Es ist eine Glaubensfrage: Neuwagen oder Occasionsauto? Für einige kommt nur ein neues Auto in Frage – wer kauft schon gerne die Katze im Sack. Grosse und kleine Rappenspalter überlassen dafür den ersten grossen Abschreiber lieber dem Erstbesitzer. Schliesslich kann ein Neuwagen in den ersten eineinhalb Jahren bis zur Hälfte des Werts im Vergleich zum Neupreis.
Und ganz ehrlich: Ein nicht zu alter Gebrauchter ist heute kein Risiko, so gut und langlebig ist die Technik geworden. Wer sich für einen Gebrauchtwagen entscheidet, der findet diverse Angebote. Occasionsmärkte und Garagisten sind erste Quellen, über die man sich einen direkten Eindruck von Gebrauchtwagen verschaffen kann. Dazu kommen zahlreiche private Angebote aus dem Internet oder via Zeitungsinserat. Allein bei autoscout24.ch werden mehr als 100 000 Autos angeboten.
Doch vor der ersten Probefahrt sollte man zuerst das Budget festlegen. Teuer kaufen kann jeder, günstige Angebote brauchen Überlegung. Beim Markenhändler darf man mit gepflegten, meist jüngeren Occasionen rechnen. Zudem werden solche Fahrzeuge oft noch mit längerer Garantieleistung angeboten. Aber das kostet.
Bei kleineren und unabhängigen Händlern kann es günstiger sein, dafür braucht es aber etwas Vertrauen zum Verkäufer, sofern keine Fahrzeuggarantie angeboten wird. Von Autos "ab Platz" sollten Laien in jedem Fall die Finger lassen.
Ja, es gibt sie, die automobilen Perlen zu Schnäppchenpreisen. Doch niemand hat etwas zu verschenken, deshalb bei Privatanbietern immer zweimal hinschauen. Es ist zwar nicht erlaubt, kommt aber trotzdem regelmässig vor, dass Autos mit versteckten Mängeln angeboten werden.
Clevere Betrüger täuschen selbst Experten, aber einfache Tricks kann jeder selbst entlarven. Deshalb verlangt eine Probefahrt mehr Zeit als die Strecke kurz um den Häuserblock. Mit den folgenden Tipps sensibilisiert und vorbereitet, kann beim nächsten Gebrauchtwagencheck nicht viel schiefgehen.
Vor der Probefahrt:
- Sicherheitscheck: Reifen auf Druck, Profil und Alter (vierstellige DOT-Nummer) untersuchen. Elektrik prüfen. Verkehrsunsichere und technisch veränderte Autos gar nicht erst anrühren.
- Fahrzeugpapiere einsehen: Ist der Wagen zugelassen und versichert? Wenn nicht, keine Probefahrt machen. Und Achtung: Wenn im Fahrzeugausweis der Verweis steht: "Code 178, Halterwechsel verboten", ist das Fahrzeug geleast.
- Schliesstest:Sind alle Schlüssel vorhanden, passen sie in die Schlösser und funktioniert die eventuell vorhandene Funkfernbedienung?
- Radlager prüfen: Den Reifen fest umklammern und kräftig rütteln. Dabei auf Geräusche und Bewegung am Rad achten. Hat der Felgen Spiel, sind die Radlager defekt.
- Flüssigkeitscheck: Vor der Fahrt unbedingt die Motorflüssigkeiten überprüfen. Bei kaltem Motor müssen Öl- und Wasserstandsanzeige zwischen Minimum und Maximum stehen.
Während der Probefahrt:
- Autobahnfahrt einplanen: Nicht nur kurz in der Stadt fahren. Für eine Probefahrt sollte genug Zeit eingeplant werden. Dabei alle Gänge durchschalten und auf ungewöhnliche Geräusche bei höheren Geschwindigkeiten achten.
- Kupplung prüfen: Dritten Gang einlegen, Handbremse ziehen und langsam einkuppeln. Der Motor sollte dann absterben, auch mit wenig Gas. Ist kein Spiel im Pedal oder der Druckpunkt teigig, gilt auch hier – besser nicht kaufen!
- Spuren im Sand: Für den Handbremsentest auf einer unbefestigten Strasse Schritttempo fahren und dabei die Handbremse ziehen. Die Hinterräder müssen sofort blockieren und eine gleichmässige Spur ziehen.
- Bremsen prüfen: Bei der Bremsprobe behutsam antesten – dann Vollbremsung. Dabei dürften keine metallischen Geräusche hörbar sein.
Nach der Probefahrt:
- Zur Oelkontrolle: Erneut Öl prüfen. Klebt Schaum oder graue Schmiere am Stab: schlechtes Zeichen.
- Motor-Sichtprüfung: Auch wenn der Motor heiss ist, dürfen keine Öllecks erkennbar sein. Wenn 30 Minuten nach Abstellen des Fahrzeugs nichts tropft, ist der Motor weitgehend dicht und trocken.
- Kühler-Ausgleichsbehälter prüfen: Achtung, vorsichtig öffnen! Das System steht unter Druck, und das Kühlmittel ist sehr heiss. Im Gefäss dürfen keine langsam aufsteigenden Blasen zu sehen sein, andernfalls ist die Kopfdichtung kaputt. Schwimmt Öl im Wasser, deutet das auf eine ungute Verbindung zwischen Öl- und Kühlkreislauf hin.
- Bitte Ohren spitzen: Läuft der Motor auch bei optimaler Betriebstemperatur im Stand schön rund? Besonders im Leerlauf darauf achten, dass dieser werder ruckelt noch schwankt. Der heisse Motor sollte nach kurzem Abstellen sofort wieder einwandfrei anspringen.




