Moers, Leiter Fahrzeugentwicklung, geben ihrem Roadster noch einmal die Sporen. Auf der Abnahmefahrt geht es noch einmal um dem Gesamteindruck. Källenius: «Es ist wie bei einem Neugeborenen: Man will es von allen Seiten begutachten, selbst wenn man weiss, dass das Baby kerngesund ist.»

Obwohl der SLS als Coupé hinlänglich für Furore sorgte, ist beim Roadster alles anders. Denn es fehlen die markanten Flügeltüren. Dennoch wirkt die offene Variante nicht wie ein aufgeschnittenes Coupé, sondern wohltuend eigenständig. «Der SLS wurde parallel als Coupé und Roadster entwickelt», erzählt Källenius. Und Moers verrät noch mehr: «Der Roadster hatte bei dem Projekt immer die Führungsfunktion». Doch der Flügeltürer hatte traditionsbedingt die grössere Aura. Auf ihn warteten die Kunden, und deshalb erhielt er ein Jahr Vorsprung im Markt.

Technische Neuerungen
Die gewollte Verzögerung bei der Roadster-Lancierung erlaubte dafür ein paar technische Neuerungen beim SLS. Zum Beispiel ein in drei Stufen wählbares Dämpfersystem aus dem Hause ZF Sachs, das den Roadster von sportlich komfortabel bis bretthart abstimmt. Neu ist «AMG Performance Media», ein Multimediasystem zur Auswertung der Fahrzeugdaten auf Rundkursen. Die Software erlaubt zudem einen schnellen mobilen Internetzugang. Nur für eine Touchscreen-Tastatur hat es nicht mehr gereicht.

Ungerührt, ungeschüttelt
Tobias Moers lässt es bei der letzten Testfahrt fliegen. Die offene Version gibt den ungefilterten Gänsehaut-Klang des 571 PS starken 6,3-Liter-V8 frei, die Beschleunigung ist atemberaubend. Bei einem nahezu identischen Leistungsgewicht gegenüber dem Coupé von 2,9 Kilo pro PS ist der Spurt aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer in unter vier Sekunden eine leichte Übung.
Wie das? «Dank Aluminium-Chassis und -Karosserie ist der Roadster nur 40 Kilogramm schwerer als das Coupé», erklärt Moers. Gezielte Verstrebungen ersticken beim offenen Zweisitzer jedwede Vibration oder Verwindung. Die Kraft gibt der V8 über eine Karbon-Antriebswelle an die Hinterachse weiter. Dort sitzt in bester Trans-axle-Bauweise ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe von Getrag, das bereits im Ferrari 458 Italia arbeitet. Motor und Getriebe sind über ein Wellengehäuse starr miteinander verbunden. Laut Moers ein «Hundeknochen-Konzept».

Kurvenfahrten erledigt der Roadster dank doppelter Dreiecksquerlenker an allen Rädern souverän und keinen Deut langsamer als sein geschlossener Bruder. Zu hören sind neben dem bulligen Motorsound nur dezente Windgeräusche.

Das Stoffverdeck absorbiert selbst diese und lässt sich innerhalb von elf Sekunden bis Tempo 50 während der Fahrt schliessen. Gegenüber einem Aluklappdach ist das Faltdach leichter und beschneidet den Kofferraum nur um 3 Liter.

Und der Aufpreis für die SLS-Offenbarung ist erträglich: Der Roadster ist mit 285'000 Franken gerade 5000 Franken teurer als der Flügeltürer. Bei gleichem Normverbrauch (13,2 Liter), dafür mit unbezahlbarem Roadster-Gefühl. Abnahmefahrt bestanden, Källenius ist zufrieden: «Das Paket ist rund.»

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Herbie Schmidt

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