Felgenproduktion bei OZ: Die Zauberer von OZ

Felgenproduktion bei OZ

An unzähligen Titeln hat Felgenbauer OZ seinen Anteil. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Meisters aller Klassen?

Die Formel-1-Saison hat begonnen. Und das bedeutet volle Konzentration beim Felgenspezialisten OZ. Denn ohne ihre Räder gebe es kein Rennen. Und weil mittlerweile viel High-Tech in den Rundlingen steckt, zählen Details zu Reifen und Felgen zu den bestgehüteten Geheimnissen im Motorsport. Da lässt sich keiner vom Konkurrenten in den Kochtopf gucken. Nur die auto-illustrierte durfte einen Blick riskieren.

Für die Italiener ist mit dem Start ins WM-Jahr die Saison bereits gelaufen. "Wir können nicht so flexibel reagieren wie die Reifenhersteller. Und das Reglement erlaubt es nicht, die Räder innerhalb der Saison zu wechseln und gegen Evolutionsstufen auszutauschen. Es wäre zu kostspielig und aufwändig", sagt OZ-Boss Claudio Bernoni.

Doch langweilig wird es ihm dennoch nicht. Der in der Nähe Paduas beheimatete Felgenspezialist veranstaltet sein eigenes Produktions-Rennen. In drei Schichten rund um die Uhr haben die Italiener von November bis April Hochkonjunktur. Sie produzieren für Red Bull als Nummer-1-Team sowie für Sauber, Toro Rosso und Lotus Renault die Räder. Und die werden am selben Fliessband produziert, wie die von jedem Privatkunden.

Geschmiedetes Magnesium

Etwa 700 Felgen verlassen pro Tag die Produktionshallen, nur fünf Prozent davon sind für den Rennsport vorgesehen. Und während die Produktion noch auf vollen Touren läuft, richtet man in der Racing-Abteilung jetzt schon den Fokus auf die Saison 2012. Bernoni: "Jedes Jahr entwickeln wir eine neue Evolutionsstufe und müssen das Rad sprichwörtlich neu erfinden."

Fast zwei Milliarden Euro lässt sich OZ die Entwicklung von Motorsport- und Strassenfelgen jährlich kosten. Das ist gleichbedeutend mit rund 1000 Stunden Entwicklungsarbeit.

Seit 1971 produziert OZ Räder für die Formel 1 und Motorsportserien. Aus Gründen der Gewichtsersparnis setzte man 1985 auf gegossenes Magnesium, seit 1993 wird geschmiedet. Die Magnesiumlegierung mit dem Mix aus Zink, Mangan, Silizium und Kupfer bietet eine extreme Festigkeit und hohe Widerstandsfähigkeit bei Aufprall oder Aufschlag sowie gegen Vibrationen.

Carbon noch kein Thema

Das Felgengewicht spielt nach wie vor eine grosse Rolle, ist aber nur ein Teil des Pakets. Die Formel-1-Teams legen Schwerpunkte fest. Bernoni: "Es gibt Teams, die viel Wert auf Steifigkeit und Festigkeit legen, andere konzentrieren sich auf Gewicht und Aerodynamik. Dementsprechend müssen wir stets den goldenen Mittelweg finden, um die Anforderungen der Teams zu erfüllen."

Im Hochofen werden die F1-Räder bei 700 Grad Celsius gegossen und anschliessend wie ein rohes Ei behandelt. Nach der mechanischen Bearbeitung und der Lackierung hat die Qualitätskontrolle oberste Priorität. Tests mit Ultraviolett- und Röntgen-Strahlen entlarven Material- oder Strukturfehler.Mängel, die mit blossem Auge nicht zu erkennen sind. Die Tests zur Dichtigkeit sind aber nicht cleverer als die beim simplen Fahrradreifen. Das Komplettrad wird mit 5 bis 7 bar aufgepumpt und in eine Wasserwanne getaucht. Luftbläs-chen lassen erkennen, ob das Rad an Porosität leidet.

Die Lebensdauer einer Motorsport-Felge ist extrem unterschiedlich. In der amerikanischen Indy-Serie sind drei Jahre keine Seltenheit. In der Formel 1 überleben Räder je nach Kilometerleistung gerade mal eine Saison.

Die Kilometerleistung resultiert aus den Ansprüchen der Teams. Einige legen mit den Felgen bis zu 1500 Kilometer zurück, andere verschleissen ihr Material in 1000 Kilometern. Sicher ist nur, dass etwas schwerere Felgen eine längere Laufleistung bieten.

Zur Gewichtsreduktion könnte sogar einmal Carbon beitragen. Bernoni: "Die Entwicklung mit Kohlefaser nimmt ein rasantes Tempo auf. Der Einsatz im Felgenbereich ist im Motorsport noch verboten. Wir arbeiten aber daran, zu verstehen, ob sich ein Carbon-Rad bauen lässt. Langfristig kann das ein Thema werden, aber mit Sicherheit nicht in den nächsten fünf Jahren."

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Jörg Petersen

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