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Interview mit Sebastian Buemi

Mit sechs Punkten Ausbeute ist Sébastien Buemi mehr als erfolgreich in seine erste Formel 1-Saison gestartet und hat der Schweiz nach 25 Jahren endlich wieder WM-Punkte beschert. ai-Redaktor Jörg Petersen bat den sympathischen Westschweizer an der Auto Zürich zum Interview.

auto-illustrierte: Du bist in Australien furios in deine erste Formel-1-Saison gestartet. In Schanghai hast du gleich nochmals einen WM-Punkt erkämpft. Danach gab’s eine lange Durststrecke. Warum?

Sébastien Buemi: Wir haben mit dem Doppeldiffusor so unsere Probleme gehabt. Anfang Saison glaubten wir, wie viele Teams im Übrigen auch, dass er als verboten eingestuft wird. Der Entscheid der FIA, ihn letztendlich doch einsetzen zu dürfen, hat uns viel Zeit gekostet. So haben wir sechs bis sieben Rennen, wo wir nur am Doppeldiffusor gearbeitet haben, verloren. Erst mit dem letzten Up-date wurden wir dann auch wieder schneller und richtig konkurrenzfähig.

ai: Das Ende der Saison war mit zwei Punkterängen in Brasilien und Abu Dhabi sehr versöhnlich für dich. Ist die Saison für euch zu früh zu Ende gegangen?

Buemi: Durchaus. Ich wäre gern noch mindestens fünf Rennen gefahren. Unser Auto war zum Schluss sehr schnell. So muss es unser Anspruch sein, nicht nur dort weiterzumachen, wo wir in diesem Jahr aufgehört haben, sondern uns noch weiter nach vorne zu bringen. Sicher ist schon jetzt, das ich im nächsten Jahr weiterhin für Toro Rosso fahre, und sicher ist auch, dass wir dann auch wieder mit Ferrari-Motoren an den Start gehen.

ai: Welches Fazit ziehst du aus deiner ersten Formel-1-Saison?
Buemi: Ich habe mich sehr schnell in der Formel 1 akklimatisieren können. Ich war immer schneller als meine Teamkollegen Sébastien Bourdais oder Alguersuari. Mir hat auch das Team bei meiner Integration sehr geholfen. Gerade als Neuling machst du doch noch den einen oder anderen Fehler. Genau die Zeit lässt man mir, schliesslich lernt man aus Fehlern.

ai: Wie sehr habt ihr bei Toro Rosso von der enormen Entwicklung des grossen Bruders (Red Bull Racing) profitiert?

Buemi: Adrian Newey und sein Team haben ein exzellentes Auto gebaut, sodass Red Bull von Anfang an konkurrenzfähig war. Doch im Gegensatz zu uns war der Abstand zu Red Bull einfach zu gross, sodass wir nicht folgen konnten. Wir haben viele Probleme gehabt, die Teile produzieren zu können. Red Bulls Steigerung verlief zum Saisonende etwas langsamer, so konnten wir besonders in den letzten drei Rennen zu ihnen aufschliessen.

ai: Du bist nicht nur der beste Rookie 2009, du bist auch der erste Schweizer seit fast einem Vierteljahrhundert, der endlich wieder Punkte für unser Land geholt hat. Wie stolz bist du darauf?

Buemi: Es macht mich besonders stolz, ein Stück Schweizer Motorsportgeschichte mitgeschrieben zu haben, und ehrt mich, in einem Atemzug mit Jo Siffert, Clay Regazzoni und Marc Surer genannt zu werden. Ich glaube aber vielmehr, dass es für die Schweiz wichtig ist, endlich wieder einen Piloten in der Formel 1 zu haben. Viele junge Kartpiloten erkennen, dass man mit Ehrgeiz, Mut und Ausdauer sehr viel erreichen kann. Und mit Fabio Leimer in der GP2, aber auch Formel-Renault-Meister Nico Müller haben wir noch einige hoffnungsvolle Schweizer Talente in der Hinterhand. Wär doch toll, wenn ausser mir noch ein zweiter Schweizer in der Formel 1 fahren würde.

ai: Kannst du dich noch unerkannt in der Schweiz bewegen?
Buemi: Momentan gehe ich noch in der Masse unter, sodass es zurzeit noch keine Probleme gibt. Da bin ich aber auch nicht böse drum. Ich denke, dass es sich im nächsten Jahr nochmals ändern wird.

ai: Welche Ziele hast du für 2010 – man darf ja davon ausgehen, dass dein Vertrag bei Toro Rosso um ein weiteres Jahr verlängert wird.

Buemi: Ja, mein Vertrag wurde jetzt verlängert. Man weiss nicht, wie gut unser Auto gehen wird und ob es auch schon mal reicht, sich vor Mark Webber oder Sebastian Vettel zu platzieren. Das alles wird sich bereits im Februar bei den ersten Test herauskristallisieren. Mein Ziel ist es, auf alle Fälle regelmässig in die Punkte zu kommen.

ai: Du hast deinen Wohnsitz in Bahrain. Warum?

Buemi: Für mich macht es eigentlich keinen Sinn, hier in der Schweiz zu wohnen. Ich war in diesem Jahr, wenn es hoch kommt maximal 30 Tage in der Schweiz. Ich fühle mich in Bahrain sehr wohl und habe auch dort meine Verwandtschaft. Es hat mir schon geholfen, mich dorthin zurückziehen zu können und vollkommen abzuschalten, um dann wieder vollen Mutes im nächsten Rennen starten zu können. Leider sind die Wege doch immer recht lang. So habe ich mich entschlossen, im nächsten Jahr nach Monaco zu ziehen.

ai: Wie vertreibst du dir die Zeit bis Februar? Erst dann geht es mit den Testfahrten ja wieder los.

Buemi: Nächste Woche fliege ich nach Las Vegas, um dort ein Kartrennen zu absolvieren. Dieses Rennen sehe ich als Trainingseinheit an. Daneben werde ich mich bis Februar natürlich sehr konzentriert und hart auf die neue Saison vorbereiten.

ai: Wann wird das neue Auto präsentiert?

Buemi: Momentan liegen wir voll im Plan, und ich denke, dass wir Ende Januar, Anfang Februar das Auto fertig haben werden. Unser Ziel muss es jedenfalls sein, gleich beim ersten Test den neuen Wagen einsetzen zu können.

ai: Wird deine Cousine Natacha Gachnang, die in der Formel 2 fuhr und jetzt einen Testfahrervertrag beim neuen Campos-F1-Team hat, künftig von dir profitieren können?

Buemi: Ich werde natürlich versuchen, ihr so gut wie möglich unter Arme zu greifen. Das geht von der Streckenkenntnis bis hin zur Fahrzeugabstimmung, da man in der Formel 1 nur sehr wenig Zeit hat um etwas lernen zu können. Ich glaube, sie hat eine gute Chance weiterzukommen, und von mir erhält sie dabei jede Unterstützung.

 

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